Googles Fotografierautos im Tal – Chance oder Bedrohung?

Von Redaktion

Im April und Mai fahren vermehrt Fahrzeuge mit den großen Fotografiervorrichtungen (siehe Abbildung) durch das Tegernseer Tal. Das hat google auf seiner Homepage bekanntgegeben. Ziel ist dabei die optische Kartographierung unserer Strassen und Häuser. Die gewonnenen Bilder werden im Anschluss aufbereitet und in den kostenlosen Kartendienst GoogleMaps integriert. Somit wird es in einigen Monaten allen Internetnutzern weltweit möglich sein, virtuell durch unsere Strassen zu laufen.

Wie bereits in vielen Amerikanischen oder Europäischen Städten, ergeben sich dadurch für den Nutzer vielen Möglichkeiten. Er kann beispielsweise bequem von zu Hause aus die Natur, die Gemeinden oder aber die Unterkunft am nächsten Urlaubsort etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Diese Möglichkeit ist gerade für eine mit dem Tourismus so verbunden Region wie die unsere Chancen. Und dass unser Tal mit den Bergen und dem See sehr fotogen ist, wird auch keiner bestreiten. Denn schon der normale Kartendienst von google ist bei vielen Reisenden ein beliebtes Instrument für die Urlaubsplanung. Und so denkt auch Georg Overs, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus, konkret darüber nach die Street-View-Funktionalität in die Gemeinschaftsseite Tegernsee.com zu integrieren.

So sehen sie aus, die Streetview Autos

Doch wo liegen die Risiken? Was ist die Bedrohung?

Gegen das Projekt stellen sich bereits seit über 1 Jahr verschiedene politische Gruppierungen, Datenschützer mehrerer Bundesländer und wie im Fall von Ingolstadt sogar ganze Städte. Der Hauptpunkt der Kritker ist dabei die Verletzung des Datenschutzes. Das systematische Abfotografieren des scheinbar öffentlichen Raumes, so argumentieren sie, verletze die Privatsphäre. In diesem Zusammenhan ein Zitat der Schweizer Internetseite crazyprocesses.ch, die akribisch 20 Argumente gegen Google Street View zusammengesammelt hat. Die meisten davon sind etwas weit hergeholt. Aber die Nr. 7 trifft den Kern der Ängste am besten:

„Google bewegt sich nach eigener Auskunft bei seinen Fahrten auf öffentlichem Gelände. Allerdings erfassen die Kameras auch private Bereiche. So wird in private Gärten und in Privatstrassen hineinfotografiert; zuweilen erkennt man sogar etwas hinter einem Fenster in einem Gebäude. Während ein Passant normalerweise nur einen kurzen Blick auf das Private wirft, hält Google das Private dauerhaft für die Weltöffentlichkeit fest. Die Privatsphäre wird damit verletzt und zugreifbar gemacht.“

Rechtlich ist dagegen nichts einzuwenden. Und Abfotografieren von Häusern und sogar ganzen Grundstücken gab es auch in früheren Zeiten. Das Problem für die meisten Menschen liegt im systematischen Dokumentieren von privatem. Oder wie es Harald Gmeiner, der Tourismus-Chef von Bayrischzell so schön sagt: „Ich würde nicht wollen, dass die mein Domizil zeigen“.

Google ist in dem Zusammenhang jedoch bewusst, dass die Vorgehensweise nicht gegen geltendes deutsches Recht verstösst. Und eine gewisse Sicherheit hat der Bürger einerseits durch die umfangreiche Aufbereitung der Aufnahmen – bevor diese online gestellt werden. Aufbereitung bedeutet in dem Zusammenhang dass Autokennzeichen und Gesichter unkenntlich gemacht werden.
Anderseits hat jeder Bürger auch die Möglichkeit der Verwendung eines Bildes zu widersprechen. Das läuft ganz einfach in dem man im Internet die dafür zuständige Seite von google besucht und dort die beschriebenen Schritte durchführt.

So sieht google Streetview dann im Original aus. Hier ein Beispiel der Champs-Élysées in Paris:

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Alles in allem ist Street-View eine tolle Funktionalität, die vielen bei der nächsten Urlaubsplanung, der Vorrecherche für die neue Wohnung oder einfach dem verbesserten Navigieren übers Handy gute Dienste leisten kann. Und gerade der touristische Aspekt ist bei der Reichweite von google für eine Region wie das Tegernseer Tal nicht zu unterschätzen. Andererseits muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit den Aufnahmen seines Hauses oder Gartens umgeht. Die meisten werden es im übertragenen Sinn so halten, wie Georg Overs, der bei aller Euphorie für die Möglichkeiten einschränkt: „Bevor wir Street View auf der Webseite Tegernsee.com einbinden, werden wir uns das erst ausführlich anschauen“.


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