Spielsystemänderung in der Jugend: Fußballverantwortliche im Tals uneins

Von Arthur

Kleineres Feld und weniger Spieler. Ab der kommenden Saison 2011/12 stehen im D-Jugendbereich (U13) nicht mehr elf, sondern nur noch neun Spieler für jede Mannschaft auf dem Feld. Bei weniger Feldspielern, wird auch das Spielfeld selbst verkleinert (siehe Grafik).

neues d jugend spielfeld
Die neuen Maße: 44m breit und von 16ner zu 16ner lang

Bisher traten Mannschaften ab der D-Jugend mit elf Spielern gegeneinander an und spielten auf das große Feld der Erwachsenen. Das soll in Zukunft erst ab der C-Jugend so sein. Durch die Änderung will der Fußballverband den Übergang vom Kleinfeld (halber Platz quer) hin zum Großfeld erleichtern. Außerdem erhofft sich der Verband so eine bessere Förderung der Spieltechnik. Bei weniger Feldspielern und weniger Spielfläche verspricht man sich mehr Ballkontakte für jeden einzelnen.

Die Neuregelung bringt neben Chancen aber auch einige Probleme mit sich. Wir haben uns mit den Verantwortlichen der Tal-Vereine unterhalten und nach Ihrer Meinung zu der Änderung gefragt:

Klaus Prechtl (Jugendleiter des TV Tegernsee):

„Insgesamt sehe ich diese Änderung positiv. Rein vom Lehrinhalt schult ein verkleinertes Großfeld das Kurzpassspiel, ein schnelleres Spiel und ganz speziell die technischen Fähigkeiten der Nachwuchsspieler. Bezüglich der Umsetzung sehe ich aber noch kleine Schwierigkeiten. Zur Gaudi habe ich einmal auf dem PC alle verschiedenen Spielfeldgrößen eingezeichnet und übereinander gelegt. Ganz ehrlich: da kennt man sich kaum noch aus.“

Johann Weber (Jugendleiter der SpFrd Gmund-Dürnbach):

„Da haben sich die Herren Funktionäre beim Verband wieder etwas Tolles in den Kopf gesetzt. Durch das veränderte Spielfeld entsteht für unseren Verein wieder mehr Aufwand. Es müssen zusätzlich Linien aufgestreut werden. Auch die Tore müssen verankert werden, damit keine Kippgefahr besteht. Und was machen wir, wenn wir z.B. 15 Kinder bei den D-Junioren haben? Schicken wir zwei Kinder nach Hause? Die Änderungen finde ich insgesamt negativ, auch wenn der Übergang vom Klein- aufs Großfeld für die Jugendlichen somit erleichtert wird. Aber das alles müssen wir bei der nächsten Jugendtrainersitzung noch klären.“

Ines Hammerer (Jugendleiterin des SV Waakirchen-Marienstein):

„Die Spielform 9:9 in der D-Jugend hilft uns kurzfristig auf jeden Fall weiter. So können wir nächste Saison wieder eine Mannschaft in dieser Altersklasse anmelden, was wir dieses Jahr auf Grund von zu wenigen Spielern leider nicht geschafft haben. In der C-Jugend in zwei Jahren haben wir das Problem aber wieder. Also für uns ist diese Änderung erstmal gut. Problem ist nur die Spielfeldgröße. Unsere 1. Mannschaft ist sicher nicht gerade begeistert davon, dass das Feld bald wie ein Hallenboden aussieht. Kein Fußballverein im Tal hat ein extra Kleinfeld. Und die angedacht Variante Hüttchen aufzustellen, anstatt Linien zu streuen, finde ich eher problematisch.“

Hanni Hirschmüller (stellvertretende Jugendleiterin des FC Rottach-Egern):

„Wir halten von der Änderung gar nichts. Alle unsere Jugendtrainer haben nur mit dem Kopf geschüttelt. Da wird wieder einmal einfach von oben nach untern bestimmt ohne vorab die Vereine zu Fragen. Wie wir es genau mit dem Spielfeld regeln werden, wird sich noch zeigen, aber wahrscheinlich werden wir auf die Hüttchenlösung zurückgreifen. Wie die Änderungen umgesetzt werden können, wird dann erst die Praxis in der neuen Saison zeigen.“

Franz Breunig (Fußball Abteilungsleiter des FC Real Kreuth):

„Der Übergang von der E-Jugend in die D und dann in die C-Jugend wird durch die Änderung deutlich erleichtert und fördert die fußballerische Entwicklung der Jugendlichen immens. Teilweise haben die jüngeren und kleineren Spieler nur knapp fünf Ballkontakte pro Spiel. Da geht dann irgendwann der Spaß verloren. Im Großen und Ganzen befürworte ich die Änderungen. Allerdings sind mehr Linien auf dem Rasen eher suboptimal.“

Thomas Trettenhann (D-Jugend Trainer der SG TSV Bad Wiessee/TV Tegernsee):

„Wir haben die Sondersituation mit unserem Kunstrasenplatz in Bad Wiessee. Die Linien werden wir einmalig aufsprühen müssen. Die Variante mit Hüttchen als Linien halte ich für nicht umsetzbar. Für die Spieler sind zwei Aspekte zu betrachten. Klar ist es für einen E-Jugendlichen besser, wenn er nicht sofort auf das ganz große Feld muss. Aber die aktuellen D-Jugendspieler: Unsere Jungs sind hauptsächlich D2-Spieler – also vom jüngeren Jahrgang. Und nächstes Jahr, wenn sie D1-Spieler sind, sollen sie wieder auf kleine Tore und ein kleineres Feld – das ist doch eher ein Rückschritt. Technisch wird das Fußballspielen auf der schmäleren und kürzeren Spielfläche sicher anspruchsvoller. Die Änderungen sind beschlossene Sache. Die Umsetzung bekommen wir sicher hin.“

Die Meldung hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) übrigens am 1. April veröffentlicht, daher hielten wir die Meldung zunächst für einen Aprilscherz…

Ein Merkblatt des BFV zu den Änderungen für Vereine und Trainer gibt es hier.


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