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“Nur nicht noch mehr hässliche Schilder” – Auch Rottach-Egern für Gentechnikfreiheit

Von Redaktion

Die in dieser Art gestalteten Schilder sind in den Gemeinden nicht sehr beliebt.

Zweite Ergänzung vom 01. Februar / 15:37 Uhr
Rottach-Egern hat sich nach Kreuth als zweite Gemeinde im Tegernseer Tal für eine allgemeine Gentechnikfreiheit ausgesprochen. Auch wenn wie von Bürgermeister Hafner angedeutet, “bei uns die Agrogentechnik keine allzu große Rolle spiele, da die Struktur der Landwirtschaft dies gar nicht wirklich zulasse”.

Aus dem Grund war das Thema Agrogentechnikfreiheit auch schnell abgehandelt. Die Gemeinde und die Landwirte sind dafür. Nur was machen mit den grünen Schildern?

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Christian Köck (CSU): Aufgrund der letzten Nahrungsmittelskandale ist das Thema wieder verstärkt in der Öffentlichkeit. Und wir sind natürlich dafür. Aber die Beschilderung würde ich persönlich nicht so inflationär aufstellen, wie es teilweise gemacht wird. Denn die Schilder sind nicht sonderlich dekorativ.

Die Lösung: Neben der einstimmigen Zustimmung zur Getechnikfreiheit wurde ein Seitenbeschluß mit einen sehr restriktiven Einsatz der Gentechnik-Schilder gefasst. Heißt in der Praxis, die grünen Schilder sind – bis auf ausdrückliche Ausnahmen – verboten.

Mit dieser Lösung waren dann auch alle zufrieden. Bis auf die Macher der Zivilcourage. Für die ist, wie uns Sprecher Georg Hahn bestätigte, das Aufstellen der Schilder ein wichtiger Eckpfeiler wie die Gemeinden der Öffentlichkeit zeigen können, dass sie Gentechnikfrei sind.

Ergänzung vom 16. Januar mit der Überschrift “Gentechnik und hässliche Schilder – Kreuth beschließt Gentechnikfreiheit”
Wie erwartet hat sich Kreuth dazu entschlossen, neben Bad Wiessee als zweite Talgemeinde, allgemein auf Gentechnik zu verzichten. Wie Bürgermeister Bierschneider auf der Sitzung am Donnerstag feststellte, handelt es sich hierbei “zwar nur um einen symbolischen Beschluß, da in Kreuth kein Ackerbau sondern nur Grünlandwirtschaft betrieben wird.”

Die grüne Gentechnik, um die es ausschließlich geht, wird nämlich hauptsächlich in Saat- und Pflanzenguut eingesetzt. Und damit im Ackerbau.

Trtozdem wollte man in Kreuth ein Zeichen setzen und sich dem Beschluß des Kreistags anschließen. Dazu der Bürgermeister in seinem kurzen Statement:

Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kinder in der Schule und im Kindergarten keine gentechnisch veränderten Lebensmittel bekommen.

Ursrprünglicher Artikel vom 12. Januar:
Auf der nächsten Kreuther Gemeinderatssitzung werden die Räte unter anderem über die allgemeine Gentechnikfreiheit ihrer Gemeinde beraten. Für die Genfreiheit, die in den letzten Jahren von der Zivilcourage Miesbach landkreisweit kommuniziert wurde, ist bereits letzten Oktober im Kreistag ein wegweisender Beschluß gefasst worden: Der Landkreis will genfrei werden. Und das sollen nun als Zeichen für Bürger und Touristen auch die Gemeinden beschließen.

Als erste Talgemeinde hatte Bad Wiessee im Dezember das Thema auf der Agenda. Und in Anlehnung an die aktive Kommunikationspolitk der Zivilcourage schloß Bürgermeister Peter Höß mit den Worten:

Wir sind für die Gentechnikfreiheit. Aber diese Schilder verschönern den Landkreis nicht.

Rote, weisse, grüne Gentechnik – da blickt ja keiner mehr durch

Schwierig bei dem Thema ist die Abgrenzung. Geht es hierbei um eine allgemeine Gentechnikfreiheit? Sind die Landwirte auch “betroffen”? Was genau ist der Unterschied zwischen roter, weisser und grüner Gentechnik?

Georg Hahn, Sprecher der Zivilcourage / Quelle: hahnhof.info
Diese Fragen hat uns Georg Hahn, Sprecher der Zivilcourage, in einem kurzen Gespräch beantwortet.

Tegernseer Stimme: Hallo Herr Hahn, können Sie uns und unseren Lesern kurz erläutern was der Unterschied zwischen den einzelnen “Gentechnikfreiheitsarten” ist und worüber die Gemeinden eigentlich eigentlich entscheiden?

Georg Hahn: Zu ersteinmal muss ich sagen, dass wir als Zivilcourage uns sehr darüber freuen, dass die Gemeinderäte sich nun damit befassen, wie man sich als Kommune „Agro-Gentechnik-frei“ bezeichnen kann und welche Vorteile der Gemeinde und der Bevölkerung daraus entstehen.

