Geothermie in der Krise: Die große Verharmlosungsshow
Heiß, heißer… Millionenschaden

von Laura Lorefice

Das Holzkirchner Geothermieprojekt zieht derzeit alle Blicke auf sich. Nachdem man kurz vor dem Ziel auf gashaltige Schichten stieß, muss die Bohrung nun neu angesetzt werden. Die Folge ist ein millionenschwerer Schaden – doch die Verantwortlichen versuchen zu beschwichtigen.

Mit Fräsmeißeln wie diesem (r.) wurde der sogenannte “Sidetrack” vorbereitet. (Bild: Montage/Hoch 3 GmbH/Medienbüro Keidel-Landsee)

Seit Anfang des Jahres bohrt sich der Meißel auf dem Areal in der Alten Au in den Boden. Lange liefen die Arbeiten des Geothermie-Projekts gut. Stolze 4186 Meter hatte sich der Bohrmeißel vorgearbeitet. Doch dann die Überraschung: Anstelle von heißem Thermalwasser stieß man auf Gas – und zwar auf unerwartet viel.

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Aufgrund des hohen Gaszutrittes wurde nun ein zweiter Bohrpfad eingerichtet, der circa 15 Grad von der ursprünglichen Strecke abweicht. Mit dem sogenannten „Sidetrack“ umgeht man mit einem Abstand von 400 Metern die gashaltigen Schichten, und hofft so das Bohrziel über einen Umweg erreichen zu können. Durch diese ungeplante Maßnahme kommt es nun zu Verzögerungen und einen haushohen Schaden im siebenstelligen Bereich. Die Rede ist von zwei bis drei Millionen Euro.

Grüne üben sich als Phrasendrescher

Robert Wiechmann, Fraktionssprecher Bündnis 90/Die Grünen ist offenbar sprachlos und macht wortkarg klar: “Ich habe das als Verwaltungsrat nicht zu kommentieren”, fügt dann aber doch hinzu: “Der Schaden ist bedauerlich, aber das bringt uns jetzt auch nicht weiter. Es war von vornherein klar, dass das kein Spaziergang wird. Durch die Versicherung trägt die Gemeinde keinen großen finanziellen Schaden davon”.

Auch sein Fraktionskollege Karl Bär ist entspannt. Laut Bär habe man “unternehmerisch gehandelt”. Das heißt, die Gemeinde habe “risikoreich investiert” mit der “sehr großen Chance, dass sich das rechnet”, wie es Bär nennt. Das bleibt vor allem auch für die Steuerzahler zu hoffen, mit deren Steuern, das Projekt “ausschließlich” finanziert wurde, so Bär.

Die Arbeiten für den Sidetrack laufen auf Hochtouren - das Geothermie-Projekt soll auf keinen Fall scheitern. (Bild: Medienbüro Keidel-Landsee)
Die Arbeiten für den Sidetrack laufen auf Hochtouren – das Geothermie-Projekt soll auf keinen Fall scheitern. (Bild: Medienbüro Keidel-Landsee)

Etwas pragmatischer sieht die ganze Sache aus der Perspektive von Josef Sappl Junior (CSU) aus. Er möchte hier zuerstmal von keiner “Fehlbohrung”, sondern von einem “Versicherungsschaden” sprechen. Er findet, es sei richtig, durch die Ablenkbohrung weiterzumachen. Das Geld sei auf keinen Fall verloren und die Gemeinde bekomme es durch die Versicherung ja wieder.

Falls man während der Ablenkbohrung wieder auf Gas stoße, hat Sappl einen interessanten Vorschlag: “Wenn man jetzt wieder auf Gas stoßen sollte, ist die Überlegung, ob wir statt dem Thermalwasser vielleicht ersteinmal das Gas nutzen. Man muss halt flexibel sein”. Doch Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke, erteilt diesen Hoffnungen gegenüber dem Holzkirchner Merkur eine klare Absage: „Um das Gas wirtschaftlich zu verwerten, bräuchte es spezielle Fördertechnik und aufwendige Tests.“

“Versicherung hat Vertrauen in das Projekt”

Für Gemeinderätin Elisabeth Dasch (SPD) kommt der Schaden hingegen nicht unerwartet: “Wer denkt, dass so ein Projekt völlig risikolos und ohne Probleme abläuft ist meiner Meinung nach blauäugig”. Zu erwartende Probleme seien am Anfang mit einkalkuliert und abgesichert worden. Dass das Risiko trotz des Schadens relativ gering bleibt, sieht sie in der erneuten Versicherung:

Die Versicherung hat ja den Sidetrack wieder versichert und uns diesen Weg empfohlen. Also kann davon ausgegangen werden, dass sie Vertrauen in das Projekt haben.

Die Fraktion der Freien Wähler war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Während die Geothermie zuletzt wenigstens spektakulär aussah, ist das Projekt jetzt ebenso spektakulär auf die Nase gefallen – es wird dauern, bis es wieder steht. Doch der Holzkirchner Gemeinderat wäre wohl nicht der Holzkirchner Gemeinderat, wenn ihn ein solches Millionenrisiko ernsthaft aus der Ruhe bringen könnte.

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