Holzkirchens Jugend spricht Klartext

von Laura Lorefice

Oft und viel wird über sie geredet. Jetzt übernehmen die Jugendlichen selbst das Wort und sprechen offen über ihre Probleme und Wünsche. Ein heißes Thema: Hat ein Jugendtreff am Bahnhof eine Chance? 

“Runder Tisch Jugend”: Die Jugendlichen mit dem Bürgermeister im Gespräch. /Bild:ll

Ungewöhnliches Gewusel gestern im Sitzungssaal der Gemeinde. Die drei Jugendbeauftragten Claudia Nitsch (26), Max Knopp (22) und Max Röger (15) luden zum “Runden Tisch Jugend” ein – und alle sind gekommen: Schülersprecher, Vertreter des Jugendfreizeitzentrums (JUZ), des Trachtenvereins, der Sportvereine, des Evangelischen Kirchenzuges, Pfadfinder und Oberministranten und noch einige mehr.

Ein Ort zum “abhängen” fehlt

Dazu gesellten sich neben dem Bürgermeister Olaf von Löwis auch noch je ein Vertreter der einzelnen Fraktionen aus dem Gemeinderat, Holzkirchens Streetworker Christian Probst und Peter Unterholzner sowie der Sportbeauftragte Jörg Wedekind, Gemeindemitarbeiter Hans Löffler und Feuerwehrkommandant Peter Schlickenrieder. Ziel der Veranstaltung war es, sich mit den Jugendlichen auszutauschen, die in diesem Rahmen die Gelegenheit hatten, über das zu reden, was ihnen in ihrer Gemeinde wichtig ist. Gleichzeitig konten sie ihre eigenen Ideen mit einbringen.

Ein brisantes Thema kam gleich am Anfang auf den Tisch: das seit Jahren geplante Jugendfreizeitgelände am Bahnhof, das nördlich des Skateparks am Ladehof entstehen soll. 400.000 Euro wurden für das Projekt bereits fest im Haushalt eingeplant, jedoch noch nicht beschlossen. Im Zuge des Orts- und Mobilitätskonzeptes soll das gesamte Bahnhofsareal attraktiver gestaltet werden. Die DB Station & Service möchte hier eine Mobilitäts-Drehscheibe mit Einkaufsmall realisieren. Die Planungen rund um das Jugendprojekt verzögerten sich jedoch immer wieder. Der Bürgermeister erklärte gestern warum:

Das Projekt ist leider immer wieder anderen Prioritäten zum Opfer gefallen. Die Planung ist eingeschlafen. Die Mittel im Haushalt sind begrenzt. Im Rahmen des Ortsentwicklungskonzeptes kam die Frage auf, ob der Ladehof der richtige Standort für eine solche Jugendfreizeitstätte ist. Diese neuen Gesichtspunkte haben für Diskussionen gesorgt und dauerten an. Doch im Gemeinderat herrscht ein starker Wille, dieses Projekt zu realisieren.

Er selbst wisse von seinen Söhnen, dass es in Holzkirchen kaum Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche gab und gibt, so von Löwis. Er sehe das Freizeitgelände am Ladehof und nicht am Herdergarten, wie im Rahmen des Ortsentwicklungskonzeptes diskutiert wurde. Man wolle keine Gemeinde sein, die zu wenig für ihre Jugend tue. Von offizieller Seite stehe man hinter dem Projekt, ergänzte Martina Neldel (Grüne).

Da stellte sich den Jugendlichen gleich die erste Frage:

Inwieweit können wir bei der Planung rund um das Freizeitgelände mitentscheiden?

Da konnte der Bürgermeister beruhigen. Selbstverständlich müsse so etwas mit den Jugendlichen zusammen geplant werden, jeder könne seine Wünsche einbringen. “Das Ding soll ja leben”, so von Löwis.

