Heiligabend – Warten auf das Wunder

Von Rose Beyer

Man kann sich dieser Nacht einfach nicht entziehen. Man kann bis zum Ende der Welt fahren, eine Party feiern, alles, was mit Familie zu tun hat, ablehnen, man kann ins Bett gehen und den Abend verschlafen, man kann alles tun, aber man kann es nicht vergessen.

Sie wissen sicher, was ich meine: Heiligabend.

Wir haben ein Idealbild im Kopf: Die ganze Familie harmonisch vereint vor einem großen mit Lichtern geschmückten Tannenbaum. Ein festliches Essen. Ein Gottesdienst, der die Herzen öffnet. Strahlende Kinderaugen. Gemeinsames Singen. Die Weihnachtsgeschichte – ein Märchen, wie in den Weichzeichner getaucht. Die Werbung suggiert uns, so feiern alle.

Ist das das "Idealbild" von Weihnachten? Aufnahme: Bildagentur Weihnachtsfest mit Familie

Weihnachten ist…

Doch die Probleme beginnen meist schon bei dem Wort Familie. Bei vielen wird oft unterschieden zwischen “meiner” Familie und “seiner” Familie und damit fangen jährlich wiederkehrende Dramen an.

Beide Familien zusammen an einen Tisch – eher nicht bis unmöglich. Ein Weihnachten hier, eins dort – ein fahler Kompromiss.

“Wir haben uns, als die Kinder klein waren, dafür entschieden, dass wir unter uns bleiben. Eltern und Geschwister treffen wir erst an den Weihnachtsfeiertagen”, erzählte mir vor ein paar Tagen eine gute Bekannte. Das klingt doch ganz gut, dachte ich. “Aber seit ein paar Weihnachten frage ich mich, ob ich nicht doch gerne wenigstens meine Mutter dabei hätte”, meinte vor kurzem eine Freundin nachdenklich.

… oft nicht einfach…

“Weihnachten war letztes Jahr schrecklich”, erinnert sich eine Kollegin. “Meine Kinder waren bei meinem geschiedenen Mann und mein Freund und ich wollten es uns ganz gemütlich machen. Erst schön essen, dann bescheren, aber es kam keine Stimmung auf und wir landeten um 22 Uhr vor der Glotze.”

“Spätestens ab Ende September gehen bei uns die Diskussionen los: Fahren wir zu meiner Familie oder zu der meines Mannes oder feiern wir lieber mit den Kindern alleine zuhause? Bisher haben wir immer spätestens am 23. das Auto gepackt und sind losgefahren, meist dann doch zu meiner Familie, denn da ist es einfach schöner”, erzählt eine andere.

Jedes Jahr ist es mir schon Wochen vor dem Fest etwas klamm in der Brust. Wie wird es dieses Jahr werden? Wird es Streit geben? Misslingt das Essen? Sind alle mit ihren Geschenken zufrieden? Habe nur ich Freude am Kirchgang oder auch mein Mann (ausgetreten) und die Kinder?

… ist Hoffnung.

Ich habe schon alles erlebt. Den großen Krach. Die Gans, die nicht schmeckte. Das brennende Fondue. Geschenke, die nicht begeisterten. Schöne Kirchgänge und solche, die ich schnell wieder vergessen habe, weil sie nichts bedeuteten.

Und doch spüre ich am 24. Dezember morgens immer wieder diese Hoffnung. Dass der Abend dieses Tages ein ganz besonderer sein wird. Dass unsere Herzen aufgehen und wir zusammen ein wunderschönes Fest feiern. Und ich freue mich jedes Jahr wieder auf die Gemeinschaft mit meinen Lieben. Und ich weiß, egal, ob etwas nicht klappt, etwas schief geht oder sogar in einem Drama endet – ich freue mich auf sie.

Denn ich weiß, dass die Liebe stärker ist als alles andere. Das ist das Wunder. Das ist der Zauber von Weihnachten. Egal was um uns herum passiert.

Quelle: Aleksy Aleksjew (www.aleksy.de)


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