Motorradfahrer verwechselt öffentliche Straßen wohl mit Rennstrecke
Flucht vor Polizei mit 200km/h

von Filiz Eskiler

Wie eine Filmszene: Auf der A8 gab es letzten Sonntag eine Verfolgsjagd mit Höchstgeschwindigkeiten. Ein Ende fand das Ganze erst in einem Wohngebiet – nach einem wenig erfolgreichen Fluchtversuch.

Gegen 14:20 Uhr wurde auf der A8 in Fahrrichtung München ein Motorradfahrer auffällig, das berichtet die Autobahnpolizei. Auf Höhe der „Leitzsachsenke“ hatte ein ziviler Videowagen bei dem Biker eine Geschwindigkeit von über 200km/h im 130km/h-Bereich festgestellt. Daraufhin versuchte man, den Fahrer mit Blaulicht und Martinshorn anzuhalten – vergeblich. Auch ein Überholen war nicht möglich: Der Biker hat laut Angaben der Polizei sein „165-PS-Geschoss im unbeschränkten Bereich bis auf knapp 250 km/h“ beschleunigt.

Durchquetschen mit über 200km/h

Als auf Höhe Otterfing ein Überholversuch des Videowagens doch möglich war, wurde das Polizeifahrzeug von dem Raser rechts überholt. Der Motorradfahrer scherte unmittelbar vor dem Videowagen ein und schnitt ihn. Zusätzlich habe der Fahrer dabei einen auf dem mittleren Fahrstreifen fahrenden Pkw mit geringem Seitenabstand überholt. Er hat „sich quasi zwischen dem Pkw und dem Videowagen durchgequetscht. Wohlgemerkt mit weit über 200 km/h“, betont Roman Gold, Leiter der Kontrollgruppe Motorrad.

Kurz vor der Anschlussstelle Hofolding bremste der Fahrer laut der Polizei sein Fahrzeug von 210 km/h „brutal“ ab, um bei der Ausfahrt die Autobahn zu verlassen. „Das Rotlicht der Ampelanlage an der Anschlussstelle zur St 2070 interessierte den Biker nicht, und er beschleunigte vehement in Richtung Sauerlach“, beschreibt Gold den weiteren Verlauf der Verfolgungsjagd.

Von der Autobahn in ein Wohngebiet

Im 70er Bereich habe er auf weit über 140km/h beschleunigt und entfernte sich somit von dem Videofahrzeug. Auf dem Weg Richtung Sauerlach Ortsmitte habe er außerdem mehrere Wagen trotz Überholverbot überholt.

Kurz vor Ortsmitte bog der dann in ein Wohngebiet ab. In dem verkehrsberuhigten Bereich fuhr er nach Zeugenangaben mit ca. 50 km/h an einer Familie so knapp vorbei, dass die Eltern das Kind wegziehen mussten, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, so Gold weiter. Kurz darauf fand die Verfolgungsjagd laut ihm ein Ende:

Am Ende des Weges stellte der Biker sein Motorrad ab und flüchtete zu Fuß. Dazu versteckte der seinen Helm und seine Motorradjacke, um nicht als Motorradfahrer erkannt zu werden. Den Fahrzeugschlüssel hatte er auch weggeworfen. Zeugen deuteten dem nahenden Polizeifahrzeug sofort unaufgefordert die Fluchtrichtung. Eine weitere zuvor verständigte Streife konnte den Biker dann unweit vorläufig festnehmen. Fußgänger mit Motorradhose- und Stiefel sind eben doch auffällig.

Ein durchgeführter Alkohol- und Drogentest verlief negativ. Auf die Frage, warum der 50-jährige Münchner mit seinem leistungsstarkem Motorrad versuchte, vor der Polizei zu flüchten, wollte dieser keine Angaben machen.

Strafverfahren gegen den Motorradfahrer

Den Biker erwartet nun ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und illegalem Kraftfahrzeugrennens. Weiter wird gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetzes ermittelt, da bereits seit dem Vortag die Ausgangsbeschränkungen galten.

Zeugen, die sachdienliche Angaben zu dem Vorfall machen können, sollen sich unter 08024/9073-0 an die Autobahnpolizei Holzkirchen wenden.


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