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Alles hängt am Mietvertrag

Gmund: Wo bleiben die Asylbewerber?

Von Rose Beyer

„Wo bleiben die Asylbewerber?“, mag sich so mancher fragen, nachdem es ruhig geworden ist um die Unterbringung in dem Dürnbacher Einfamilienhaus. Die Emotionen waren hochgekocht, als bekannt wurde, dass in der Mühlthalstraße 20 Menschen untergebracht werden sollen.

Eine Initiative von Anwohnern forderte, die Zahl der Personen zu reduzieren. Darauf war das Landratsamt zwar eingegangen. Doch in Dürnbach ist bisher kein Asylbewerber angekommen.

In der Mühlthalstraße 16 in Dürnbach werden bald zwölf Asylbewerber Platz finden.
In der Dürnbacher Mühlthalstraße sollen Asylbewerber Platz finden. Es fehlt „nur“ noch die Unterschrift unter den Mietvertrag.

Seit der Einigung, dass nicht mehr als zwölf Menschen einziehen sollen, sind inzwischen vier Wochen vergangen. Sind die Verhandlungen mit dem Eigentümer gescheitert? Laut Pressesprecherin Gabriele Dorby vom Landratsamt hat die Behörde dem Hauseigentümer einen Entwurf des Mietvertrages zukommen lassen und seitdem keinen Kontakt gehabt.

Der Vermieter ist telefonisch nicht zu erreichen.

Den Vertragsentwurf habe man aber schon vor rund einer Woche verschickt, so Dorby weiter. Theoretisch sei das Haus mittlerweile bezugsfertig. Zudem seien im Gebäude selber noch ein paar kleinere Arbeiten nötig, die aber laut Landratsamt „nicht viel Zeit in Anspruch nehmen werden“.

Das sagt die Gemeinde

Dass jetzt so viel Zeit verstreicht und keiner einzieht in die vorbereitete Unterkunft, obwohl immer mehr Asylbewerber nach Deutschland strömen, wirft einige Fragen auf. Geschäftsleiter Alfons Besel von der Gmunder Verwaltung sieht die Gemeinde nicht in der Pflicht und verweist auf die übergeordnete Behörde.

Das ist allein Sache des Landratsamtes.

Der Gemeinderat hätte den Wege bereitet. Man habe auch eine einvernehmliche Lösung gefunden. Da er aber nicht nur Geschäftsstellenleiter, sondern zudem auch Anlieger sei, hätte er beobachten können, dass auf dem Gelände gearbeitet worden war, so Besel weiter.

Das sagt der Hauseigentümer

Auch den Hauseigentümer versuchten wir zu kontaktieren. Wir erreichten ihn auf Anhieb in seiner Tegernseer Anwaltskanzlei. Telefonisch berichtete er, wie es dazu kam, dass sein Haus jetzt ein Asylbewerberheim werden soll. Das Landratsamt sei auf ihn zugekommen und habe die Unterkunft für geeignet befunden.

Er müsse den Antrag auf Nutzungsänderung jedoch selbst stellen. In einer Eilaktion mit einem engagierten Architekten habe er einen baufähigen Antrag bei der Gemeinde gestellt. Er habe ihn persönlich abgegeben, mit dem Verweis, dass man ihn bei Fragen via Handy erreichen könne. Die Leitung jedoch sei stumm geblieben.

Es hat mich erstaunt, dass von der Gemeinde niemand auf mich zugekommen ist.

Auch zu den Anliegern, die 810 Unterschriften dafür gesammelt hatten, um ihren Forderungen – weniger Menschen, nur Familien sollen einziehen – Nachdruck zu verleihen, habe nie ein persönlicher Kontakt stattgefunden.

Ich habe da schon gemerkt, wir haben sehr unterschiedliche Interessen.

Dafür habe es deutliche Zeichen des Unmuts seiner Nutzungsänderung gegenüber gegeben. Beim Einkaufen sei er auf einmal nicht mehr gegrüßt worden, so der Anwalt. Außerdem seien Anrufe gekommen, ob er „verrückt geworden wäre“. Sich selber bezeichnet er als Menschenfreund.

Mit tut es im Herzen weh, wie die Leute angeschwommen kommen.

Dennoch hält sich der Eigentümer in Einzelheiten, die die vertragliche Angelegenheit betreffen, bedeckt. Noch sei ihm auf alle Fälle kein Vertrag zugegangen. „Erst wenn ich es weiß, dann sag ich’s.“

Zunächst würde er das Haus so herrichten lassen, dass die Asylbewerber einziehen können. Besonders daran, dass sich die Menschen was zu essen machen könnten, scheint noch gearbeitet zu werden. Insgesamt sei es für ihn allerdings unerheblich, wie viele Flüchtlinge am Ende einziehen.

Ob 20 oder zwölf reinkommen oder Container aufgestellt werden – für mich ändert sich wirtschaftlich nichts.

Er habe aber Verständnis dafür, dass man die Zahl dezimiere und die Leute „nicht so eng zusammenpfercht“. Es gebe ja ohnehin Standards, die die Unterbringung definieren.

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