Verflixter dritter Bohrabschnitt erfolgreich beendet
Geothermie: Wasser in Sicht?

von Laura Lorefice

Die dritte Sektion der zweiten Geothermie-Bohrung kam vergangenes Jahr immer wieder in die Schlagzeilen: Der Bohrstrang verhaket sich, nichts ging mehr! Jetzt lassen die Verantwortlichen verlauten, dass man sich auf der Zielgeraden befinde.

Ein zwölf Meter langes Futterrohr wird per Kran auf die Arbeitsbühne des Bohrturms gehoben. /Bild: Geothermie PR

Die schwierige dritte Sektion der zweiten Bohrung beim Geothermieprojekt Holzkirchen ist endlich geschafft. Nachdem sich im September der Bohrstrang in circa 2500 Metern Tiefe verhakte, kam es zu unplanmäßigen Verzögerungen und Mehrkosten. Das Projekt stand erstmal still. Während der untere Teil des Strangs nicht wieder entfernt werden konnte und noch heute im Erdreich feststeckt, konnte der obere Teil jedoch rausgesägt werden.

Plan B musste greifen und so umging man mit einem Sidetrack – einem alternativem Bohrpfad – das Problem. Der Schaden wurde auf circa drei Millionen Euro geschätzt. Doch damit nicht genug. Schon nach kurzer Zeit traten erneut Schwierigkeiten auf. Diesmal im Sidetrack. Bei der sogenannten “Reinigungsfahrt” blieb nun das Bohrgestänge stecken. Der Zeitplan konnte spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingehalten werden. Statt noch im Dezember 2016 fündig zu werden, rechneten die Verantwortlichen damit, erst im neuen Jahr fündig zu werden.

Arbeiten bei minus 20 Grad

Wie die Geothermie Holzkirchen GmbH jetzt mitteilte, konnte man die problembelastete dritte Sektion nun erfolgreich beenden. Dazu mussten rund 150 Rohre mit einer Länge von jeweils zwölf Metern und einem Durchmesser von circa 25 Zentimetern ineinander verschraubt und in die Tiefe gebracht werden. Der so entstehende Strang hatte eine Länge von über 1.800 Metern und ein Gewicht von rund 290 Tonnen. Nachdem dieser Strang die geplante Zieltiefe erreicht hatte, wurde er am 8. Januar in seiner gesamten Länge durch Zementierung dauerhaft mit dem umgebenden Erdreich verbunden.

Die Arbeiten fanden an den bisher kältesten Tagen des Jahres statt und stellten bei zum Teil unter minus 20 Grad eine enorme Herausforderung für Personal und Technik dar. Zwischenzeitlich sind der untere Abschluss des eingebrachten Rohrstrangs, der sogenannte Rohrschuh, aufgebohrt und das Bohrloch mit geophysikalischen Methoden präzise vermessen.

Fündig im Februar?

Ab diesem Wochenende sollen die Arbeiten am vierten Bohrabschnitt beginnen, der mit rund 650 Metern Strecke vergleichsweise kurz ist und einen Durchmesser von gut 20 Zentimetern haben wird. Die fünfte und letzte Sektion wird dann durch den sogenannten Malm führen, also durch die Kalksteinschicht, in der das Thermalwasser erwartet wird. Nach Fündigkeit dieser Bohrung sollen plangemäß Mitte bis Ende Februar Pumpversuche stattfinden, bei denen die Ergiebigkeit des Bohrlochs getestet wird.

Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke Holzkirchen, ist erleichtert und sieht optimistisch in die Zukunft:

Mit der schwierigen dritten Sektion haben wir genau denjenigen Abschnitt absolviert, der bisher die größten Schwierigkeiten bereitet und zu den aufgetretenen Projektverzögerungen geführt hat. Jetzt trennen uns nur noch einige hundert Meter von dem ersehnten Thermalwasser.

Durch die auftretenden Schwierigkeiten wurden kritische Stimmen immer lauter. Vor allem die erhöhten Kosten, verursacht durch die Probleme, standen in der Kritik und es wurde bezweifelt, ob die Versicherung wirklich den vollen Schaden übernehme. Doch Götz ist auch in dieser Frage sicher, dass das Gesamtprojekt und seine Wirtschaftlichkeit nicht in Frage stehen. Bei einem komplexen und finanziell aufwändigen Projekt wie einer Geothermiebohrung, an dem verschiedenste Fachfirmen beteiligt seien und komplizierte Verfahren zum Einsatz kommen, seien Versicherungsfälle nicht innerhalb weniger Wochen zu verhandeln oder abzuschließen.

Verhandlungen mit Versicherung laufen

Vielmehr seien Untersuchungen, Auswertungen und Gutachten durchzuführen und abzuwarten, ehe über die Höhe der von der Versicherung zu übernehmenden Leistungen definitive Aussagen möglich seien, heißt es in der Pressemeldung.

Götz bedauere, dass in den vergangenen Tagen angebliche Investitionssummen verbreitet wurden, die aus der schon vor Jahren aufgegebenen „großen Variante“ der Projektplanung stammten:

Es bleibt bei den für die aktuelle Projektvariante genannten Zahlen in Summe von knapp 40 Millionen Euro für die beiden Bohrungen und den Bau des Heizkraftwerkes. Letzteres kann jedoch erst nach dem endgültigen Vorliegen der Leistungsdaten beider Bohrungen exakt dimensioniert werden.

Stück für Stück verschwinden die stählernen Futterrohre im Bohrloch – bis zu einer Gesamtlänge von über 1.800 Metern. Im Bild sieht man den Übergang zwischen dem zusammengeschraubten Rohrstrang (unten) und dem Gestänge (oben), mit dem die Rohre dann in die endgültige Tiefe eingebaut werden. / Bild: Geothermie PR


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