Familiengründung in stürmischen Zeiten

Das alternde Tal braucht dringend Nachwuchs, weiß man auch in Rottach-Egern. Im Seeforum fand daher am Freitag eine Feier zu Ehren der Neugeborenen und ihrer Eltern statt. Gastgeber und Bürgermeister Christian Köck sprach bei dieser Gelegenheit auch über Nachwuchsförderung und hohe Immobilienpreise.

Versuch eines Gruppenfotos: Die Gäste waren so zahlreich, dass der versammelte Rottacher Nachwuchs samt Familien gar nichts ins Bild passte.
Versuch eines Gruppenfotos: Die Gäste waren so zahlreich, dass der versammelte Rottacher Nachwuchs samt Familien gar nichts ins Bild passte.

Der Geburtenjahrgang 2015 war in Rottach erneut überdurchschnittlich: 36 Neugeborene zählte die Gemeinde im vergangenen Jahr, eine der Familien zog weg. Der Ausreißer 2014 mit 43 Geburten wurde zwar nicht überboten, dennoch nennt Christian Köck die Zahl „überdurchschnittlich“ – normal seien etwa 30. Der Bürgermeister lud daher am Freitag zu einer Neugeborenenfeier im Rottacher Seeforum ein.

Der gefeierte Nachwuchs erschien – samt Eltern und Geschwistern – zahlreich im vorderen Bereich des Wallbergsaals. Köck freute sich entsprechend, dass der Rottacher Brauch auch in diesem Jahr gut angenommen wurde. Während sich die Gäste bereits Kaffee und Kuchen widmeten, den der hauseigene Partyservice Blümer lieferte, sprach der Dorfvorsteher allen Anwesenden seinen Dank aus:

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Es ist toll, dass ihr euch in stürmischen Zeiten für die Familie entschieden habt. Jetzt müssen wir als Gemeinde auch unsere Hausaufgaben machen.

Schließlich brauche der Nachwuchs nun bestmögliche Versorgung. Ob Kindergarten oder Hort: Rottach will sich gut um die neuen Mitbürger kümmern. Doch weil Familien in der „hochpreisigen Gegend“ auch ein Zuhause brauchen, so Köck, engagiere er sich für bezahlbaren Wohnraum. In Abstimmung mit einigen Bauträgern habe er diesbezüglich einen Stein ins Rollen gebracht.

Und: „Mir ist auch unser Schulstandort sehr wichtig. Der alte Bungalow, der 1969 gebaut wurde, soll durch ein neues Gebäude ersetzt werden“, verkündete der Bürgermeister der feierlichen Runde. Denn der Nachwuchs von heute sei der „Unterbau kommender Generationen.“

Unter den Familien sind vor allem Einheimische, aber auch Zugezogene von nah und fern haben 2015 Nachwuchs bekommen. Für Anja und Lucas Rüngeler kam die Einladung unerwartet. Man sei „positiv überrascht“ gewesen, erzählen die Eltern des zehn Monate alten Max. „Toll, dass die Gemeinde sich die Mühe macht. Das ist in Zeiten klammer Gemeindekassen nicht selbstverständlich“, sagt der Vater, während der Sohn vom Schoß aus das Treiben beobachtet.

Auch Mevlute und Feriz Morina, die vor Jahren aus Albanien ins Tal zogen, sprechen von einer gelungenen Aktion für sie und die einjährige Eljesa. Und sie sind nicht zum ersten Mal eingeladen: Mit der älteren Tochter war Familie Morina schon einmal dabei.

Christian Köck übergab den Eltern und ihrem Nachwuchs Lätzchen im Rottach-Stil und eine CD nach Wahl - bayerische Musik oder Schlaflieder. Auch die syrische Familie Almohammad (im Bild: Vater Fadlullah und Sohn Oday)  sagte Danke.
Christian Köck übergab den Eltern und ihrem Nachwuchs Lätzchen im Rottach-Stil und eine CD nach Wahl – bayerische Musik oder Schlaflieder. Auch die syrische Familie Almohammad (im Bild: Vater Fadlullah und Sohn Oday) sagte Danke.

Als Christian Köck und Organisatorin Martina Kirchleitner den Familien Lätzchen und CDs als Präsente überreichen, gibt es einen besonderen Moment. Denn auch der kleine Oday Almohammad, geboren am 9. Januar 2015, gehört zu den Gästen. Seine Eltern sind anerkannte Asylbewerber aus Syrien, die mittlerweile eine Wohnung in Rottach gefunden haben – während der Schwangerschaft lebte das Paar erst in München, dann in der Tegernseer Turnhalle.

Doch die Behörden organisierten einen Umzug für Najwa und Fadlullah Almohammad. „Die Turnhalle war nicht zumutbar“, sagt Bürgermeister Köck. Sohn Oday war das erste Neugeborene des Jahres, das letze kam ausgerechnet am 24.12.2015 zur Welt. Auch wenn man sich streiten kann, ob sich ein Geburtstag an Weihnachten geschenketechnisch rechnet – für Rottach wird der Nachwuchs Gold wert sein. Findet auch Köck: „Ein Ort, in dem keine Kinder leben, ist nicht lebenswert.“

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