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Biofleisch von den steilen Hängen des Auerbergs in Fischbachau

Fleischproduktion: Das geht auch anders …

Von Sabiene Hemkes

Nicht erst seit Jan Böhmermanns „öffentlichen Grillabend“ am letzten Freitag in ZDF Royal stehen die industriellen Fleischproduzenten am Pranger. Im Landkreis Miesbach arbeitet man fleißig am Gegenentwurf zur industriellen Produktion. So auch im Koglhof in Fischbachau. Aber ist das überhaupt möglich?

Kathrin und Hans Kirchberger auf einer ihrer Weiden des Berghofes in Fischbachau / Quelle: SMG Landkreis Miesbach

Vielen wird das Essen der letzten Woche hochgekommen sein, sollten sie die letzte Sendung des Team Böhmermann im ZDF gesehen haben. Das einzige Thema des Satire Magazin am späten Freitagabend: Der „Fleisch Kaiser Clemens Tönnies“ und seine Methoden, den Braten auf den Tisch und die Wurst auf das Brot zu bringen. Es ging in der Sendung unter anderem um die täglich 70.000 Schweine-Schlachtungen und den menschenverachtende Umgang mit Mitarbeitern und Tieren.

Landkreis-Märchen aus alter Zeit

Da mutet es fast wie ein Märchen aus alter Zeit an, dass es im Landkreis Miesbach die meisten Bio-Fleischerzeuger in Deutschland gibt. Laut ÖMR ist der Anteil an Bio-Bauern der höchste in der ganzen Bundesrepublik. Über 70 Prozent aller Landwirte halten sich darüber hinaus freiwillig an die Vorgaben des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP). Viele der Bauern vermarkten dieses Fleisch auch noch mit Unterstützung des Öko-Modelprojektes (ÖMR) des Landkreises im Direktmarketing über die gemeinschaftliche Internetseite der Weidefleischproduzenten.

Jetzt ist ein neuer Betrieb am Auerberg in Fischbachau als Produzent hinzugekommen. Bio-Zertifiziert auf den eigenen Weiden und im Einklang mit der Natur, wie Bauer (im Nebenberuf) Hans Kirchberger vom Koglhof in Fischbachau berichtet:

Die Entwicklung unserer Landwirtschaft ist mir und meiner Frau ein Herzensanliegen. Eben auch um diese wunderschöne Landschaft so zu erhalten, wie sie ist.

Kirchberger und seiner Frau ist es wichtig zu betonen, dass die Tiere, die er auf seinem Hof aufzieht, Kälber aus der Region seien. Ohne weite Transportwege weideten seine Rinder auf den steilen Wiesen des Bergbauernhofes am Auerberg. Das ermögliche, führt der Teilzeitlandwirt weiter aus, ein artgerechtes Leben für seine Viecher und das stelle auch die zeitgerechte und „sinnvolle Wirtschaftsweise“.

Eine gute Nachricht: Kälber bleiben im Lankreis

Die steilen Weiden rund um den Auerberg mit ihren seit Jahrhunderten kultivierten Wiesen voller wilder Kräuter und Obstbäumen werden in aufwendiger Handarbeit bewirtschaftet. Daher war, so die Familie Kirchberger, die den Hof im Jahr 2016 übernahm, der Schritt hin zur Bio-Tierhaltung ein naheliegender.

Das freut auch ÖMR-Managerin Stephanie Stiller. Stiller ist dankbar, den Hof aus Fischbachau in die stetig wachsende „Familie“ der Weidefleisch-Produzenten im Landkreis Miesbach aufnehmen zu können:

Der Koglhof ist einer von vielen wichtigen Bausteinen bei der Bio-Fleisch-Erzeugung im Landkreis.

Das sei auch für die Bio-Milchviehbetriebe der Umgebung, betont die ÖMR-Managerin. So können die Kälber, die sie nicht für die eigene Nachzucht brauchen, an Familie Kirchberger abgegeben werden. Lange Transportwege blieben den Tieren so erspart.

Erste Schlachtung am Koglhof

Am Koglhof planen sie nur vier- oder fünfmal im Jahr eine Schlachtung. Der erste Termin wird im Mai sein. Das Bio-Weidefleisch vom KoglRind kann man jetzt auch auf bei den Miesbacher Weidefleisch-Produzenten beziehen oder einfach direkt auf dem Hof anfragen. Bei der Abholung führen die Kirchbergers auch gern einmal über den Hof und die Weiden.

Und um am Ende auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ja – im Landkreis scheint es tatsächlich einige Alternativen für die im Supermarkt erhältlichen Produkte der „industriellen Fleischproduktion“ zu geben.


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