Probleme mit Anwohnern – auch für die Jugend ein wichtiges Thema

Sorgen um mögliche Probleme mit Anwohnern des Bahnhofs wurden laut. In dieser Sache sind die Jugendlichen gebrannte Kinder. Sowohl von den Anwohner des Sportplatzes an der Grundschule, als auch von den des Sportplatzes der Realschule an der Probst-Sigl-Straße, gab es Beschwerden, wenn Jugendliche dort bolzten oder Volleyball spielten. Die Nachbarn fühlten sich in ihrer Ruhe gestört. Den Jugendlichen sei es wichtig, auch nach 20 Uhr noch irgendwo die Möglichkeit zu haben, Fußball spielen zu können.

Doch auch hier konnte von Löwis beschwichtigen. Am Bahnhof sei nur der östliche Bereich bewohnt. Durch einen Lärmschutzwall würden die Nachbarn gut abgeschirmt werden. Das eröffne mehr Möglichkeiten für die Planung. Zudem müsse aus Sicherheitsgründen ein stabiler, hoher Zaun die Bahngleise abgrenzen. Probleme sehe der Bürgermeister hier nicht.

Jüngstes Gemeinderatsmitglied Sebastian Franz (CSU) schlug den Jugendlichen vor, Ideen zu sammeln, wie sie sich ihr Freizeitgelände vorstellen und mit diesen dann an den Gemeinderat heranzutreten. In der Vergangenheit wurde in den Skateplatz und den Bike-Park am Moarhölzl investiert, so Franz, diese Anlaufpunkte würden gut genutzt werden. Nun müsse man hier auch etwas Geld in die Hand nehmen.

Ein Lagerfeuerplatz, aber keine “Saufstelle”

Es kristallisierte sich heraus, dass den Jugendlichen ein Feuerkorb, also ein kleiner Lagerfeuerplatz am Herzen liegt. Hier könne man sich im Sommer treffen und mit der Gitarre gemütlich zusammen sitzen. “Das wäre mir krass wichtig”, so eine Vertreterin der Pfadfinder.

Des Weiteren wurde diskutiert, wie man verhindern könne, das die neue Freizeitstätte zur “Saufstelle” degradiert wird. Die Frage kam von den Jugendlichen selbst, denn das möchten sie tunlichst vermeiden. Das neue Gelände soll für alle Jugendlichen zugängliche sein. Für Streetworker Christian Probst wäre ein Austausch von verschiedenen Gruppen wünschenswert. “Mit Wachposten wird das schwierig”, so Probst.

Für ihn sei hier wichtiger, dass die Jugendlichen selbst mit gutem Beispiel vorangehen und Gleichaltrigen mit Alkohol -oder Drogenproblemen vorleben, wie es auch anders gehe. “Es wäre ein Versuch wert”. Abgesehen davon befinden sich die Büros der Streeworker ebenso auf diesem Areal und könnten von den Jugendlichen aufgesucht werden, falls es Probleme gebe. Die Jugendlichen dachten sogar über ein Alkoholverbot auf dem Gelände nach. Dafür plädierte auch der Bürgermeister.

Er wünschte sich, dass durch die Euphorie für das Projekt bei den Jugendlichen eine Eigendynamik entstehe und sie eigenverantwortlich und mit Selbstkontrolle das  Gelände nutzen. Er betonte:

Allein die hohe Besucherzahl zeigt, wie groß das Interesse und das Engagement von euch Jugendlichen ist. Mit solch einem Projekt, wollen wir nun neue Angebote und Möglichkeiten schaffen.

Jetzt müssten die Jugendlichen ihre Ideen rechtzeitig bis zum Frühjahr beim Gemeinderat einreichen, um diese in die Haushaltsplanung mitreinzunehmen. “Ihr seid die Zielkundschaft, es ist euerem Engagement geschuldet, wie weit wir vorankommen”, so von Löwis abschließend. Der “Runde Tisch Jugend” beschloss eine Arbeitsgruppe für das Jugendfreizeitgelände ins Leben zu rufen, wo alle Ideen besprochen werden können. Zudem werden sie von nun zweimal im Jahr eine Sitzung, wie die gestrige abhalten, um “der Jugend eine Stimme” zu geben.

 


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