Nach zwei Monaten in Tunesien
Gmunder darf endlich Heim an den Tegernsee

von Nina Häußinger

Acht Deutsche saßen zwei Monate in der Wüste in Tunesien fest. Darunter ein 23-jähriger Gmunder. Gestern nun, durfte er endlich auf eine Fähre steigen.

Endlich geht es Richtung Heimat – Lukas Saak in der Mitte mit schwarzem T-Shirt

Auf den Tag genau zwei Monate hat es gedauert. Seit gestern sitzt Lukas Saak nun endlich auf der Fähre von Tunesien Richtung Italien und kann sein Glück noch gar nicht fassen.

Wie berichtet war der Gmunder Anfang März zusammen mit seiner Freundin und seinem Landrover zu einem Wüstentrip nach Tunesien aufgebrochen. An eine Rückkehr mit dem Auto war seitdem nicht mehr zu denken – Corona sei Dank.

————————————————————————
Nichts mehr verpassen!
Auf Facebook informieren wir euch über alle wichtigen Themen und Entwicklungen im Tegernseer Tal und der Region: facebook.com/tegernseerstimme.de

————————————————————————

Seine Freundin konnte am 20. März noch im Zuge einer Rückholaktion nachhause fliegen. Saak und sein Landrover mussten in der Wüste warten. Zusammen mit sieben weiteren Deutschen harrte der 23-jährige Student auf einem Camping Platz aus. Noch im April habe man sich von der Deutschen Botschaft in Tunesien allein gelassen gefühlt. Jetzt die plötzliche Wende. Saak erklärt:

Von einem Tag auf den anderen gab’s die Information, die italienische Botschaft organisiere wieder eine Fähre und man will uns an Board bringen. Die Unterstützung war ganz plötzlich super gut.

Gestern durften die acht Deutschen mit ihren Wohnwagen und Autos auf ein Schiff fahren. Rund 38 Stunden wird die Überfahrt nach Italien nun dauern. Von dort aus gehe es dann auf die Autobahn und direkt Heim. „Wir sind jetzt einfach mega froh und dankbar dass es Heim geht“, sagt Saak abschließend.

Ursprünglicher Artikel vom 20. April 2020 mit der Überschrift: „Gmunder sitzt in Tunesien fest“

Lukas Saak sitzt seit Wochen in Tunesien fest. Was als Wüstentrip mit seiner Freundin geplant war, entpuppt sich jetzt als echte Geduldsprobe. Der Gmunder ist seit dem 5. März in einem fremden Land gefangen. Eigentlich wollte er schon am 19. März wieder in die Heimat zurück. Aber keine Chance. Corona hat einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht.

Lukas Saak – vorne in der Mitte – sitzt seit Wochen mit sieben weiteren Deutschen in der Wüste fest

Der 23-jährige Lehramtsstudent und seine Freundin wollten ursprünglich gemeinsam mit der Fähre und dem Landrover die Rückreise antreten. Da es aber am 20. März nur eine Rückholaktion per Flug gab, entschied sich Saak vor Ort zu warten, bis er eine Fähre nehmen könne. Zu groß sei die Gefahr, dass das Auto sonst geklaut werde. Seine Freundin stieg ins Flugzeug.

“Fühlen uns von der Botschaft alleine gelassen”

Seitdem sei keine Rückholaktion der deutschen Botschaft aus Tunesien mehr geplant. „Wir haben die Botschaft in Tunis konfrontiert. Deren Aussage: Wir hätten im März ja fliegen können, sie machen jetzt nichts mehr…“, erklärt Saak. Tunesien sei für sich sehr gastfreundlich und empfehlenswert, die Wochen vor Corona seien super gewesen. Trotzdem sagt Saak:

Aber seit dieser Woche fühlen wir uns von der deutschen Seite aus alleine gelassen und sind, ehrlich gesagt, sauer.

Zusammen mit sieben weiteren Deutschen wohnt Saak auf dem Campingplatz in Douz, auf dem sie erstmal bleiben dürfen. Dort hat man sich zusammengeschlossen, um gemeinsam auf die Rückreise zu warten. „Wir sind hier nur acht Leute und daher kümmert sich niemand mehr um uns“, glaubt der Gmunder.

Es sei zudem sehr frustrierend auf so viel Ignoranz zu treffen aber gleichzeitig zu erfahren, wie erfolgreich die Aktionen in anderen Ländern verlaufen und wie die identische Situation in Marokko gelöst werde. Dort hat die Deutsche Botschaft für morgen eine Überfahrt von Tanger nach Genua organisiert. Ein Zwischenstopp in Tunesien sei dabei nicht eingeplant.

„Wir wissen nicht, wann wir wieder heimkommen“, so Saak. Tunesien hat seine Ausgangsperre bis 5. Mai verlängert – heißt: nur noch wichtige Läden wie Supermärkte haben geöffnet, und man darf nur noch für Einkäufe raus. Im Süden sei die Lage noch angenehm entspannt, im Norden sei es dagegen kritischer.” Saak erklärt:


Natürlich vermisst man seine Familie nach der Zeit hier schon, aber wir verstehen uns zum Glück ganz gut. Am meisten vermisse ich neben Familie und Freundin guten Käse, Wurst und Bier.

Er wünscht sich nur verlässliche Infos und eine Botschaft, die sich für ihn einsetzt. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es nun: „Unser Anliegen ist, wie ich heute erfahren habe, im Bundestag angekommen. Also Wellen schlagen wir schon mal.“

Hier geht’s zur Spendenaktion für Lukas Saak, die sein Bruder und seine Freundin ins Leben gerufen haben.


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus