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Nach Verwirrung um Gutachten

Rottach bleibt „Heilklimatischer Kurort“

Von Rose Beyer

Aktualisierung vom 21. Oktober / 10:32 Uhr
Jetzt ist es amtlich: Nachdem es einige Verwirrung gegeben hatte, ob die Gemeinde Rottach-Egern das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ in der Form offiziell tragen darf, liegt nun das offizielle Gutachten vor.

Regierung von Oberbayern und Deutscher Wetterdienst haben geprüft: Der Verkehr beeinträchtigt die Luftqualität nur wenig.

Am Tegernsee herrschen heilklimatische Bedingungen - in Rottach wurde das jetzt bestätigt.
Auch die vielen Staus – wie hier in der Ortsdurchfahrt von Rottach-Egern – haben den heilklimatischen Bedingungen und der Gemeinde nicht geschadet.

„Wir bestehen nicht nur aus Hauptstraßen“, freute sich Bürgermeister Christian Köck, als er in der jüngsten Gemeinderatssitzung offenbaren durfte, dass sich die Gemeinde weiterhin „Heilklimatischer Kurort“ nennen darf.

Denn auch, wenn man den Ort manchmal nur aus der fahrenden Perspektive durch die Hauptstraße wahrnimmt, sind die lufthygienischen und bioklimatischen Werte sauber. Das bestätigt ein schriftliches Gutachten. Josef Brummer las Auszüge daraus in der Sitzung vor.

Demnach darf das Siegel ohne Einschränkungen getragen werden. Die Werte wurden an den verschiedensten Punkten im Ort gemessen. Bis zum Jahr 2018 darf man sich jetzt auf die Auszeichnung verlassen, dann müssten neue Messungen das Prädikat erneuern.

Ursprünglicher Artikel vom 27. August mit der Überschrift: Geheimes Gutachten?
Der Status als Heilklimatischer Kurort ist für Rottach-Egern von großer Bedeutung. Der Markenauftritt der Gemeinde ist an das Prädikat gebunden.

Die Gemeinde wirbt in diesem Zusammenhang auch mit dem Rückgang des Verkehrsaufkommens auf der B307. Belegen können oder wollen die Verantwortlichen das aber nicht.

Die Verleihung des Prädikates "Heilklimaticher Kurort" an Rottach-Egern wirft Fragen auf. Bild: Bernd Reuschenberg
Die Verleihung des Prädikats „Heilklimatischer Kurort“ an Rottach-Egern wirft Fragen auf / Bild: Bernd Reuschenberg

Vor etwas mehr als einer Woche berichteten Medien, darunter die Tegernseer Stimme, über ein Gütesiegel, das der Gemeinde vom Deutschen Wetterdienst bestätigt wurde. Als „Heilklimatischer Kurort“ erfülle Rottach-Egern weiterhin die bioklimatischen und lufthygienischen Anforderungen, hieß es in der Pressemeldung des Rathauses.

Ausschlaggebend sei auch der Rückgang des Verkehrsaufkommens auf der B307, die durch den Ort führt. Eine Nachricht, die zunächst aufhorchen lässt. Doch mehrere Nachfragen bei der Gemeinde, welche Daten den geringeren Verkehr bestätigen, verpuffen. Das Rathaus hüllt sich in Schweigen.

Letzte Luftmessung vor fünf Jahren

„Mindestens seit 1976“, so erklärt die Regierung von Oberbayern auf Nachfrage, „wird der Gemeinde Rottach-Egern das Prädikat Heilklimatischer Kurort bestätigt. Wie lange die Gemeinde dieses Prädikat davor schon inne hatte, kann aus den vorhandenen Unterlagen nicht mehr festgestellt werden.“ Grundlage für diese Zertifizierung sind jeweils Klimaanalysen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Der bestätigte den Rottachern diesen Status schon 1981, 1991 und 2003. Der Ort sei „landschaftlich bevorzugt und bioklimatisch begünstigt“. Allein die „Durchlüftungsverhältnisse in den Tälern und Senken sind zeitweise eingeschränkt, sonst normal bis günstig“, beschreibt die jüngste Pressemitteilung von Mitte August die Situation in der Gemeinde am Tegernsee. Keine Auskunft gibt das Papier über Messungen und Daten zur „teilweisen Verbesserung“ der Lufthygiene, die die Gemeinde beobachtet haben will.

„In den Jahren 2008/2009 fanden die letzten lufthygienischen Messungen in Rottach-Egern statt“, so Ines Schantz, Pressesprecherin der Regierung von Oberbayern, „die bioklimatischen Verhältnisse wurden zuletzt im Jahr 2003 im Rahmen einer Kontrollanalyse untersucht.“ Alle zehn Jahre müssten bei heilklimatischen Kurorten wie Rottach-Egern lufthygienische Messungen durchgeführt und bioklimatische Bedingungen überprüft werden.

Durch Rottach fahren die meisten Autos

Doch wer misst das Verkehrsaufkommen? Nicht die Gemeinde gibt darüber Auskunft, sondern der DWD, der die Daten des Bayerischen Innenministeriums auswertet. Zusammengefasst sind die Verkehrszählungen im Bayerischen Straßeninformationssystem (BAYSIS), der zentralen Informationsplattform der Bayerischen Straßenbauverwaltung. 2010 wurde zuletzt gezählt, auch in Rottach-Egern.

Damals hatte der Ort das höchste Verkehrsaufkommen rund um den Tegernsee: 14.435 Fahrzeuge am Tag wurden am nördlichen Ortsteil registriert. Seitdem dürften die Staus kaum geringer geworden sein. Der Verkehr rund um das Tegernseer Tal ist ein Dauerthema. Die Suche nach einem talweiten Verkehrskonzept hält an. Auf die Frage, ob die Gemeinde jüngst eigene Verkehrszählungen vorgenommen hat, schweigen die Verantwortlichen im Rottacher Rathaus. Schließlich wirbt man damit, dass der Verkehr im Ort zurückgehe. Einen Beweis dafür bleibt man bislang schuldig.

Auch das Gutachten des Deutschen Wetterdienstes, auf dessen Grundlage Rottach-Egern auch weiterhin als Heilklimatischer Kurort gelten soll, bleibt bislang unter Verschluss. Das regionale Klimabüro des DWD in München hätte indes keine Probleme mit der Veröffentlichung ihrer Daten. Diese könne aber nur der Auftraggeber herausgeben, erklärt Gudrun Mühlbacher vom DWD. In diesem Fall also Rottach-Egern. „Es gibt Gemeinden, die solche Gutachten öffentlich machen“, erklärt Mühlbacher weiter.

Regierung von Oberbayern prüft noch

Für das Gutachten des DWD wurden indes „keine Luftmessungen durchgeführt“, wie die Regierung von Oberbayern ausdrücklich betont. Außerdem beruht die streng gehütete Expertise nur auf einem eintägigen Besichtigungstermin im Tegernseer Tal.

„Ob der Gemeinde Rottach-Egern das Prädikat ‚Heilklimatischer Kurort’ bestätigt werden kann oder nicht, muss die Regierung von Oberbayern erst noch prüfen“, so deren Sprecherin Schantz abschließend. „Wir werden die Gemeinde erst in den nächsten Tagen unterrichten“, heißt es aus München.

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