Ansich lässt sich Gentechnik in rot, weiss und grün einsortieren. ROTE Gentechnik beschreibt die Anwendung in der Medizin zur Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Verfahren und von Arzneimitteln. Diese ist natürlich nicht Bestandteil der Erklärung der Gemeinden.

WEISSE Gentechnik beschreibt die Nutzung gentechnisch veränderter Mikroorganismen zur Herstellung von Enzymen oder Feinchemikalien für industrielle Zwecke, in der Mikrobiologie und der Umweltschutztechnik. Diese ist ebenfalls nicht Bestandteil der Erklärung.

“Die Gemeinden sollen nur über die Grüne Gentechnik beraten”

Die Gemeinden entscheiden also nur über die GRÜNE Gentechnik oder auch Agro–Gentechnik genannt. Hierbei werden Nutzpflanzen gentechnisch verändert. Dabei werden zum Teil artfremde Gene in das Erbgut der Pflanzen eingebaut. Die genauen Folgen, die solche Erbgutveränderungen bewirken, sind teils unerforscht und nicht abschätzbar, weder für die Natur noch für den Menschen. Während Rote und Weiße Gentechnik auf geschlossene Systeme beschränkt sind, sollen gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem Acker, in der freien Natur freigesetzt werden. Pollenflug und Fremdbestäubung gentechnisch veränderter Pflanzen können jedoch nicht überwacht werden. Einmal freigesetzt, ist die Grüne Gentechnik deshalb nicht mehr kontrollierbar oder rückholbar.

Tegernseer Stimme: Und was genau bedeutet die Bezeichnung „Agro-Gentechnik-freie Fläche einer Gemeinde“ die beispielsweise Bad Wiessee nach ihrer Entscheidung erhält?

Georg Hahn: Das Prädikat “Agro-Gentechnik-freie Fläche einer Gemeinde“ ist eher als ein Prozess aufzufassen, der bestehende Strukturen und Leistungen für die nachhaltige und traditionelle Bewirtschaftung und Produktion von unverfälschten Lebensmitteln nutzt und den Anteil dafür ausweitet. Es ist ein öffentliches Zeichen und Bekenntnis für die Bemühungen der Gemeinde um dieses Ziel.

Tegernseer Stimme: Und welche Vorteile sind für die Gemeinden durch dieses Prädikat zu erwarten?

Georg Hahn: Das Thema Grüne Gentechnik (Agro-Gentechnik) bewegt neben den Verbrauchern zunehmend auch immer mehr Landwirte und Touristiker. Sie hat für das Oberland und seine kleinteilige Landwirtschaft besondere Bedeutung.
Für Gemeinden und Landkreise, die für sich in Anspruch nehmen können, dass sie GVO freie Lebensmittel produzieren wollen und Ihren Gästen nach besten Wissen und Gewissen anbieten wollen, kann dies beispielsweise ein immer wichtigeres Argument in ihrer Werbung in den Bereichen Gesundheit, Wellness, Gastronomie und Tourismus werden.

Mit dem öffentlichen Bekenntnis der Gemeinde zu diesem Weg wird auch die teilweise bereits langjährige Übernahme von finanziellen und arbeitstechnischen Vorleistungen der Landwirte als Produzenten von Milch ohne Gentechnik publik. So erfahren diese Leistungen endlich eine öffentliche Anerkennung, besonders wenn damit zugleich für die oft bestehende zweite Erwerbsschiene, dem Tourismus, in Internet und anderen Medien geworben wird.

Tegernseer Stimme: Wie müsste die Gemeinde dann ihrer Meinung nach die Gentechnikfreiheit öffentlich machen?

Georg Hahn: Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten die Öffentlichkeit zu informieren. Wir sehen hier vier Schwerpunkte:
– Die Dokumentation „Agro-Gentechnik-freie Gemeinde“ durch Aufstellen von Schildern an Verkehrswegen an den Gemeinde- und Ortsgrenzen

– Die Einbeziehung des Gütezeichens „Agro-Gentechnik-freie Gemeinde“ in der Tourismus-Werbung für die Betriebe im Internet und in schriftlichen Werbematerialien

– Die Aufklärung der Verbraucher und eine Begleitung der Aktivitäten durch die Medien

– Das Anstreben einer fairen Entlohnung unserer Bauern für die traditionelle, Landbewirtschaftung in Zusammenarbeit mit den Bauern, den örtlichen bäuerlichen Verbänden, Milcherzeugergenossenschaften und Milcherzeugergemeinschaften, falls den Bauern durch GVO-freie Erzeugung von z. B. Milch, Fleisch, etc. finanzielle Nachteile entstehen.

Herr Hahn, vielen Dank für die Ausführungen.

Hier noch die komplette Tagesordnung der nächsten Kreuther Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag:

Gemeinderatssitzung in Kreuth am 13. Januar 2011

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