Feldkreuze, Marterl und Bildstöcke: Zeugen des Lebens und Sterbens

Von Rose Beyer

„Zum Gedenken: Hansi Wanner. Dahier verunglückt am 12.5.1963 mit 25 Jahr!“ Nur ein Satz ist es, den das Marterl am Wegesrand im Kreuther Ortsteil Schärfen ziert. Trotzdem kann man hinein interpretieren, wie arg die Angehörigen damals gelitten haben müssen, den jungen Mann so plötzlich zu verlieren.

„Was wäre gewesen, wenn…“, schießt es einem wohl durch den Kopf. Wenn Hansi eine Minute früher oder später mit seinem Motorrad vom Gasthof Hagn in Enterbach Richtung Scharling nach Hause gestartet wäre? Wenn Hansi den Freund mitgenommen hätte, den er eigentlich mitnehmen wollte, der aber dann doch nicht mit ihm fuhr?

Die Umstände seines Todes wurden nie geklärt. Man fand Hansi, verunglückt mit seinem Motorrad an der Stelle, wo jetzt das Marterl steht. Ein Ahornbaum wurde ihm zum Verhängnis.

Was ist damals passiert?

War ein anderes Fahrzeug oder ein anderer Mensch am Unfall beteiligt? Waren es schlechte Sichtverhältnisse? Berechnete er den Verlauf der leichten Kurve beim Fahren falsch? Oder verlor er aus irgendeinem anderen Grund die Kontrolle über sein Zweirad?

Diese Fragen bleiben. Und das Marterl, das Angehörige und Freunde an Hansi erinnert. Solche Marterl, Feldkreuze oder auch Bildstöcke sind bedeutende Zeugen des Lebens, aber auch der Religiosität in unserer Kulturlandschaft.

Zahlreiche Marterl sieht man vor allem entlang der Bundesstraßen im Tegernseer Tal. Aber auch in den Bergen findet man sie. Eigentlich fast ein Wunder, dass diese teils sehr alten Flurdenkmäler überlebten.

Hatte doch Bayerns Minister Montgelas im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 die strikte Beseitigung aller Steinkreuze, Martersäulen, Bildstöcke und anderer Denkmäler verlangt. Das und anderes haben die Herausgeber des Kreuther Heimatbuches zusammengetragen.

Beispielsweise zählt das Tegernseer Tal laut Historik an die zehn Steinkreuze, 15 Martersäulen und Bildstöcke sowie 27 Marterl.

Was unterscheidet ein Steinkreuz von einem Marterl?

Und so werden sie definiert: Ein Steinkreuz ist in unserer Gegend meist ein aus Tuffstein gehauener, kreuzförmiger Stein mit einer lichten Höhe von 60 bis 110 Zentimetern. Ist auf einer Säule oder in einer Nische die Marter Christi dargestellt, so spricht man von einer Martersäule. Werden Heiligenbilder gezeigt, handelt es sich um einen Bildstock. Marterl dagegen sollen an den – meist jähen – Tod eines Menschen erinnern.

Marterl sind kleine Holztafeln mit einem kurzen Text. Ab und zu skizziert zusätzlich eine Laienmalerei das Unglück. Marterl sind also kleine Martersäulen. Allerdings äußerlich kleiner ausgeführt als die namensähnliche Martersäule, weil die Marter eines Menschen offenbar kleiner anzusetzen ist als die Marter Jesus.

Ob Steinkreuz, Martersäule, Bildstock oder Marterl – alle Flurdenkmäler haben offenbar eins gemeinsam: Sie sollen Vorübergehende zur Besinnung auffordern, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Vielleicht ist es ja so, dass das Leben umso intensiver wird – je mehr man sich mit dem Tod oder der Endlichkeit des Lebens beschäftigt.

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