Gmunder Dorfladen: Erste Lieferanten wenden sich ab – Befreiungsschlag misslungen

Von Redaktion

Ergänzung vom 15. April / 10:26 Uhr
So wie es derzeit aussieht, ist nach der letzten Gesellschafterversammlung vor genau vier Wochen der große Ansturm auf die Gesellschafteranteile des Dorfladens ausgeblieben. Wolfang Gröll, der als Berater des Dorfladens fungiert, bestätigte uns gegenüber, dass nur knapp 3.000 Euro nachgeschossen wurden. Deutlich zu wenig, um bei dem derzeitigen Geschäftsverlauf bis September durchzuhalten.

Währenddessen wenden sich die ersten großen Lieferanten ab. Die Kreuther Metzgerei Walch liefert seit Mittwoch nichts mehr an den Dorfladen. Das hat uns Leonhard Walch auf Nachfrage bestätigt. Auf die genauen Umstände wollte Walch nicht eingehen.

Insgesamt gesehen bedeuten die Umstände keine sehr positiven Aussichten für den Laden. Und damit könnte es bereits deutlich früher als im September aus sein mit dem bestehenden Konzept unter der bisherigen Führungsmannschaft.

Erste positive Anzeichen für einen leichten Umsatzaufschwung hat jedoch Johann Schmid, einer der Hauptgesellschafter, ausgemacht: „Die Werbemaßnahmen laufen an. Und wir hoffen auf das Ostergeschäft, wenn dann auch wieder mehr Touristen da sind.“

Die Gemeinde Gmund, die insgesamt mit 8.000 Euro als größter Anteilseigner am Dorfladen beteiligt ist, hat nach der letzten Versammlung ebenfalls keine weiteren Anteile gezeichnet. Geschäftsleiter Alfons Besel verwies telefonisch auf den Beschluß des Gemeinderates, dass die Gemeinde den Laden zwar unterstützt, das Konzept aber von der Bevölkerung getragen werden muss.

Ursprünglicher Artikel vom 21. März mit der Überschrift: „Gmunder Dorfladen: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“

Bei der Gesellschafterversammlung des Dorfladens im Gmunder Neureuthersaal

Als am letzten Freitag die große Gesellschafterversammlung des Gmunder Dorfladens mit gut 80 der 178 stillen Gesellschafter vorbei war, da ging der Blick durch die sich langsam lichtenden Reihen. Und was man da sah waren vor allem eine Menge fragender Gesichter.

In den knapp drei Stunden zuvor hatten die Verantwortlichen in der großen Runde vieles versucht, damit die Veranstaltung einen positiven Ausgang nimmt. Die Anteilseigner wurden gut verköstigt, eingebunden und unterhalten. Der ein oder andere Anwesende hob warnend den Finger und verwies auf die mangelnde Solidarität der Bevölkerung: „Wir müssen im Dorfladen mehr einkaufen.“

Mehrmals wurde von Seiten der Geschäftsführung betont, wie schwierig die Situation doch ist, nachdem der alte Geschäftsführer Andreas Vogt so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Dass Vogt seit nunmehr einem halben Jahr weg ist und man seinen „negativen“ Einfluss demzufolge eigentlich nicht mehr spüren dürfte, hätte in die rückwärtsgewandte Argumentation des Abends nicht gepasst und wurde demzufolge auch nicht thematisiert.

Keine Zahlen, keine Konzepte – umso mehr Fragen

Dafür gab es umso mehr Klagen, Berichte über Schwierigkeiten, unerwartete Umsatzeinbrüche und das schlechte Wetter der letzten zwei Monate.

Was es jedoch nicht gab, waren Zahlen. Ebenfalls Mangelware: Konkrete Konzepte, wie der Dorfladen langfristig überleben kann und nicht nur bis September durchhalten, wenn noch irgendjemand Geld locker macht.

Bezeichnend für die Rat- und Konzeptlosigkeit des Gesellschafterrates und der Geschäftsführung war die Antwort auf die folgende Frage aus dem Publikum „Wieviel Geld brauchen Sie und bei welchem Verlust ist Schluß mit dem Laden?“

Antwort: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“

Weitere Fragen, die nicht beantwortet wurden:
> Wie konkret möchte man den monatlichen Umsatz von derzeit 20.000 auf 40.000 Euro steigern, damit eine schwarze Null erreicht wird?
> Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Ladens?
> Macht es Sinn sich bei den Produkten mit der nahen Supermarktkonkurrenz zu vergleichen?
> Wie möchte man den durchchschnittlichen Umsatz pro Kunde von derzeit 5 Euro steigern? Auf welche Summe muss man ihn steigern?
> Ist ein Dorfladen, der sich nur auf den Gmunder Ortsbereich konzentriert langfristig überhaupt überlebensfähig?
> Wieviele potentielle Kunden braucht man, damit sich das Konzept rechnet?
> Und nicht zuletzt, wo und wie will man nach neun Monaten endlich Werbung machen?

