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Umstrittene Anlage in Piesenkam macht sich schick

Hoffnungsschimmer am Golfhimmel

Von Sabiene Hemkes

Ein Ärgernis der nicht erfüllten Auflagen. Der Golfplatz in Piesenkam füttert seit vielen Jahren unsere lokalen Medien. Alte Forderungen treffen auf immer neue kreative Vermeidungsstrategien. Doch gibt es Hoffnung auf Besserung? Wir haben mit dem neuen Manager über seine Zukunftspläne gesprochen. 

Das Loch 1 am Golfclub in Piesenkam – ein grünes Idyll mit Bergblick.

Seit bald mehr als 10 Jahren berichten wir bei der Tegernseer Stimme über das Golfplatz-Projekt hinter dem Ortsschild von Piesenkam. Doch schon im Jahr 2001 führte der frühere Bürgermeister von Waakirchen Sepp Hartl (FWG), damals noch technischer Leiter beim Golfplatz Isarwinkel-Bad Tölz, die ersten Gespräche zu diesem ambitionierten Projekt.

Am 1. Juni 2002 unterschrieb man eine Absichtserklärung, daran beteiligt auch die Bauern, die die fast 90 Hektar für den Platz und die Ausgleichflächen beisteuerten. Zwei Jahre später – am 1. April 2004 wurden die Verträge mit dem Investor Karl-Heinz Detlef Krutz unterschrieben und damit das Projekt übergeben. Die Bauern erhielten fortan ihre Pacht von fast 1.000 Euro und Initiator Hartl sein Honorar in unbekannter Höhe. Es folgten in den nächsten Jahren viele Absichtserklärungen, aber erst im Jahr 2013 begann die konkrete Umsetzung und der Bau des Golfplatzes, was im Juni 2016 zu dessen Öffnung führte.

Es tut sich was in Piesenkam

Der Investor, um den sich hartnäckig Gerüchte über dubiose Geschäfte ranken, (wir berichteten), hat sich inzwischen augenscheinlich aus dem aktiven Betrieb des Golfplatzes zurückgezogen.

Der neue Golfplatzmanger Dominik Krauß aus Gmund.

In Piesenkam weht ein frischer Wind. Nachdem der Platz jahrelang durch seine pragmatische Gestaltung, lieblose Präsentation und Entwicklungsstillstand auffiel, bemerkt man heuer beim Besuch eine neue, positive Dynamik.

Miettoilette, Holzterrasse und viele Blumen

Zwar staubt man sich immer noch bis zum Stadl über eine Schotterpiste ein, aber parken kann man jetzt auf ausgewiesenen und gekennzeichneten Parkplätzen. Blumenbeete sind angelegt. Drei Fahnenstangen wehen inmitten des zentralen Beetes. Die fast liebgewonnenen, wenn auch nie benutzten Dixie-Klos mussten einem Toilettenwagen der besseren Art weichen. Und gerade wird an einer Holzterrasse gebaut, auf der sich die Spieler nach der Runde in gepflegter Umgebung entspannen können.

Wir treffen Dominik Krauß, den neuen Golfmanager der Anlage, die seit kurzem als Golfplatz Waakirchen Tegernsee Betriebs GmbH geführt wird. Verbunden mit der am 08.04.2021 neu gegründeten Golfplatz Besitzgesellschaft GmbH & Co. KG bilden diese beiden Gesellschaften das neue Fundament des Betriebes in der Golfplatz Straße 1 in Waakirchen. Geschäftsführer beider Unternehmen ist der 65-jährige Kaufmann Joachim-Felix Krebs aus Quickborn, der in mehreren Unternehmen des Investors diese Funktion bekleidet.

Firmenjonglage und Kindheitstraum

Auch wenn man die neuen Firmierungen um das Golfplatzprojekt nicht verstehen muss, scheint das Ergebnis für Golfer gesehen durchaus positiv. Was wohl in erster Linie der Tatsache geschuldet ist, dass man in Krauß einen wirklichen Liebhaber des Golfsports für das Management der Anlage gewinnen konnte. Der aktive Golfspieler formuliert es selbst so:

Ich spiele schon seit ich ein Kind bin leidenschaftlich Golf. So eine Anlage leiten zu dürfen, ist für mich eine großartige Herausforderung. Für mich geht hier ein Traum in Erfüllung.

