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Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kriminalität

Gewalt “daheim” nimmt zu

Von Nina Häußinger

Corona hat nicht nur Auswirkungen auf unseren Alltag. Vor allem im Bereich der häuslichen Gewalt ist ein deutlicher Anstieg zu erkennen. Außerdem hat sich der Aufgabenbereich der Polizei in vielen Bereichen massiv verändert.

Polizeipräsident Robert Kopp und dessen Vertreter, Leitender Polizeidirektor Frank Hellwig

Polizeipräsident Robert Kopp und dessen Vertreter, Leitender Polizeidirektor Frank Hellwig, gaben gestern bei einer virtuellen Pressekonferenz einen Einblick in die Kriminalitätsstatistik für den Bereich Oberbayern Süd.

Deutlich wurde dabei vor allem eines: Die Aufgaben der Polizei haben sich durch die Corona-Pandemie teilweise massiv verändert. Und auch auf die Bereiche, in denen es zu Gewalt kommt, hat die Pandemie und der damit verbundene Lockdown Einfluss genommen.

“Weniger Straftaten, weniger Opfer, weniger Leid”

Robert Kopp betont aber gleich zu Beginn: “Die Menschen leben hier im südlichen Oberbayern sicherer als in vielen anderen Teilen des Landes.” Er spricht vom geringsten Kriminalitätsaufkommen seit Bestehen (2009) des Präsidiums Oberbayern Süd. Corona spiele bei dieser Entwicklung eine große Rolle.

Zum einen haben so manche Ganoven die Ausgangsbeschränkungen beachtet. Zum anderen haben die Alkoholverbote dazu geführt, dass es zu weniger Vorfällen kam. “Einfach durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens waren Tatgelegenheiten reduziert”, so Kopp.

Insgesamt ist die Kriminalität im Einsatzgebiet erneut zurückgegangen. Das gilt leider nicht für den Landkreis Miesbach. Hier wurden 2020 3.856 Straftaten verzeichnet. Das ist ein Anstieg von 3,9 Prozent.

Häusliche Gewalt steigt

Im Jahr 2020 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 1.723 Fälle häuslicher Gewalt erfasst (2019: 1.612 Straftaten). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 111 Straftaten also 6,9 Prozent. Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen lag 2020 bei 79,2 Prozent (2019: 81,5 Prozent).

28,2 Prozent der Tatverdächtigen standen bei der Tatausführung unter Alkoholeinfluss Die Opfer Häuslicher Gewalt waren mit einem Anteil von 78,9 Prozent auch 2020 in der Mehrzahl weiblich. 2020 waren außerdem in 41,2 Prozent der Fälle Kinder bei der Tatausführung anwesend. Kopp sagt dazu:

Im vergangenen Jahr war ein Anstieg der Zahlen in diesem Phänomenbereich festzustellen. Aufgrund fehlender sozialer Kontakte wurde Häusliche Gewalt von Außenstehenden in der Pandemiezeit möglicherweise weniger wahrgenommen.

Auch im Bereich der Sexualdelikte ist ein Anstieg zu erkennen. Im Jahr 2020 wurden 947 Sexualdelikte erfasst (2019: 814). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 133 Straftaten. Anteilig wurden 2020 insgesamt 315 Kinder, Jugendliche und Heranwachsenden als Tatverdächtige erfasst. Der überwiegende Teil der Tatverdächtigen waren Männer (88,8 Prozent), im Gegensatz dazu waren ein Großteil der Opfer Frauen (79,7 Prozent).

Rauschgift nimmt in unserer Gegend weiter zu

4.995 Straftaten der Rauschgiftkriminalität erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 137 Straftaten. Insgesamt wurden 4.264 Tatverdächtige ermittelt. Kopp sagt dazu:

Die hohen Fallzahlen sind zum einen unserer professionellen Polizeiarbeit „geschuldet“. Ungeachtet dessen wird dadurch aber auch die weite Verbreitung von Rauschgift in Teilen unserer Gesellschaft deutlich. Das Darknet macht dabei den anonymen Erwerb leichter.

Delikte der Rauschgiftkriminalität zählen zu den sogenannten Kontrolldelikten – sie stellen also Straftaten dar, die nicht durch Strafanzeigen, sondern durch die (eigene) Kontrolltätigkeit der Polizei bekannt werden. Die Zahl der Rauschgifttodesfälle ist im Jahr 2020 auf 17 Opfer (2019: 12) gestiegen.

Straßenkriminalität nimmt ab

Die Straßenkriminalität ist durch die Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen. Mit 6.824 Fällen sind es 2020 689 Fälle weniger als noch im Vorjahr.

Vor allem mit solchen Demos wie hier in Rottach hatte die Polizei im vergangenen Jahr zu tun / Archivbild

Die Polizei hatte in diesem Jahr deutlich weniger Sport- und Brauchtumsveranstaltungen zu betreuen. Dafür ist die Zahl der Versammlung gestiegen. 571 Versammlungen, davon knapp 500 im Kontext mit Corona (Querdenker, Impfgegner etc.) hatte das Präsidium im vergangenen Jahr zu begleiten. Auch heuer – von Januar bis März – sind es bereits 152 Versammlungen. Im Vergleich: Im Jahr 2019 kam man lediglich auf 209.

Kopp berichtet außerdem, dass es für seine Kollegen mittlerweile oft schwer sei für Akzeptanz zu sorgen, weil viele Bürger vom Thema Corona schon genervt sind. Da brauche es dann Fingerspitzengefühl und die nötige Konsequenz. “Es wird von Tag zu Tag schwerer”, so Kopp abschließend.

Die gesamte Kriminalstatistik für 2020 könnt ihr hier einsehen.


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