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„Hirschkuss“ von Jörg Steinleitner

Das ganze Tal ein Krimi

Von Rose Beyer

„Hinter der Hütte wurde Anne vom Wald verschluckt. Dort prasselte der Regen nicht mehr so stark auf ihre Regenjacke. Zwar war auch hier alles nass, aber die Bäume gewährten ihr Schutz. Der Jäger hatte ihr den Treffpunkt genau beschrieben. Anne prüfte ihre Dienstwaffe und stieg den steilen Hang hinab.“

Anne Loop – Steinleitners schöne Ermittlerin – fühlt sich offenbar verfolgt. Doch was hat es wirklich auf sich mit dem „Hirschkuss“, der in Jörg Steinleitners viertem Tegernsee-Krimi die Hauptrolle spielt?

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Das ganze Tal ein Krimi / Bild: Philippe Arlt

Nachdem sich Anne – Bayerns wohl heißeste Polizistin – mit Jäger Blasius Singer gestritten hat, verläuft sie sich im Wald und es wird dunkel. Seit 2010 schon tritt die gutaussehende Kommissarin in Steinleitners Krimis in Aktion: zum ersten Mal in „Tegernseer Seilschaften“. Anfang 2012 folgte der zweite: „Aufgedirndlt“. 2013 veröffentlichte der Autor den dritten Fall: „Räuberdatschi“.

Bis vor drei Jahren führte der Autor noch eine Münchner Anwaltskanzlei. Seit „Aufgedirndlt“ hat er seinen Fokus ganz aufs Schreiben verlagert. Etliche Bücher sind bereits erschienen. Seit „Tegernseer Seilschaften“ macht sich Steinleitner auch einen Namen als „Krimiguru“. Der gebürtige Allgäuer, dessen Familie vom Tegernsee stammt, erklärt sich den Erfolg auch durch „die atmosphärischen Ortsschilderungen“ in seinen Werken, mit denen sich die Leser identifizieren könnten. Außerdem müsse er so nicht lange Örtlichkeiten recherchieren, denn die habe er seit seiner Kindheit und bei den vielen Besuchen verinnerlicht.

Kurzweilige Unterhaltung

Genau wie die Krimis zuvor, ist „Hirschkuss“ kein bluttriefendes Szenario mit Gewaltverbrechen, sondern eher ein leichtes Buch. Kein ernsthafter Krimi, sondern eher kurzweilige Unterhaltung. Steinleitner füttert seine Leser mit Zeilen, die die Handlung nicht immer gleich fortführen. Manchmal gibt es große Sprünge. Trotzdem bleibt durchaus eine Spannungskurve bestehen, die mal mehr, mal weniger beschleunigt.

Während der Autor in seinen vorhergehenden Bänden jeweils genaue Örtlichkeiten beschrieb, überlässt er bei „Hirschkuss“ vieles der Fantasie des Lesers. Die Mordsgeschichte scheint sich über das ganze Tal zu verbreiten. Genaue Orte werden nicht genannt. Eine fiktive Alm könnte auf die Gindlalm hindeuten – muss aber auch nicht. Ortsangaben gibt es in Anne Loops viertem Fall selten, meistens nur durch Himmelsrichtungen. Der einzige Ort, den er explizit beschreibt, ist der oberhalb von Kaltenbrunn gelegene „Bungalow von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard.“

„Auffi – obi – rum um’s Eck“

Steinleitners spannendste Stelle ist die, in der sich Anne Loop mit dem Jäger Blasius Singer gestritten hat und hoffnungslos verläuft. „Wo war Singer? Sie sah sich um. Die Bäume troffen vor Wasser. Ansonsten war der Wald still. Plötzlich knackste es direkt hinter ihr, Anne fuhr herum, und da stand er, aufgetaucht wie aus dem Nichts: Blasius Singer. Neben ihm der Hund…“

Neben dem Jäger scheinen auch andere in dem Buch verdächtig, die erfolgreiche Münchner Bankerin Hanna Nikopolidou ermordet zu haben. Die vier ungehobelten Waldarbeiter zum Beispiel, die sich mehrmals am Tag mit „Aufi – obi – rum um’s Eck“ einen „Hirschkuss“-Likör nach dem anderen geben. Und von denen zwei selbst bald ins Gras beißen werden.

Oder die griechische Verwandtschaft der Bankerin, bei der man 100.000 Euro in bar findet. Nicht zuletzt Wolfgang Mattusek, der unsympathische Düsseldorfer Investor, der in dem von ihm erworbenen Wald am liebsten Pappeln pflanzen würde, aber dann selbst verschwindet.

War die vermisste Griechin in krumme Geschäfte verwickelt?

Anne Loop und ihre Kollegen Sepp Kastner und Kurt Nonnenmacher fahnden intensiv nach dem Täter, während auch ein Urlauberpärchen auf einem Waldspaziergang sein Leben lässt. Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätten sie sich gar nicht aussuchen können, denn Anne ist frisch verliebt in den Strafverteidiger Johann Bibertal. Doch nach und nach muss sie erkennen, dass der Bergwald eine mörderische Idylle ist.

Und was verbirgt sich nun hinter dem „Hirschkuss“, der in dem Krimi eine zentrale Rolle spielt? Verraten wollen wir es an dieser Stelle nicht. Wer es wissen möchte, müsste sich schon selbst in die Lektüre vertiefen. Oder eine der szenischen Lesungen, unter anderem auch in der Genussmanufaktur „Hirschkuss“ in Gaißach, vertiefen. Bis dahin wünschen wir einen spannenden Spätwinter. Vielleicht mit einem Waldspaziergang, der den einen oder anderen möglicherweise animiert, zu einem echten „Hirschkuss“.

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