Tegernseerstimme
Die Tal Stimmen Podcast anhören
189

Der Landkreis Miesbach hat den Schwellenwert (7-Tage-Inzidenz über 100) überschritten.

Alle Infos zu Corona im Landkreis Miesbach
Die neuesten Nachrichten aus dem Tegernseer Tal. Der kostenlose Newsletter der Tegernseer Stimme täglich um 18 Uhr
Anzeige | Hier können Sie werben

Züchter sucht dringend Paten für Blindenhunde

Hundemama für ein Jahr

Von Nina Häußinger

Laura ist gerade Patentante ihres zweiten Hundes geworden. Sie betreut die Kleinen in den ersten zwölf Monaten ihres Lebens – bis sie ihre eigentliche Aufgabe erfüllen können und eine Ausbildung zum Blindenhund beginnen. Weitere Paten werden derzeit dringend gesucht.

Das ist Zuzu – sie wird nun ein Jahr bei Laura am Tegernsee leben.

Ein kleiner schwarzer Hund rennt auf mich zu und schmeißt seine schlaksigen Beine nach vorne. Zuzu ist 15 Wochen alt und lebt noch nicht lange bei Laura. Sie ist ein Labradoodle. Mit zwei Monaten kam sie zu einer Familie, doch schon wenige Wochen später war klar, das klappt nicht.

Seitdem wohnt sie bei Laura im Tegernseer Tal. Zuzu wird ein Jahr lang hierbleiben, aufwachsen, ein Welpe sein, aber auch viel lernen. Danach muss Laura sich wieder von ihrem Schützling trennen. Denn Zuzu hat eine Aufgabe zu erfüllen. Sie soll, wenn alles klappt, zum Blindenhund ausgebildet und der beste Begleiter eines Menschen mit Sehbehinderung werden.

Der Abschied fällt sehr schwer

Im Mai 2019 nahm Laura ihren ersten Patenhund bei sich auf. „Ich habe damals eine Doku gesehen und fand das ein spannendes Projekt“, erklärt sie mir. Dann habe sie viel im Internet gesucht und die Hoffnung schon fast aufgegeben, als Herr Seitle anrief. „Er meinte, er hat gerade noch einen Welpen da, der einen Paten sucht. Ich habe ihn angeschaut und genommen.”

Hugo lebte dann ein Jahr bei ihr. Sie ist mit ihm in die Welpenschule gegangen, hat ihm die Stadt gezeigt, das U-Bahn fahren gelernt und ihm beigebracht, wie man Bälle in ihre Hand legt. „Alles mit positiver Bestärkung und ohne Gewalt“, betont Laura. Nach zwölf Monaten, die sie fast jeden Tag mit dem Hund verbracht hat, hieß es Abschied nehmen. „Das ist sehr schwer“, gibt Laura zu.

Die meisten Hunde gehen mit zehn Jahren in Rente

Trotzdem steht sie weiterhin hinter dem Projekt. „Wenn ihn niemand nimmt, haben die Blinden keine ausgebildeten Hunde. Und deren Lebensqualität verbessert sich ungemein, wenn sie einen Führhund haben.“ Die Junghunde kommen dann zurück zur Züchterfamilie Seitle. Hier wird der Hund vier Wochen lang genau beobachtet, um zu sehen, ob er tauglich für die Ausbildung ist. Die dauert dann im Anschluss noch sechs bis neun Monate. Danach kann der Hund an seinen neuen Partner gewöhnt werden – und andersherum.

Mit zehn Jahren gehen die meisten Blindenhunde dann in Rente. „Ich hatte überlegt, ob ich vielleicht so einen Hund bei mir aufnehmen soll“, erzählt Laura. Aber die meisten geben ihre Hunde auch dann nicht mehr her. Eine Klientin der Seitles ist auf der Webseite mit gleich drei Hunden zu sehen, sagt Laura. Zwei sind schon in Rente, doch sie leben weiterhin bei der Frau.

Der Abschied von ihrem ersten Patenhund Hugo fiel Laura sehr schwer.

Wenn Hugo fertig ausgebildet ist und seinen Partner gefunden hat, hofft Laura, ihn vielleicht irgendwann mal besuchen zu dürfen. Das entscheidet aber nicht sie, sondern der neue Besitzer. Jetzt hat sie sich für das kommende Jahr erstmal eine neue Aufgabe ins Haus geholt. Zuzu sprintet, während wir uns unterhalten, wie wild mit ihrem Stock im Maul ums Haus.

Anschaffen muss Laura für die Kleine eigentlich nichts. Man holt die Welpen mit Transportbox, Decke, Napf und alles, was sonst noch benötigt wird, ab. Geimpft und gechipt sind die Hunde bereits und auch die Kastration wird bezahlt. „Und irgendwo liegt schon immer ein Stock oder irgendwas zum Spielen rum“, meint Laura. Als ich Laura frage, was ihrer Meinung nach ein Hundepate mitbringen muss, schmunzelt sie: „Zeit und Geduld.“

Paten werden dringend gesucht

Auch aktuell sucht die Familie Seitle wieder dringend Paten für ihre Kleinsten. Ende Juli sind noch drei Goldendoodles abzugeben. Gezüchtet werden Labrador, Goldendoodle und Labradoodle. “Wir brauchen laufend Patenfamilien”, sagt Wolfgang Seitle. Wenn man keine Familien findet, die den Hund für ein Jahr aufnehmen, werden die Welpen auch verkauft. Aber das eigentliche Ziel sei es, immer zunächst Blindenhunde auszubilden.

Die Paten müssen für Seitle auf jeden Fall ein Gefühl für Tiere und Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Außerdem sollten sie sich im Klaren darüber sein, dass sie den Hund nach einem Jahr wieder abgeben müssen.

Wer sich vorstellen kann, eine solche Aufgabe zu übernehmen, kann sich jederzeit bei den Züchtern nahe Ingoldstadt melden. Alle Infos zur Zucht, den Hunderassen und zur Züchterfamilie findet ihr hier. Hier noch die Erwartungen und Voraussetzungen für die Übernahme einer Patenschaft.


Unternehmen aus unserer Region

Aktuelle Jobangebote aus der Region

Die neuesten Artikel

Die Redaktion empfiehlt

Tegernseerstimme

Tegernseerstimme