Kritik an der TTT geht weiter: Kreuther Gemeinderäte finden klaren Worte

Von Redaktion

Georg Overs, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH - kurz TTT

Ergänzung vom 10. Dezember / 20:47 Uhr
Die Abstimmung über den Masterplan Tourismus (wird noch ausführlich dargestellt), bei der die Gemeinderäte aller fünf Talgemeinden über einen 12-Punkte-Plan für ein landkreisweites Tourismuskonzept abstimmen sollen, entwickelt sich immer mehr zu einer grundsätzlichen Kritikstunde an der Arbeit der TTT.

Besonders stark war der Gegenwind in der gestrigen Kreuther Gemeinderatssitzung. Trotz des positiven Zuspruchs von Bürgermeister Josef Bierschneider waren die Äußerungen der Gemeinderäte relativ direkt:

„Die TTT ist so sehr mit ihrer Integration beschäftigt, dass es wirklich schlimm ist. Wenn die TTT nicht so schwerfällig wäre, würden auch unsere Übernachtungszahlen nicht so stark in den Keller gehen.“ Evi Baumgartner (SPD)

„Jeder Umstrukturierungsprozess führt dazu, dass man sich mit sich selber beschäftigt. Aber klar ist, dieser Prozess muss schnell abgeschlossen sein, damit man an die Arbeit geht.“ Josef Bierschneider (CSU)

„Ganz wichtig ist es, dass endlich mal im operativen Geschäft was passiert. Bisher waren alle Aktionen nach innen gerichtet. Wir müssen aber nach außen hin was bewegen.“ Martin Walch (SPD)

Im Moment ist die TTT ja überfordert. Die Frage ist ob das durch das neue Konzept nicht noch verstärkt wird!? Wolfgang Rebensburg (FWG)

Das Interessante an diesen Diskussionen ist, dass sich die wichtigsten Bedenken in allen Gemeinden wiederholen. Was widerrum oft ein Zeichen dafür ist, dass zu wenig kommuniziert wird. Jedoch steht natürlich auch die Frage im Raum, ob hier eher eine Holschuld der Gemeinderäte oder eine Bringschuld der fünf Bürgermeister zusammen mit Georg Overs vorliegt.

Zumindest der Unterschied zwischen der Sicht der Bürgermeister und ihrer Gemeinderäte auf die TTT ist sehr eklatant. Kurz gesagt sind alle Bürgermeister Pro-TTT. Viele Gemeinderäte stehen der Organisation jedoch kritisch gegenüber.

Ein Umstand, der die Arbeit der Verantwortlichen – auch in der Zukunft – nicht einfacher machen wird.

Ursprünglicher Artikel vom 02. Dezember mit der Überschrift:“Herr Overs, stimmt es, dass die TTT mit mehr Geld als früher weniger Touristen an den Tegernsee lockt?“
Der Aufreger bei der Tegernseer Bürgerversammlung in der letzten Woche war sicherlich die wiederholte Anfrage von Maria Heiß (Leiterin des örtlichen Gewerbeverbandes) einen Einblick in die Zahlen der TTT zu bekommen.

Um welchen Etat geht es und an welchen Zielen wird die TTT gemessen?
Das waren die konkreten Fragen, die der zweite Bürgermeister Anton Staudacher nicht zur Zufriedenheit von Maria Heiß beantworten konnte oder wollte.

Der Grundtenor der kritischen Aussagen wurde dabei an der folgenden Feststellung deutlich: „Wir hatten früher weniger Geld zur Verfügung und die Übernachtungszahlen waren trotzdem deutlich besser.“

Da Georg Overs oder einer seiner Vertreter nicht an der Bürgerversammlung teilgenommen haben, hatten sie auch nicht die Möglichkeit Ihren Standpunkt darzulegen. Das ist natürlich schade, da man dann eher übereinander als miteinander redet. Vor allem wird für den normalen Bürger die Situation damit nicht klarer. Wer hat denn jetzt Recht? Ist es vielleicht wirklich so, dass die TTT deutlich mehr Geld zur Verfügung hat? Sind tatsächlich weniger Gäste im Tal? Und werden es in Zukunft noch weniger werden?

