Gemeinderat Bad Wiessee: Ehrengräber von Völkner und Gansler werden um 15 Jahre verlängert

Von Redaktion

Gestern Abend wurde im Gemeinderat Bad Wiessee die Kostenübernahme für eine Verlängerung der Nutzungszeit der Ehrengräber für den ehemaligen Wiesseer Pfarrer Johann Gansler und den ehemaligen Bürgermeister Hans Völkner einstimmig beschlossen. Die Kosten belaufen sich in den nächsten 15 Jahren auf 2.040 Euro pro Grab. Beim Grab von Pfarrer Gansler übernimmt die katholische Gemeinde die Grabpflege kostenlos. Beim Grab von Völkner sind dafür noch einmal fünf Arbeitsstunden des Friedhofsgärtners plus Material eingeplant. Die Gesamtkosten belaufen sich also auf 2 x 2.040 Euro = 4.080 Euro plus ein bisschen was für den Gärtner und das Material. Großzügig gerechnet werden das nochmal um die 200 Euro pro Jahr sein. Auf 15 Jahre gerechnet also rund 3.000 Euro Arbeitszeit plus 4.080 Euro Grabnutzung = 7.080 Euro Gesamt. Auf 15 Jahre wohlgemerkt. Im Jahr sind das rund 470 Euro.

Die Kosten stehen also eher im Hintergrund und sollten einem Ort die verstorbenen Ehrenbürger wohl wert sein. Wir haben uns die beiden Ehrenbürger um deren Gräber es geht einmal angeschaut.

Leider haben wir kein Bild von Johann Gansler finden können. Darum "seine" Kirche

Anfangen wollen wir mit dem Pfarrer Johann Gansler. Gansler wurde 1895 Geboren und war der erste Geistliche in Bad Wiessee. Während seiner Amtszeit wurde die jetzige Mariä Himmelfahrt Kirche gebaut – Gansler hat dafür Geld gesammelt, nachdem die bereits gesammelte Summe von 80.000 Mark durch die Inflation im Jahre 1923 auf 23,37 Mark zusammengeschmolzen war. Gansler gilt aber eher als der Pfarrer, der in Wiessee während des zweiten Weltkrieges im Amt war und mit seinen persönlichen Aufzeichnungen heute, viele Jahre später, in einige der damaligen Geschehnisse etwas Licht bringen konnte. So stammen Aufzeichnungen über die Verhaftung der Wiesseer Freiheitskämpfer Harald Dohrn und Hans Quecke genauso aus Ganslers Nachlass, wie der Bericht über den Todesmarsch von Dachau: „Den Auftakt zum Ende bildete ein Zug von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Dachau, ungefähr 140 Mann. Sie kamen am 28. April gegen Abend. … Es waren 50 Franzosen, Belgier, Holländer und Italiener, der Rest Russen und andere. … Die Pächterin des Gasthauses zur Post … holte den ganzen Zug in ihren Speisesaal und bewirtete sie um Gotteslohn … solange sie hier waren (14 Tage). … am Donnerstag abends (3. Mai, d. Verf.) halb 8 Uhr zog die SS ab.“ (Pfarrer J. Gansler)

Hans Völkner war in den 50er Jahren Bürgermeister in Bad Wiessee. Als erster Bürgermeister der Freien Wähler wurde während seiner Amtszeit 1957 auch die erste Spielbank in Bad Wiessee gebaut. Völkner hat es in den 50er Jahren sogar bis in die Zeitschrift „der Spiegel“ geschafft. Am 06. Juli 1955 erschien dort eine Geschichte mit dem Titel „Zwanzig Betten stehen leer“ (Link öffnet ein PDF). Es ging dabei darum, dass Völkner und sein Gemeinderat allen Flüchtlingen, die nach Kriegsende nach Bad Wiessee gekommen sind, die Erlaubnis Fremdenzimmer zu vermieten verwehrte. Seine Begründung von damals klingt irgendwie nicht so viel anders, wie die Begründungen, mit denen heute große Hotelneubauten angegriffen werden: „Wenn die Vermieterklausel fiele, würden mit einem Schlage zusätzlich 500 Betten in Bad Wiessee frei werden. Ganz Bad Wiessee ist aber erledigt, wenn noch einmal 500 Betten hinzukommen würden. Es gäbe dann ein gegenseitiges Unterbieten der Preise und Bad Wiessee ginge dem sicheren Untergang entgegen.“


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