Zwei Fehler – elf Tote

von Cornelia Schramm

Elf Menschen starben beim Zugunglück in Bad Aibling. Wochen später ist klar: Der Fahrdienstleiter trägt einen erheblichen Anteil an ihrem Tod. Gleich zwei Mal hat er in seinem Job versagt.

Für das Warnsignal muss der Fahrdienstleiter besondere Knöpfe am Stellwerkstisch drücken - in der Aufregung wählte er am Tag des Unfalls wohl den falschen.
Für das Warnsignal muss der Fahrdienstleiter besondere Knöpfe am Stellwerkstisch drücken – in der Aufregung wählte er am Tag des Unfalls wohl den falschen.

Heute Morgen wurden genauere Ursachen zum schweren Zugunglück in Bad Aibling bekannt. Wie es seitens leitender Ermittler heißt, seien die Untersuchungen zu den Ursachen des Unglücks immer noch nicht ganz abgeschlossen. Anhaltspunkte für rein technisches Versagen bei den Gleis- oder Signalanlagen oder innerhalb der kollidierten Züge hätten sich jedoch nicht ergeben. Es verdichten sich jedoch immer mehr die Hinweise darauf, dass der zuständige Fahrdienstleiter maßgeblich für den Zusammenprall der beiden Meridian-Züge verantwortlich war.

Wie unter anderem der Spiegel meldet, habe der Fahrdienstleiter am Morgen des 9. Februar 2016 die beiden aufeinander zufahrenden Züge nicht rechtzeitig gewarnt: zuerst habe er die eingleisige Strecke für beide Züge freigegeben, dann das Missgeschick zwar erkannt, aber möglicherweise aus Aufregung die falsche Funktaste gedrückt, die die Lokführer noch rechtzeitig hätte warnen können.

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Warnsignal kommt zu spät

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach deshalb gegenüber der „Bild“-Zeitung von einer „ganz besonders tragischen Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen“. Der warnende Funkspruch ging zunächst nicht an die Lokführer der betroffenen Meridian-Züge, sondern an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Erst als die sich meldeten, wurden mit einem zweiten Funkspruch die Lokführer gewarnt. Doch die zweite Warnung kam dann zu spät.

Der Fehler des Fahrdienstleiters hatte schwere Folgen: das Zugunglück von Bad Aibling gilt als eines der schwersten in der Geschichte der gesamten Bundesrepublik. Bei dem Zusammenprall der Züge wurden im Februar elf Menschen getötet, 24 schwer und 61 nur leicht verletzt.

Bei den zuständigen Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaft lehnt man sich indes noch nicht allzu weit aus dem Fenster. Vor Abschluss des gesamten Ermittlungsverfahrens will man keine einzelnen Ermittlungsergebnisse bekannt geben. Die Fehlbedienung, die dem Fahrdienstleiter vorgeworfen wird, wäre ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen und der Begutachtung durch Sachverständige. Dabei geht es, wie aus einer Meldung hervorgeht, vor allem noch um einen Punkt:

Dabei wird auch die Frage zu klären sein, ob bei richtiger Abwicklung des Notrufes die Züge noch hätten zum Stehen gebracht werden können.

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