Viele Mitglieder unter der Woche nicht verfügbar
Hohe Kosten am Tegernsee haben Folgen für Bergwacht

von Melanie Süss

Jeden zweiten Tag verzeichnet die Bergwacht Rottach-Egern im Schnitt einen Einsatz. Doch oftmals sind unter der Woche nur drei Retter am Tegernsee einsatzbereit. Welche Auswirkungen das hat, erklärt jetzt die Rottacher Bergwacht.

Eine Bergrettungsübung in der Plankenstein Nordwand im Sommer 2022.

Das Dienstgebiet der Bergwacht Rottach-Egern ist bayernweit das zweitgrößte und erstreckt sich auf das Gemeindegebiet der fünf Talgemeinden, von Waakirchen bis zu den Blaubergen. Die Grenze verläuft auf dem Kamm der Tegernseer und Wiesseer Berge plus das Gebiet um Waakirchen.

Aktuell seien sie laut Alexander Stern, Pressesprecher der Bergwacht Rottach-Egern, zirka 60 aktive Mitglieder. Man müsse aber auch ganz klar sagen, dass sich der Großteil der täglichen Arbeit auf einige wenige Personen verteile. Unter der Woche seien sie teilweise nur zu dritt. Das liege vor allem daran, dass viele Bergwachtler Familie haben, Arbeitsstätten sich immer öfter außerhalb vom Tal befinden und auch die angespannte Wohnsituation im Tegernseer Tal trage dazu bei. Stern äußert sich dahingehend:

Viele unserer Einsatzkräfte sind wohnungsbedingt unter der Woche nicht verfügbar, da Wohnraum mit Familie nicht mehr bezahlbar ist, im Tegernseer Tal.

Jeden zweiten Tag haben sie im Schnitt einen Einsatz. Im Vergleich zu den letzten beiden Pandemie-Jahren sei die Lage aktuell unverändert. “Wir waren positiv überrascht, dass trotz des schönen Wetters und den Sommerferien, die Einsatzzahlen gering waren”, sagt Stern.

Oftmals fehlende Selbsteinschätzung

Durch die Lockdowns der Corona-Pandemie und die damit einhergehenden sozialen Einschränkungen haben die Menschen einen erhöhten Drang, nach draußen zu gehen. Diesen Freizeitdruck spüre man auch bei der Bergwacht, äußert sich der Bergwachtler. Durch die sozialen Medien wird dieser noch verstärkt. Vermehrt werden sportliche Aktivitäten in den sozialen Medien geteilt, was wiederum andere inspiriert, dies nachzumachen. Was man jedoch bei den Beiträgen nicht sehe, sei der beschwerliche und gefährliche Weg dorthin. Laut Stern spiegle sich dieser Trend bei vielen Einsätzen wider und ist regionsunabhängig.

Wir merken schon, dass die Einsätze, bei denen wir PatientInnen unverletzt aus ihrer misslichen Lage befreien, zunehmen.

Man müsse aber auch erwähnen, dass es Einsätze dieser Art schon immer gab. Besonders auffällig seien im Jahr 2021 die Rettungen an der Halserspitz gewesen. Dort habe man im Zeitraum von Februar bis April sechzehn Personen gerettet, von denen nur zwei verletzt waren. An einem Tag seien es sogar sechs Personen gewesen, die unabhängig voneinander unterwegs waren, kommentiert Stern. Die meisten der Geretteten seien von den Schneemengen, die zu dieser Jahreszeit üblich sind, überrascht gewesen. Bis heute habe die Bergwacht nicht herausfinden können, warum diese Tour genau in diesem Zeitraum so im Trend lag.

Die Bergwacht Rottach-Egern mit begeisterten Bergsportlern gibt immer ihr Bestes.

Eine gute Ausrüstung sei ein wichtiger Bestandteil für eine erfolgreiche Tour. Aber zwingend erforderlich sei vor allem eine gesunde Selbsteinschätzung. “Wir müssen oft feststellen, dass Wanderer zwar gut ausgerüstet unterwegs sind, aber leider sich selbst, die Tour oder das Wetter völlig falsch einschätzen”, stellt der Bergwachtler fest. In dem Fall nütze die beste Ausrüstung dann nichts. Eine gute Tourenplanung sei der Schlüssel für ein erfolgreiches Erlebnis. “Am Berg muss alles einberechnet werden. Wetterumschwünge sind am Berg gnadenloser und schneller aufgezogen als im Tal”, sagt Stern.

Großteils seien die Verletzten Touristen, wobei verletzen könne sich jeder am Berg. Oft sei es jedoch Unterschätzung der Tour bzw. fehlende Tourenvorbereitung, so Stern.

Smartwatch kann Leben retten

Der skurrilste Einsatz sei laut der Bergwacht letztes Jahr gewesen. Da haben sie einen jungen Mann befreit, der beim Abstieg vom Riederstein vom Weg abrutschte und sich selbst nicht mehr aus den Brombeeren befreien konnte. Er sei total bewegungsunfähig gewesen und konnte nur mittels Sprachsteuerung an seiner Smartwatch den Notruf wählen. “Da sind wir dann zu dritt hingefahren und haben ihn aus seiner misslichen Lage befreit”, freut sich Stern.

Die Kostenübernahme hänge laut dem Bergsportler immer vom Unfallgeschehen beziehungsweise der Situation ab. Bei Sucheinsätzen werde es an den Aufwand angelehnt, der entsteht.

Die Bergwachtler treibe vor allem die Verbindung von Hobby und Leben retten an. “Wir sind alle bergaffine Menschen, die gerne anderen Menschen, die in Not sind, helfen”, sagt Stern begeistert. Die Alpenregion Tegernsee-Schliersee sei ein bekanntes und schönes Ausflugsziel, wo jeder Bergsteiger und Wanderer in eine missliche Lage kommen kann, deshalb:

Wir sind 24 Stunden an sieben Tage die Woche einsatzklar und geben immer unser Bestes.


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