Rottacher Tierschützerin mit dringendem Appell an alle Wanderer

Fatale Rettung eines Rehkitzes

Am Mittwoch entdeckte ein Wanderer-Pärchen ein vermeintlich verwaistes Rehkitz am Schliersee. Sie wollten helfen und umwickelten das kleine Tier mit ihren Jacken. Die Polizei kümmerte sich sofort um die Versorgung. Doch die gut gemeinte Rettungsaktion kann fatale Folgen haben.

Am Mittwoch fanden Wanderer am Schliersee ein Rehkitz. / Quelle: Johanna Ecker-Schotte

Vergangenen Mittwoch war ein 34-jähriger Mann aus einem Nachbarlandkreis mit seiner Freundin am Schliersee wandern. Am Wegrand beim Hennerer entdeckten die Beiden plötzlich ein vermeintlich verwaistes Rehkitz und umwickelten es mit ihren Jacken. Erst danach alarmierten sie gegen 20:45 Uhr den Notruf der Polizei.

Die Beamten der Miesbacher Polizeiinspektion machten schon am Telefon und später vor Ort deutlich: Rehkitze sollten grundsätzlich nicht angefasst werden. Um dem 1.300 Gramm leichten Kitz zu helfen, wurde es zunächst im Stall bei einem der Polizisten untergebracht.

Anschließend fuhren die Beamten nach Fischbachau, um einen Liter Ziegenmilch vom Leitzacher Ziegenhof zu organisieren und die Erstversorgung des Rehkitzes sicherzustellen. Währenddessen stellte die Dienststellenleiterin der Miesbacher Polizei den Kontakt zu einer Pflegestelle in Wackersberg her, die sich um verwaiste Kitze kümmert und entsprechend ausgestattet ist.

Rottacher Tierschützerin appelliert an alle Wanderer

Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, wurde ebenfalls kontaktiert. Das Rehkitz wurde später um 23.00 Uhr am Bahnhof in Gmund an Ecker-Schotte übergeben, die sich bereit erklärte, den Transport nach Wackersberg zu übernehmen. „Die Beamten hoffen, dass das Tier überlebt und später wieder ausgewildert werden kann“, berichtet die Polizei.

Ecker-Schotte nimmt den Vorfall nun zum Anlass, um ausdrücklich vor derartigen „Rettungsaktionen“ zu warnen. Das Rehkitz aus Schliersee, vermutlich ein kleiner Rehbock, sei gerade einmal einen Tag alt – sogar die Nabelschnur sei noch feucht gewesen. „Die Wanderer haben es gut gemeint. Bei den Menschen setzt da automatisch der ,Bambi-Effekt‘ ein“, erklärt Ecker-Schotte.

Doch die Berührung eines Kitzes hat schwerwiegende Folgen: Die Mutter nimmt es nicht mehr an. „Die Rehgeiß war vermutlich in der Nähe und hat das Ganze mit Schrecken beobachtet.“ Durch das Umwickeln mit Jacken habe man ihr das Junge entrissen. Ecker-Schotte warnt deshalb: Finden Spaziergänger ein Rehkitz und haben das Gefühl, etwas stimmt nicht, sollen sie sich die Stelle merken und die Polizei informieren.

Die Polizei nimmt dann Kontakt mit dem zuständigen Jäger auf, der sich ein Bild von der Lage machen kann. Die Rottacher Tierschützerin appelliert zudem an alle Wanderer: „Bitte nicht durch die Wiesen laufen, sondern auf den Wegen bleiben. Die Wildtiere durchleben momentan eine schwierige, sensible Zeit.“

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