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"Sich zu versichern ist nur schwer möglich"

Flut-Folgen: Wer kommt für die Schäden auf?

Von Nina Häußinger

In ganz Bayern kämpfen immer noch Tausende von Menschen gegen die Wassermassen, die uns das Unwetter vor eineinhalb Wochen gebracht hat.

Hier bei uns am Tegernsee hat sich die Lage wieder entspannt. Der Pegelstand ist auf normalem Niveau, die größten Aufräumaktionen sind beendet. Die entscheidende Frage für viele Geschädigte lautet nun: Wer kommt finanziell für die entstandenen Schäden in den Häusern und Geschäften auf?

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Vor einer Woche stand das Wasser noch in den Geschäften, wie hier in der Parfümerie Bayerschmidt.
Vor einer Woche stand das Wasser noch in einigen Rottacher Geschäften, wie hier bei der Parfümerie Bayerschmidt.

Viele Geschäftsinhaber in der Rottacher Seestraße waren die komplette vergangene Woche damit beschäftigt, ihre Läden vom Wasser zu befreien, und auch Eigentümer von Privathäusern hatten allerhand mit den Aufräumarbeiten zu tun. Nach dem ersten Schock geht es nun darum, die Schäden zu reparieren oder Teile des Hausstandes zu ersetzen.

Neben der finanziellen Unterstützung, die vom Freistaat geboten wird, ist es für direkte Seeanrainer natürlich von Vorteil, eine Versicherung zu haben, die bei Fällen wie diesen hilft. Wie der Tegernseer Rechtsanwalt Markus Wrba erklärt, gibt es da eigentlich nur die sogenannte Elementarversicherung. Diese kommt für Schäden am Gebäude auf.

Für das Inventar könnte die Hausratversicherung aufkommen. Könnte ‒ weil auch dort in den meisten Fällen nur Schäden durch Leitungswasser, Feuer, Sturm, Hagel und Einbruch­diebstahl abgedeckt sind. Ein genauer Blick in die Unterlagen hilft. Ansonsten muss – wie bei der Wohn­gebäude­versicherung – auch hier eine zusätzliche Elementarschaden­versicherung abgeschlossen werden.

Wer zahlt für was?

Das Problem sei laut Wrba aber meistens, dass die Versicherungsunternehmen Personen in hochwassergefährdeten Gebieten gar nicht mehr aufnehmen wollen. Abgesehen davon seien die Policen mittlerweile sehr teuer geworden. Das bestätigen auch einige Geschäftsinhaber in der Seestraße, wie Hildegard Bayerschmidt von der Parfümerie Bayerschmidt:

„Ich habe keine Hausratversicherung, denn die bekommt man gar nicht mehr, oder sie ist zu teuer. Nur unser Vermieter hat seit langer Zeit eine Elementarversicherung für das Haus.“

Falls man jedoch zu den Glücklichen gehört, die noch eine Versicherung abschließen konnten, sollte man den Schaden möglichst zeitnah melden. Wichtig sei dabei vor allem, dass man alle Schäden ausführlich dokumentiert und im besten Fall fotografiert.

Die Frage nach der Schadensregulierung ist beispielsweise bei einer überfluteten Mietwohnung oder einem gepachteten Geschäft eigentlich ganz einfach: der Vermieter trägt den Schaden am Haus, der Mieter den an seinem Eigentum. Doch ein paar Ausnahmen gibt es auch hier. Sollte es nachweisbar sein, dass Mängel am Haus für die Überflutung verantwortlich sind, muss der Vermieter für alle entstandenen Schäden aufkommen.

Er ist bei einer überschwemmten Wohnung oder einem überfluteten Laden dafür zuständig, alles wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Dabei muss der Mieter keine oder nur eine geringe Miete zahlen, solange die Immobilie nicht nutzbar ist.

Elisabeth Zibert zeigt die Höhe, in der der Tegernsee in ihrem Modegeschäft stand.
Elisabeth Zibert zeigt die Höhe, in der der Tegernsee in ihrem Modegeschäft stand.

Über solche organisatorischen Dinge hat sich Elisabeth Zibert vom Modegeschäft Classix in der Rottacher Seestraße derzeit noch keine Gedanken gemacht: „Wir waren bisher noch so mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, dass wir die Gespräche mit dem Vermieter erst in dieser Woche führen werden.“

Seestraße: Großteil der Läden hat keine Versicherung

Dabei haben die Geschäftsinhaber teilweise doppelte Kosten: einerseits muss zerstörte Ware ersetzt werden, und gleichzeitig müssen die Angestellten weiter bezahlt werden, auch wenn der Laden nicht öffnen kann. Dazu der Tegernseer Anwalt:

„Wenn der Arbeitnehmer nicht kommen kann, muss er Urlaub nehmen oder wird für diesen Tag nicht bezahlt. Sollte aber das Geschäft unter Wasser stehen, ist der Fall genau andersrum. Dann muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer normal weiterbezahlen.“

Auch wenn es Ziberths Classix beispielsweise relativ stark erwischt hat, ist die Hoffnung noch da. Es sei zwar, so die Inhaberin, auch Kleidung zum Teil nass geworden. „Aber ich habe ganz nette Menschen gefunden, die mir die Sachen waschen.“ Diese Woche beginnt der Ausverkauf, und Ziberth hofft, dass ganz viele Kunden kommen.

Die Parfümerie Bayerschmitt in der Seestraße hat seit gestern wieder geöffnet
Die Parfümerie Bayerschmidt in der Seestraße hat seit Donnerstag wieder geöffnet

Auch die Hilfe der Gemeinde wollen die meisten Ladenbesitzer nutzen, da ein Großteil der am See gelegenen Geschäfte eben keine Versicherung für ihre Ware besitzt und so komplett alleine für die Schäden aufkommen muss.

Die Schadenshöhe können die Befragten derzeit in den meisten Fällen noch nicht einschätzen. Jetzt gehe es erst mal darum, die Geschäfte so schnell wie möglich wieder flott zu bekommen, damit die Umsatzeinbußen in der Sommersaison nicht zu groß werden.

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