Postbräuareal: Anwohner und "Stop Südumgehung" fordern neues Gutachten
Gegner machen Kritik öffentlich

von Laura Lorefice

Bebauungsplan Nummer 40: Dieses Konzept ist in Holzkirchen inzwischen berüchtigt. Die geplanten 100 Wohnungen rund um das Postbräu-Gelände sorgten in der Vergangenheit schon für viele Diskussionen. Nun erheben Bürger und Anwohner öffentlich Einwand.

Schon mehrere Einwände gegen den Bebauungsplan Nummer 40 hat die Gemeinde von Anliegern und Bürgerinitiative auf dem Tisch liegen.
Mehrere Einwände gegen den Bebauungsplan Nummer 40 hat die Gemeinde von Anliegern und Bürgerinitiative bereits auf dem Tisch liegen.

Auf dem Gebiet des Postbräu-Areals, dem Wertstoffhof und dem Parkplatz des Eisstadions in Holzkirchen sollen insgesamt 100 Wohnungen entstehen. Außerdem ist ein zusätzliches Hotel für die Alte Post an der Thanner Straße geplant. Die vorgeschriebenen 140 Parkplätze sollen in zwei Tiefgaragen mit je 70 Stellplätzen entstehen.

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Kritiker fürchten “Verkehrsinfarkt”

Anwohner der Daisenberger, Thanner und Tegernseer Straße fürchten durch die zusätzliche Bebauung ein Verkehrschaos und erhebliche Staus. 100 neue Wohnungen bedeuten rund 70 Stellplätze. Die wiederum bedeuten rund 1000 neue Autofahrten pro Tag, die das Areal rund um den Marktplatz belasten. Zwischen Thanner und Tegernseer Straße über die Daisenberger Straße soll im Zuge der Bebauung eine Querverbindung entstehen. Sie könnte den Marktplatz entlasten – jedoch soll sie nur für Fußgänger und Fahrradfahrer zugelassen sein.

Die Einmündungssituation der Thanner Straße in die Tölzer Straße, beziehungsweise an der Daisenberger Straße zur Tegernseer Straße, würde sich deutlich verschärfen, so die Befürchtung der Gegner. Die Hauptangst der Kritiker des Bauvorhabens: Dass sich der Verkehr ortsauswärts weiter auf die Thanner Straße in Richtung Thann und Lochham verlagert. Schon seit Jahrzehnten zieht sich das Bauprojekt nun hin. Vor Jahren erstellte Gutachten der Firma Gevas und Prüfungen des Straßenbauamts Rosenheim sind laut der Bürgerinitiative “Stop Südumgehung” nicht mehr zeitgemäß.

Offener Brief an Gemeinde und Presse

Nicht zum ersten Mal, erhebt die Bürgerinitiative deshalb Kritik zu dem Bauvorhaben. Aufgrund neuer, aktueller Erkenntnisse fordert die Bürgerinitiative nun ein neues Verkehrsgutachten und wendet sich mit einem offenem Brief an Gemeinde und Presse. Darin heißt es:

Das erstellte Gutachten von Gevas und die Stellungnahme des Straßenbauamts Rosenheim basieren auf einer veralteten Grundlage, da sich die neue Verkehrssituation wie folgt eingestellt hat. Die Staatsstraßen Miesbacher- und Tegernseer Straße wurden zu Bundesstraßen B 13 erhoben, somit ist das alte Gutachten Makulatur!

So sei zu prüfen, ob bei Bundesstraßen andere verkehrsrechtliche Vorschriften greifen würden. Eine Abbiegespur wie beim BayWa Gelände sowie Fahrradwege an der Tegernseer und Daisenberger Straße sei laut “Stop Südumgehung” zudem unumgänglich. Wie solle sich sonst zukünftig der morgendliche Berufsverkehr plus Radfahrer, Fußgänger, Schulkinder und Ein- und Ausfahrer der geplanten Tiefgarage am Postbräuareal mit dem daraus resultierenden Rückstau von abbiegenden Fahrzeugen unfallfrei begegnen, so die Frage der Bürgerinitiative. Sie fordern eine neues Verkehrsgutachten.

Widersprüchliche Aussagen der Gemeinde

Das wollen auch die Anwohner der Verbindungsstraße Thanner Straße/Lochham. Auch sie haben bereits im Oktober 2014 ihre Einwände gegen den Bebauungsplan Nummer 40 bei der Gemeinde eingereicht. Aus dem Antwortschreiben vom 14.07.2015 der Verwaltung/Bauamt geht hervor, dass laut damaligem Verkehrsgutachten und einer Stellungnahme des Straßenbauamts Rosenheim “die Tegernseer Straße mit ihrer Einmündung Daisenberger Straße mit Optimierungsmaßnahmen (Ampelschaltung) geeignet wäre, den Mehrverkehr aufzunehmen”. Diese Aussage passt in den Augen der Anlieger aber nicht zu einem Artikel im Merkur, der nur zwei Tage später erschienen ist. Darin heißt es:

Der Gemeinderat hatte sich fachliche Auskunft gewünscht, ob die beiden großen Ampelsysteme im Ortskern nicht verbesserungswürdig sind.

Im Verkehrsausschuss am 14.07.15 bestätigte Matthias Geitz, vom Straßenbauamt Rosenheim dann “Das System ist technisch ausgereizt”. Die Anlieger sehen die Antwort der Gemeindeverwaltung demnach als “zu willkürlich und absolut widersprüchlich”. Daher fordern auch sie ein neues Verkehrsgutachten und eine neue Stellungnahme des Straßenbauamtes Rosenheim. Weiter heißt es in dem Einwand:

Ferner ist noch zu beachten, dass … das gesamte Wohngebiet der Thanner Straße, sowie der hintere Bereich der Wallbergstraße, Setzbergstraße, Hirschbergstraße usw. die Abkürzung zu Fuß oder mit dem Rad über die neue Verbindung Daisenberger Straße in Richtung Karner, REWE, Frühlingsstraße nehmen werden. Die Daisenberger Straße hat keinen Geh- und Radweg! Die Verkehrsteilnehmer enden an der Tegernseer Straße – Bundesstraße – ! […]  Sie können nicht mit dem Durchgang der drei privaten Wohnanlagen in Richtung REWE rechnen.

Die Größe der Wohnbebauung müsse dringend den örtlichen Gegebenheiten und der gegebenen Infrastruktur angepasst werden, falls die Gemeinde ohne neue Erschließungsstraße in die Planung gehen, so die Anlieger. Mit dem offenen Brief wollen Anlieger und BI für mehr Öffentlichkeit sorgen, ” “damit das die Gemeinde nicht unter den Teppich kehrt”. Am Wochenende wurden die Einwände per Brief persönlich bei der Gemeinde abgegeben.

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