Man kauft Krauß seine Leidenschaft für den Golfsport ab, während er die Neuerungen auf der Anlage präsentiert. „Ich bin hier Manager und manchmal auch Greenkeeper oder einfach nur Arbeiter.“ Es gebe so viel zu tun, berichtet er weiter. Manchmal arbeite er bis in die Nacht an den neuen Schildern für die Bahnen. „Das ist alles spannend. Der Schlafmangel ist aber schon hart“, berichtet Krauß.

Noch im letzten Jahr wirkte die Anlage eher lieblos betrieben und auch ungepflegt. Trotzdem war sie im Sommer sehr gut besucht. Was in erster Linie an den für die Region niedrigen Preisen lag – sowohl beim Jahresspielrecht als auch bei einer Runde über 18 Loch (Greenfee). Eine Seltenheit rund um das Tegernseer Tal.

Selbst die neuen “Behelfstoiletten” stellen im Gegensatz zu den vorher bereitgestellten Dixies einen Fortschritt dar.

„Für mich hat der Platz ein riesiges Potential“, so die Einschätzung des neuen Managers. Da sei die Gastronomie, die er zusammen mit den Bauern gestalten wolle. „Erste Gespräche mit Frau Schwaighofer (Besitzerfamilie des an den Golfplatz verpachteten Stadls – Anmerkung der Redaktion) habe ich schon geführt. Wir werden gemeinsam das Hofladenkonzept zeitnah umsetzen.“ Und auch an der Umsetzung einer Wasserversorgung mit der eigenen Pumpe wird nach der Aussage des Managers hart gearbeitet – ebenfalls eine der offenen Auflagen der Gemeinde Waakirchen.

Pläne für Spielplatz aktiv angehen

Außerdem will Krauß Gespräche mit dem Investor und der Gemeinde über den vor langer Zeit versprochenen Spielplatz für die Piesenkamer führen. Überhaupt Kinder & Golf scheinen bei ihm ein großes Thema zu sein. „Ich möchte mit den Schulen Kontakt aufnehmen und mit ihnen meine Ideen für einen Golfunterricht besprechen“, erzählt er voller Enthusiasmus.

Aber auch der Gmunder weiß, dass allein sein Tatendrang nicht ausreichen wird, aus der hässlichen Golfplatzente einen allseits akzeptierten Golfplatzschwan zu zaubern. Zuviel Vertrauen wurde in den letzten Jahren zerstört. Im Gemeinderat von Waakirchen steht man dem Projekt nach anfänglicher Euphorie sehr kritisch gegenüber.

Neuanfang mit kritischen Altlasten möglich?

Sehr viele Partner wurden vergrault in den letzten Jahren und auch die Verpächter der Flächen erwarten nun viel vom neuen Gesicht in Piesenkam. „Ich bin nicht naiv. Ich habe die Diskussionen und das ganze Drum und Dran in den letzten Jahren als aktiver Golfspieler sehr genau verfolgt“, sagt Krauß. Spätestens bei der letzten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde sollte auch ihm klar sein, dass da kein Kredit mehr vorhanden ist. „Ich kann verstehen, dass die Vorbehalte groß uns gegenüber sind“, gesteht Krauß und ergänzt „es wird bestimmt nicht einfach, die Leute hier davon zu überzeugen, dass ich etwas zum Guten ändern will.“

Viele Forderungen bleiben seit Jahren unbearbeitet – hier die Schottereinfahrt, die Kreisstraße ohne Überquerungshilfe und ein Hydrant – sinnbildliches Zeugnis.

Das ist eine durchaus nicht gewagte These. Denn bei allem was der neue Manager plant, bleibt das Hauptproblem bestehen: Die seit Jahren unerfüllten baulichen Auflagen des Landratsamtes und der Gemeinde. Sei es die fehlende Unterführung, die Wasserversorgung, der Schotterweg zum Stadl oder die Entschärfung der 17. Spielbahn.

Aber das ist ein Thema, das in den kommenden Wochen sicher noch zur Sprache kommen wird. Zumindest ist nun am Piesenkamer Golfplatz ein Macher am Werk ist, der liebt, was er tut. Die ersten Schritte sind gemacht. Viele weitere sollen folgen, laut Krauß. Wir bleiben gespannt.


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