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Die dreiste Masche der organisierten Fahrraddiebe

Holzkirchens Plagegeister

Von Cornelia Schramm

Rund 40 gestohlene Räder wurden dieses Jahr in Holzkirchen schon verzeichnet. Dabei beginnt die „Saison“ gerade erst. Die längeren Nächte des Winters werden die Diebe wieder auf den Plan rufen. Für die Opfer stehen die Chancen schlecht. Die Bestohlenen dürfen sich laut Polizei nur wenig Hoffnung machen, ihre Räder jemals wieder zu sehen.

Meist in der Nacht schlagen die Täter zu
Meist in der Nacht schlagen die Täter zu

Besonders das Bahnhofsareal und schlecht beleuchtete Wohngebiete sind Brennpunkte für Diebstähle in Holzkirchen, weiß Polizeihauptkommissar Peter Wabnitz. Dies bekam auch ein Anwohner der Karl-Stieler-Straße am eigenen Leib zu spüren. Ein paar Nächte zuvor war sein Nachbar Opfer eines Diebstahls geworden. Aus seinem Gartenschuppen hatte man ein hochwertiges Designfahrrad entwendet.

Als der Anwohner gegen zwei Uhr nachts das Hoflicht bemerkte, traf er einen jungen Mann auf seinem Grundstück an. Der mutmaßliche Täter stellte sich zunächst, sichtlich erschrocken, betrunken. Er gab vor, sich verlaufen zu haben. Ein Fahrrad hatte er allerdings schon unter dem Arm. Um das Schloss hatte sich der Eindringling noch nicht kümmern können.

Die Frau des Holzkirchners rief daraufhin die Polizei. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Der Holzkirchner versuchte den Fahrraddieb bis zur Ankunft der Polizei sicherzustellen. Doch bei der Rangelei brach ihm der Eindringling den Unterarm. So erstattete das eigentliche Opfer Anzeige wegen versuchten Diebstahls und Körperverletzung. Doch der junge Mann ging in die Offensive und zeigte den Holzkirchner ebenfalls wegen Körperverletzung an. Die Polizei nahm die Personalien auf und führte einige Tage später eine Hausdurchsuchung bei dem mutmaßlichen Täter durch. Dabei wurden keine Räder gefunden. Die Anzeigen musste aufgrund der Pattsituation fallen gelassen werden.

Organisierte Raddiebe auf Tour

Bei der Polizei weiß man, dass Fahrraddiebe immer gleich vorgehen. Wie bei Bettler-Banden handelt es sich auch hier um organisiertes Verbrechen, erklärt Wabnitz. Dabei wird jedem Dieb von seinen Hintermännern ein Straßenzug als Zuständigkeitsbereich zugeteilt. Dieser durchstreift die Gegend tagsüber sowie bei Nacht. So stellt er fest, was in Garagen untergestellt wird. Und wann oder ob diese überhaupt abgeschlossen werden.

Auch durch vornehmliches Betteln an der Haustür wird festgestellt, wann jemand Zuhause ist, klärt Wabnitz auf. Eines Nachts wird dann zugeschlagen. Oftmals werden gleich mehrere Schuppen in einer Straße geplündert. In verlassenen Waldstücken würden die Räder dann zwischengelagert und gesammelt, weiß der erfahrene Polizist. Bis zu 20 Räder würden demontiert in einem abgedunkelten Sprinter Platz finden. Mit dem Diebesgut geht es dann meist schnell über die Grenze. Als Hehlerware werden die Räder in Osteuropa weiter verkauft.

Für die ortsansässige Polizei erschwert das die Fahndung nach Raddieben erheblich. Im vergangenen Jahr wurden im Dienstbereich der Polizei Holzkirchen 61 Fahrraddiebstähle verzeichnet. Davon 48 in Holzkirchen selbst. Der Rest in Otterfing, Valley und Weyarn. Alle Gemeinden liegen günstig zur Autobahn, über die das Diebesgut das Land meist in Richtung Osten verlässt.

Rücklaufquote gleich null

Grundsätzlich betont Peter Wabnitz, dass Radkeller oder Garagen niemals unverschlossen bleiben sollten. Auch ist es ratsam sie tagsüber nicht offen zu lassen. So könnten sie nicht schon im Voraus ausgekundschaftet werden, weiß der Experte. Auch bei einem kurzen Einkauf sollten Fahrräder immer an einem festen Gegenstand gesichert werden. „Wem sich die Gelegenheit bietet, schlägt schneller zu“, weiß Wabnitz. Nicht immer muss es sich um organisiertes Verbrechen handeln, auch spontan schlagen viele Täter zu.

Am Holzkirchner Bahnhof wurde am Wochenende ein abgestelltes Fahrrad gestohlen / Archivbild
Besonders beliebter Tatort: Die Fahrradständer am Holzkirchner Bahnhof / Archivbild

Für 2014 schätzt Wabnitz die gestohlenen Fahrräder bisher auf rund 40. Eine durchschnittliche Rücklaufquote kann die Polizei nicht aufstellen. Hin und wieder bekämen Besitzer ihre Räder zurück, wenn die Autobahnpolizei oder Fahndungskontrollen an den Grenzen per Zufall ein Fluchtfahrzeug stellen würden. Falls eine Bande so auffliege, könnten zumindest registrierte Fahrräder der Ladung wieder an die Besitzer ausgehändigt werden.

Dass das aber eher der Ausnahmefall ist, wissen die meisten bestohlenen Holzkirchner. Dennoch rät Polizeihauptkommissar Wabnitz eindringlich zu „Präventionsmaßnahmen“: Radlbesitzer sollten sich die Rahmennummer notieren und einen Radpass erstellen. Dies diene den Beamten als Eigentumsnachweis, falls zufällig eine Ladung sichergestellt werden könne. Was aber nur ab und an vorkommt.

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