Die “Grande Dame” sagte leise Servus

von Sabiene Hemkes

Gertraud Gruber ist tot. Am 12. März ist die bekannte und von vielen im Tal und weit über dessen Grenzen hinaus bewunderte Pionierin, große Menschenfreundin und erfolgreiche Unternehmerin verstorben. Sie wurde 100 Jahre alt.

Mit Gertraud Gruber verlässt eine große Frau den Tegernsee – ihr Vermächtnis wird weiterleben / Quelle: Wilde & Partner Communications GmbH

Vor wenigen Tagen haben wir den Weltfrauentag gefeiert. Dabei sollten wir in der Redaktion Frauen benennen, die uns inspiriert haben in unserem „Frau sein“. Gertraud Gruber hätte eine von ihnen sein können. Die vor zwei Tagen verstorbene Gruber war zeitlebens von der Schönheit der Weiblichkeit begeistert.

Geboren wurde die „Grande Dame der Kosmetik“ am 24. Mai 1921 in München. Die zierliche junge Frau von damals wollte Tänzerin werden und begann auch eine Ausbildung als Ausdruckstänzerin. Der 2. Weltkrieg begrub aber ihre Träume schnell. Sie machte stattdessen eine Ausbildung als Heilgymnastin.

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Von der Ausdruckstänzerin zur Kosmetikerin

Gegen Ende des Krieges wurde sie, nach einem Arbeitsdienst an der Front, in einem Lazarett am Tegernsee eingesetzt. Dort arbeitete sie mit den Verwundeten. Auch später blieb sie der Gemeinde am Tegernsee verbunden. Nachdem sie in der Münchener Kosmetikfachschule von Friedel Groh ihre Ausbildung zur Kosmetikerin abgeschlossen hatte, kehrte die damals 28-Jährige an den See zurück und heiratete ihren Mann Josef.

Aber Gruber war eine „Aufbaufrau“, wie sie sich selbst auch gern bezeichnete und suchte eine Perspektive für ihr Leben. Nur Hausfrau sein war nichts für die aktive Frau. In dieser Zeit machte sie viele Hausbesuche als Kosmetikerin. Eher im Versteckten wie sie berichtet: „Ich durfte nur ins Haus kommen, wenn die Männer beim Kartenspielen waren. Die haben von meiner Arbeit nichts gehalten.“

Später kauft sie mit ihrem Mann eine ehemalige Silberfuchs-Farm in Rottach-Egern und eröffnet am 1. Oktober 1955 die erste Schönheitsfarm weltweit. Was nur mit 12 Gästezimmer begann wuchs in den nächsten fast siebzig Jahren zu der prestigeträchtigen Institution in der Kosmetikbranche heran. Inzwischen bietet das Haus in Rottach 112 Zimmer und ist fast immer ausgebucht.

Gertraud Gruber – Pionierin am Tegernsee

Aber die Gruber wäre nicht die Gruber, wenn sie sich nicht immer wieder selbst neu erfunden hätte. Zu einer Zeit als noch niemand über einen ganzheitlichen Ansatz sprach, praktizierte sie ihn schon. Körper, Geist und Seele waren schon vor den Modeerscheinungen unserer Tage fester Bestandteil ihrer Philosophie. Mitte der sechziger Jahre ließ sie sich zum Beispiel von Selvarajan Yesudian als Yogalehrerin ausbilden – als eine der ersten Frauen in Europa. Grubers Credo lautete zeitlebens:

Man muss die Damen als Einheit aus Körper, Geist und Seele begreifen. Schönheit ist immer das Ergebnis von innerer und äußerer Harmonie und deshalb sichtbare Gesundheit.

Wer zur Gruber ging, hieß es, bekommt nicht nur Tinkturen und Cremes. Nein der musste sich mit Themen wie Bewegung, Gesundheit und Geist beschäftigen. Ihren Stammgästen wie Nadja Tiller, Caterina Valente, Heidelinde Weis oder Loki Schmidt gefiel es – sie kamen immer wieder zurück. Und viele neue Generationen der „Damen“, wie Gruber zeitlebens ihre Gäste ansprach, folgten ihnen.

Mitarbeiter und Freunde wollen das große Erbe weiterführen

Die „Grande Dame der Kosmetik“ ist immer mit der Zeit gegangen. Zu dem Yoga der Anfangsjahre gesellten sich über die Jahre Qi Gong und Shiatsu. Sie holte sich Mediziner und Ernährungsberater ins Haus und entwickelte ihre Philosophie immer weiter. Sie blieb auch im hohen Alter immer selbst in Bewegung.

Heute verabschieden sich ihre 120 Mitarbeiter und Weggefährten in einem liebevollen Nachruf von ihrer Grande Dame Gertraud Gruber:

Wir werden sie dankbar in Erinnerung behalten und verbeugen uns vor Gertraud Gruber als großartige Frau und erfolgreiche Unternehmerin. Als Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Weggefährten fühlen wir uns der Fortführung ihres Lebenswerks in ihrem Sinne verpflichtet.

Und auch wir sagen leise Servus zu dieser großartigen, mutigen und weisen Frau, die in uns allen als Inspiration weiterleben sollte.

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