Diese Fragen haben wir im Nachgang der Bürgerversammlung Georg Overs gestellt. Hier seine Antworten:

Hallo, Herr Overs eine unkritische Einstiegsfrage. Wieviele Mitarbeiter sind in der Tegernseer Tal Tourismus GmbH angestellt?

Georg Overs: Die elf Gesellschafter, vor allem die fünf Gemeinden, aber auch die Kreissparkasse, die Wallbergbahn, die Verkehrsvereine Rottach-Egern und Bad Wiessee, die OTT und der Bund der Selbständigen zahlen jedes Jahr einen Zuschuss von 1.216.000 €. Hinzu kommen die Mittel, die wir selber erwirtschaften. Die Tourist-Informationen werden direkt mit den Gemeinden abgerechnet. Insgesamt arbeiten bei der TTT derzeit 46 Angestellte, davon viele Teilzeitkräfte, so dass wir auf ca. 38 Vollzeitstellen kommen.

Wie hat sich dieses Budget in den letzten 5 Jahren entwickelt?

Georg Overs: 2005 lag der Zuschuss bei ca. 862.000 €. Mit den zunehmenden Aufgaben, die entweder zentralisiert wurden, oder vorher wenig oder gar nicht erfüllt wurden (wie z.B. Online-Marketing, Auflagensteigerungen und neuen Publikationen) und der Inflation, stieg der Zuschuss auf 1.216.000 € an.

Wie schätzen Sie die Aussage „Die TTT hat viel mehr Geld als früher, aber dafür sind im Tal weniger Touristen da“ ein?

Georg Overs: Erstens hat der Wettbewerb in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Es reicht leider nicht mehr aus, nur schöne Landschaft zu bieten. Hierüber sind sich die Gesellschafter sehr einig, und das hat ja auch zur Gründung der TTT geführt.

Zweitens ist die Aussage sehr ungenau: Seit der Gründung der TTT 2001 wurde der starke Abwärtstrend gestoppt, und die Übernachtungen sind weitgehend konstant, obwohl Betten durch Betriebsaufgaben verloren gingen.

Drittens: Die TTT war am Anfang in sehr unruhigem Fahrwasser und wird mit einer mir unbegreiflichen Ungeduld betrachtet. Noch bis vor kurzem sind mir viele Menschen begegnet, die eine Integration der Tourist-Informationen in die TTT als unmöglich bezeichnet haben. Zum 1. Mai haben wir es geschafft, und jetzt sollte man uns auch mal die Zeit geben, diesen schwierigen Schritt zu bewältigen. Von außen werden die positiven Veränderungen schon seit längerem beobachtet, vor allem auch von den überregionalen Medien.

An welchen Zielen wird die Arbeit der TTT gemessen?

Georg Overs: Die Gesellschafter bewerten nicht nur die Übernachtungszahlen, sondern auch die Wertschöpfung, d.h. die Wirtschaftskraft, die durch den Tourismus entstehen. Auch die Entwicklung des Tagestourismus wird gemessen.

Glauben Sie, dass es langfristig möglich ist, die Übernachtungszahlen früherer Jahre zu erreichen?

Georg Overs: Ja, wenn es uns gelingt, dass in der Region noch mehr in die Qualität investiert wird – in bestehende Betriebe, aber durchaus auch in neue Hotelbetten aller Kategorien. Das liegt aber nicht nur im Einflussbereich der TTT. Hier haben wir jetzt eine Struktur geschaffen, die ein optimales Marketing für die Region bewirkt.
Es reicht aber nicht nur, dass hier die TTT aktiv sein muss, sondern alle an einem Strang ziehen sollten. Die Region sollte nicht nur die TTT ungeduldig beobachten, sondern mitmachen und kooperieren.

Herr Overs, vielen Dank für das Gespräch.

Weiterführende Informationen:
Merkur-Artikel zur Tegernseer Bürgerversammlung „Zu wenig Erfolg für zu viel Geld?“
Tegernseer Stimme zum Thema Bürgerversammlung in Tegernsee „Altersdurchschnitt und Touristikerschelte“


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