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Elternteil erhebt Vorwürfe gegen Schule

Hat Corona das Tegernseer Gymnasium lahmgelegt?

Von Sabiene Hemkes

Ein Elternteil richtet schwere Vorwürfe gegen das Lehrerkolleg und die Schulleitung in Tegernsee. Seiner Auffassung nach besteht dringender Handlungsbedarf aufgrund der vielen coronabedingten Ausfälle. Wir haben mit Rektor Dr. Werner Oberholzner gesprochen.

Wir haben mit Dr. Werner Oberholzner darüber gesprochen, wie sehr die Qualität des Unterrichts aufgrund des hohen Krankenstandes leidet. / Quelle: Archiv

Uns hat die Mail eines anonymen Elternteils erreicht. Darin berichtet der oder die Unbekannte von einigen bedenklichen Missständen, die sich seiner Beobachtung nach gerade am Gymnasium Tegernsee zeigen. Die Vorwürfe beziehen sich auf die aktuelle Corona-Situation an der Tegernseer Schule mit hohem Krankenstand im Lehrerkollegium, dem gravierenden Unterrichtsausfall, das mangelnde Engagement der Lehrer in der Quarantäne, aber auch auf die Rückständigkeit der fortführenden Schule im Digitalbereich. Wir haben den Schulleiter des Gymnasiums, Dr. Werner Oberholzer mit den Vorwürfen konfrontiert.

Ist es richtig, dass die Schülerinnen und Schüler im Moment nicht mehr als zwei bis drei Stunden Unterricht haben statt wie normalerweise sechs bis neun Stunden?

Dr. Werner Oberholzer: Es ist korrekt, dass im Vergleich zu früheren Monaten derzeit bei uns leider viele Lehrkräfte erkrankt sind, was nicht zuletzt auch an Corona liegt. Das Gleiche sehen wir bei unseren Schülerinnen und Schülern und es gilt ja leider auch für alle anderen Schulen und für den gesamten Rest der Bevölkerung.

Damit muss im Augenblick tatsächlich mehr Unterricht als sonst ausfallen – nur zwei bis drei Stunden Unterricht an einem Tag für eine Klasse hat es in sehr seltenen Einzelfällen gegeben, das ist aber schon ein extremer Ausnahmefall.

Konkrete Zahlen zum Krankenstand und zur Impfquote können aus Datenschutzgründen natürlich nicht genannt werden.

Es heißt in der Mail des unbekannten Elternteils, dass die nächsten vier Wochen der Sportunterricht ausfallen wird. Allerdings sei von Seiten der Schulleitung nicht geplant, bei schönem Wetter auch Outdoor-Sport anzubieten. Was ist da dran?

Oberholzer: Dass der Sportunterricht ausfällt, entspricht nicht der Wahrheit. Die Halle sollte für Flüchtlinge gesperrt werden, wird jetzt aber aufgrund eines Wasserschadens vorläufig doch nicht belegt. Damit kann der Sportunterricht für den Augenblick ganz regulär weiterlaufen.

Auch wenn wir in Zukunft keine Halle zur Verfügung hätten, sind schon andere Lösungen fest geplant, vor allem durch das Ausweichen in andere Sportstätten. Auch in früheren Jahren, wo die Halle durch Flüchtlinge belegt war, hatten wir Lösungen gefunden, dass jede einzelne Sportstunde – an anderen Sportstätten – auch stattfinden konnte.

Weiterhin wird bemängelt, dass es in der Verantwortung der Schüler liege, den in der Schule vermittelten Unterrichtsstoff an nicht anwesende Schüler weiterzuleiten. Der anonyme Kritiker sieht bei diesen Aufgaben ganz klar die Lehrkräfte in der Verantwortung. Warum wird dies so gehandhabt?

Oberholzer: Wir betrachten es durchaus als sinnvoll, bei kranken Schülerinnen und Schülern auf die partnerschaftliche Hilfe unter den Mitschülern zu setzen. Das schult die Eigenverantwortung und auch die Teamfähigkeit. Es gibt viele Beispiele, wo das gut funktioniert – auch an anderen Schulen.

Wenn Schüler länger krank sind oder auch im Rahmen des Projekts „Partnerschule des Wintersports“ wird natürlich auch auf die zusätzliche Unterstützung durch die Lehrkräfte zurückgegriffen, dabei verwenden wir vorrangig auch die Möglichkeiten über MS Teams.

Wörtlich heißt es in der uns vorliegenden Mail: „Lehrer in Quarantäne gingen auf Tauchstation“, statt den Unterricht per Video durchzuführen, wenn sie symptomfrei sind. Welchen Grund gibt es dafür?

Oberholzer: Die meisten fehlenden Lehrkräfte sind tatsächlich krank, von ihnen kann man natürlich keine Beiträge erwarten. Lehrkräfte in Quarantäne sind entsprechend auch in verschiedener Weise in Kontakt mit ihren Schülern. Unterricht per Video bietet sich hier allerdings nicht an, weil die Schüler im Gegensatz zum Distanzunterricht ja in den entsprechend ausfallenden Einzelstunden in der Schule sind.

Zum Abschluss der anonymen Mail geht der Verfasser noch auf die seiner Einschätzung nach schlechte Aufstellung der Schule im digitalen Bereich ein. Zudem fordert er mehr Transparenz beim Einsatz der Mittel aus dem Digitalpakt für bayerische Schulen. Ihre Einschätzung zu dem Thema?

Oberholzer: Ein schneller Glasfaseranschluss war schon seit Jahren dringend beantragt, wird jetzt voraussichtlich im Laufe der nächsten Monate realisiert.

Abgesehen davon ist das Gymnasium Tegernsee schon jetzt sehr gut digital und interaktiv ausgestattet, und die Mittel des Digitalpaktes werden genutzt, um diese Ausrüstung in der 2. Generation zu erneuern.

Bis zum nächsten Schuljahr wird die Ausstattung in den Klassenzimmern mit zum Beispiel neuen interaktiven Beamern, neuen Dokumentenkameras und modernen Anschlussmöglichkeiten für portable Geräte auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Mit umliegenden Schulen können wir uns in jeder Weise technisch messen.

Vielen Dank für das Gespräch.


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