Tote Fische in kleinem Bach in Kreuth entdeckt
Fischsterben am Weissacher Wasserkraftwerk?

von Sabiene Hemkes

Besorgte Bürger entdecken an einem fast trocken gefallenen Zufluss der Weissach tote Fische. In der Nähe finden augenscheinlich Bauarbeiten am Mühlbachkanal statt. Gibt es da einen Zusammenhang?

Der Bachlauf, der auf den Kanal folgt, war gestern fast komplett ausgetrocknet (hinter Getränkemarkt Orterer) / Quelle: Privat

Gestern meldete sich ein Bürger bei der Tegernseer Stimme. Bei einem Spaziergang mit seinen Kindern in Kreuth hat der Familienvater eine besorgniserregende Entdeckung gemacht. Er schildert, mit den Kids einige der noch in “kleinen Tümpeln im Bachbett” schwimmende Groppen in tiefere Bereich umgesetzt zu haben. Gerade die Groppe so erzählt der Kreuther, sei ein gefährdeter Fisch, den es zu schützen gelte und ergänzt:

Ich bin wirklich kein radikaler Tierschützer, aber dass hier die Fische ersticken, muss doch nicht sein.

Zudem berichtet der Mailschreiber über Bauarbeiten am Mühlbachkanal am Wasserwerk Weissach: “Am Wasserkraftwerk Tegernsee, dem Weissach Werk, wurde komplett die Wehranlage für den kleinen Kanal als Zufluss geschlossen. Weiterhin wurde der Kanal mit Kies zugeschüttet, sodass nun kein Wasser mehr fließt.” Er selbst war mit den Kindern in der Nähe des Getränkemarkt Orterer unterwegs – an der Verbindung zwischen Weissachkanal und dem Mühlbach. Dort entstanden auch größtenteils die Fotos, die hier zu sehen sind.

Am Wasserkraftwerk Tegernsee, dem Weissach Werk, wurde komplett die Wehranlage für den kleinen Kanal als Zufluss geschlossen / Quelle: Privat

Andreas Sossna, zuständiger Mitarbeiter beim E-Werk Tegernsee für das Wasserkraftwerk Weissach, bestätigt die Bauarbeiten. “Das ist eine ganz normale Maßnahme in Rahmen der Instandhaltung des Werkes.” Jedes Jahr werde der Mühlbachkanal, der bereits im Jahr 1896 erbaut wurde, in der sogenannten “Bachauskehr” gereinigt und ausgebessert. Alle drei Jahre, so berichtet Sossna weiter, werde dann sogar eine große Bachauskehr durchgeführt. Er erklärt:

Bei der großen Bachauskehr wird der gesamte Kanal trockengelegt und eine große Wartung vorgenommen, inklusive der Turbinen und des Betonkanals.

Das sei, informiert der Verantwortliche des E-Werks weiter, absolut unerlässlich. Immerhin sei das Wasserwerk, das 280 Haushalte mit Strom versorge, schon über weit 100 Jahre alt. Die diesjährige Bachauskehr habe am Montagmorgen um 06:00 Uhr mit dem Schließen der Schleusentore begonnen. Die Sanierung des Mühlbachkanals soll laut Sossna bis zum Ende der Woche abgeschlossen sein. Warum es allerdings durch die Maßnahmen zu dem beobachteten Fischsterben gekommen sein soll, kann sich Sossna nicht erklären.

Wir planen die Sanierungsarbeiten schon Wochen im Voraus.

Gleichzeitig mit der Trockenlegung des Kanals erfolge eine Abfischung der betroffenen Gebiete. Das sei auch am Montagmorgen genauso abgelaufen wie immer, betont Sossna. Der Fischereiberechtigte für das Gebiet habe ebenfalls am Montag mit einer Gruppe von 15 bis 20 Personen mit dem Abfischen begonnen. Die teils mit Keschern und teils mit Elektrofischen abgefischten Tiere werden bis zum Ende der Bachauskehr in großen Becken gesammelt und dann wieder in den Mühlbach eingesetzt. Er selbst habe am Montag mit einigen der Helfer gesprochen. Alles sei so gelaufen wie immer, stellt der Mitarbeiter des E-Werkes klar.

Zahlreiche Fische hat ein Leser hier tot gefunden / Quelle: Privat

Damit bleibt unklar, wie es zu den vielen toten und auch vom Ersticken bedrohten Fischen am Ufer des kleinen Baches kommen konnte, die unser Leser beobachtete. Und gestern, das erklärt der Familienvater in einem Telefonat mit der TS, habe er wieder tote Groppen an dem Bach in der Nähe der Weissach entdeckt. Die TS wird heute mit dem zuständigen Fischereibeauftragten sprechen, der hoffentlich eine schlüssige Erklärung für die Geschehnisse liefern kann. Wir halten euch informiert.


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