Rottacher Gemeinderat stimmt gegen Eingriff in Privateigentum
Gasthof Glasl darf abgerissen werden

von Nicole Posztos

Ohne Diskussionen hat der Rottacher Gemeinderat gestern Abend eine vorübergehende Veränderungssperre für den Gasthof Glasl abgelehnt. Mit einer klaren Mehrheit plädierte der Rat damit für den Weg, den die Gemeinde bereits in der Vergangenheit eingeschlagen hat.

Der Abriss des Gasthofs ist damit kaum noch abzuwenden. Für den bisherigen Eigentümer Wolfgang Lentner, der sich laut eigener Aussage in letzter Zeit kaum noch vor die Tür traut, eine gute Entscheidung.

Der Gasthof Glasl in Rottach wird zugunsten von Wohnhäusern abgerissen.
Der Gasthof Glasl in Rottach wird zugunsten von Wohnhäusern abgerissen.

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In ihrem Antrag hatte Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) zuerst eine Veränderungssperre für den Gasthof gefordert. In einem zweiten Schritt sollte dann ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten klären, ob eine gastronomische Nutzung für den Gasthof Glasl festgeschrieben werden kann oder nicht.

Dabei, so Schultes-Jakolla in ihrer vorgelesenen Erklärung, gehe es nicht nur um den aktuellen Fall. Ihr mache die gesamte Entwicklung Rottach-Egerns Sorgen. Dagegen müsse man jetzt vorgehen, erklärte Sie:

Wenn wir jetzt kein Stoppschild aufstellen, brauchen wir es nie mehr tun.

Gegen das Stoppschild in Form einer Veränderungssperre hatte sich die Rottacher Verwaltung in der Vergangenheit bereits mehrfach ausgesprochen. Vor allem das Risiko von Klagen fürchtet man, wenn man dem Eigentümer das Recht auf sein uneingeschränktes Privateigentum nimmt. Da der Glasl sich seit 1998 in einem reinen Wohngebiet befindet, kommen eine Sperre und die ausschließliche Nutzung als Gasthof nicht in Betracht.

Eine Argumentation, die auch der Eigentümer Wolfgang Lentner vertritt. In einer persönlichen Erklärung, die ebenfalls gestern Abend verlesen wurde, stellte der Rottacher klar, dass er und seine Familie sich die Entscheidung für einen Verkauf nicht leicht gemacht hätten.

Doch die anstehenden Investitionen in Höhe von rund 450.000 Euro hätten sie nicht aufbringen wollen, da eine familiäre Nachfolgeregelung nach über 30 Jahren Betrieb ausgeschlossen erscheint. So sei, aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen, ein Verkauf unumgänglich gewesen, wie der 60-Jährige klarstellte.

Mir ist es unverständlich, dass man versucht, in mein Privatrecht einzugreifen. Mittlerweile ist es ein Spießrutenlauf, und ich gehe ungern aus dem Haus, da ich mich Anfeindungen ausgesetzt sehe.

Dabei stellte auch der Rottacher Bürgermeister Franz Hafner klar, dass man mit einer Bestandssicherung nicht garantieren könne, dass “zukünftig ein Ausschankbetrieb geführt wird”. Die Entscheidung für oder gegen eine Veränderungssperre sei, so Hafner, auch eine, die das Privateigentum betrifft. “Wollen wir in dieses Privateigentum eingreifen?” Eine Frage, die der Gemeinderat mit 12 zu 5 Stimmen mit Nein beantwortete.

Denkmalschutzamt als Zünglein an der Waage

Beim anstehenden Verkauf des Glasl und des umliegenden Areals geht es um insgesamt 5.300 Quadratmeter Grundfläche. Der Gasthof soll, so die Pläne, abgerissen werden. Auf dem Gelände entstehen Wohnungen. Dies hatte der Gemeinderat bereits in einer früheren Sitzung beschlossen.

Mit der vor drei Wochen öffentlich gewordenen Entscheidung wollten sich viele Rottacher nicht abfinden. Im Rahmen einer Unterschriftenliste erklärten über 700 Bürger, gegen einen Abriss des Glasl zu sein. Initiator Thomas Tomascheck erklärte auch gestern noch mal, dass sich bei ihm zwischenzeitlich Investoren für den Gasthof gemeldet hätten. Dass Wolfgang Lentner nicht gerade glücklich über den Aktionismus Tomaschecks ist, machte er kurz nach der Sitzung klar.

Die einzige Chance, die den vielen Gegnern nun bleibt, besteht in der noch ausstehenden Entscheidung des Denkmalschutzamtes. Am vergangenen Donnerstag waren die Beamten bereits vor Ort, standen allerdings vor verschlossenen Türen. Die Begehung soll nun zeitnah erfolgen. Wenn der Gasthof, im Gegensatz zur bisherigen Einschätzung, als Denkmal eingestuft werden sollte, dürfte alles wieder von vorne losgehen.

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