Chance verpasst trotz 95% Zustimmung

Zugegebenermaßen, die meisten Fragen wurden nicht gestellt. Aber wir reden hier von einer alles entscheidenden Gesellschafterversammlung, bei der es nicht darum ging, ob die Häppchen schmecken. Sondern darum, dass die unter Beobachtung stehenden Verantwortlichen zeigen, dass sie das Geschäft verstehen und wissen wie man das Ruder herumreißt.

Vertrauen baut man auf, in dem man in dieser Situation Fragen vorwegnimmt und sie von sich aus beantwortet. Schlüssig. Klar. Mit Zahlen untermauert.

Diese Chance hat man verpasst. Bekommen hat die Geschäftsführung zwar eine überragende Zustimmung mit fast 95% Ja-Stimmen zu der Frage „Wollen Sie dass der Dorfladen weitergeführt wird?“

Aber was ist das für eine Frage? Natürlich will jeder der Anwesenden, dass der Laden weitermacht. Aber doch nicht so. Derzeit verbrennen die Verantwortlichen über 4.300 Euro im Monat. Wenn der Trend nicht gedreht werden kann und es nicht genügend neues Kapital von bestehenden und eventuell neuen Gesellschaftern gibt, dann steht man laut Geschäftsführerin Claudia Hofmann bereits Ende März vor der Entscheidung „Entweder zahlen wir Gehälter oder Rechnungen.“ Ein Ausverkauf wäre die Folge.

Bürgermeister von Preysing mit direkten Worten

Alle im Ort hoffen, dass es noch reicht. Dass es genügend Geldgeber gibt, die noch in den nächsten zwei Wochen genügend Kapital nachschießen, damit nicht eine weitere „wirtschaftliche Ruine“ im Gmunder Ortszentrum steht. Und bekanntermaßen stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Aber bei Kapital ist es meistens so, dass jemand nicht nur Geld gibt, weil er an die Idee glaubt, sondern weil er auch denen vertraut, die das Geld verwenden.

Wer jedoch auf einer entscheidenden Gesellschafterversammlung nur um den heißen Brei herumredet und die wahren, strukturellen Probleme sowie mögliche Lösungen ausklammert, der hat kein Vertrauen verdient. Und schon gar kein Geld.

Bezeichnend für den ganzen Abend war, dass ein anwesender Politiker am schonungslosesten aussprach, was dem Dorfladen immer noch fehlt:

Wir haben uns im November nochmal mit weiterem Kapital am Dorfladen beteiligt und 4.000 Euro nachgeschossen mit dem Hinweis, dass unbedingt mehr Werbung gemacht werden muss. Das sehen wir immer noch als sehr wichtigen Teil an.

Wir sind natürlich für den Dorfladen. Aber wir müssen bald die Notbremse ziehen, wenn es nicht besser wird. (Georg von Preysing)

„Jedem Ende wohnt ein Anfang inne.“

Niemand will, dass der zweite Teil von Preysings Ansage wahr wird. Aber nach dem vergangenen Freitag Abend muss man sich ernsthaft fragen, ob das derzeitige Konzept in Kombination mit den derzeitigen Verantwortlichen noch die richtige Wahl ist.

Ein Gesellschaftsratsmitglied in verantwortungsvoller Position, der in dieser Situation den Dorfladen als karitative Einrichtung bezeichnet, die eigentlich keine Gewinne machen sollte, lässt tendenziell eher Unverständnis und Fragen zurück. Fragen sind jedoch keine allzu gute Voraussetzung dafür, dass sich genügend Anteilseigner finden, die weiteres Kapital in ausreichender Höhe zuschießen.

Ein Ende des Dorfladens, in der Form wie man ihn kennt, wird immer wahrscheinlicher. Und vielleicht ist das auch besser so.


Unternehmen aus unserer Region

Die neuesten Artikel

Die Redaktion empfiehlt


Aktuelle Jobangebote aus der Region
Tegernseerstimme

Tegernseerstimme