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Ein Kommentar zur verschollenen Jugend am Tegernsee

Im Tal der Rentner

Von Nina Häußinger

Idyllische Ruhe. Stressfreie Entspannung. Ein Ort zum Altsein. Wovon hier die Rede ist, ist nicht schwer zu erraten: von unserem Tegernseer Tal. Oder sollte ich lieber sagen, vom Tal der Rentner? Heilbäder, Rehazentren, Promenaden. Menschen fortgeschrittenen Alters wird es hier jedenfalls nicht langweilig. Aber was ist mit der Generation, die nach den 70er-Jahren kam? Was bleibt für uns?

Nur wenige Bars im Tal sind wirklich attraktiv für junge Leute
Nur wenige Bars im Tal sind wirklich attraktiv für junge Leute.

Ja, da gibt es schon Einiges. Eine Diskothek, zwei Bars, diverse Restaurants, in denen man für ein Schnitzel mindestens 16,50 Euro oder mehr hinlegen darf. Dann ein Hallenbad, in dem man sich den Allerwertesten abfriert, und ein Kino, in dem man nicht sicher sein kann, ob der Sitz über die Filmlänge durchhält, oder man sich doch irgendwann am Boden wiederfindet. Und ja, kaum zu glauben: Es gibt einen McDonalds – wie Mainstream.

Die meisten von uns „Jungen“, suchen das Weite, so schnell es geht – und zwar mit 18 oder gleich nach dem Abi. Klar, Handwerker werden hier gebraucht, und wer eine Lehre in diesem Bereich oder im Hotelgewerbe machen will, ist hier berufstechnisch einigermaßen gut aufgehoben. Das geht aber nur, wenn man weiterhin bei Mutti und Vati bleiben kann. Denn das Wohnen ist für einen Gesellen schon zu teuer am See.

Himmel oder Hölle?

Für Studierende sieht es da schon ganz anders aus. Da reduzieren sich die Möglichkeiten am Tegernsee gleich um ein Vielfaches. Dass ein Studium auf dem Land schwierig ist, ist natürlich klar. Landflucht nennt man dieses Problem unter Fachleuten. Junge Leute gehen für Ausbildung oder Studium in die Stadt und bleiben im Anschluss auch wegen Kontakten und Möglichkeiten dort. Und wenn sie dann wiederkommen – sind sie nicht mehr jung.

Von Seiten der Kirchen und Tal-Gemeinden hört man am laufenden Band, dass man die jungen Leute unterstützen muss. Auch aus finanzieller Sicht, da die Lage rund um den See wohnungstechnisch bekanntlich nicht gerade die Günstigste ist. Klingt alles toll, nur tut sich in dieser Hinsicht einfach nichts. Bezahlbarer Wohnraum? Fehlanzeige! Die Spielarena? Muss um ihre Existenz kämpfen! Um den Standort einer solchen beliebten Einrichtung müssten sich unsere Gemeindeoberhäupter eigentlich reißen. Genauso das Kino: Für die dringend nötige Renovierung muss stattdessen ein Förderverein gegründet werden.

Auf nach Glashütte

Auch scheinen einige Anwohner junge Leute schlicht nicht gerne im Tal zu sehen. Wieso sonst sollten ständige Beschwerden und Nörgeleien zu unnötigen Problemen in Nachtclubs führen? Klar, Schlaf ist wichtig und der Lärmpegel einer Diskothek sowie der damit verbundene Spaß der jungen Besucher sind manchmal nur schwer zu ertragen.

Aber muss es denn sein, dass ständig alles, was auch der jüngeren Generation Freude bereitet, boykottiert wird? Nehmen wir nicht auch Rücksicht auf langsame Opas an der Supermarktkasse oder Mamis mit ihren Kindern, die im Sommer das ganze Strandbad zusammenschreien, während wir eigentlich in aller Ruhe entspannen wollen? Wenn man absolute „Totenstille“ will, sollte man vielleicht doch darüber nachdenken, von Rottach „City“ nach Glashütte umzusiedeln.

Mehr als See und Berge

Dabei ist die Entwicklung absehbar. Viele kehren nach zehn oder 20 Jahren in der Großstadt wieder an den idyllischen See zurück. Das Stadtleben hat auch seine Nachteile, und der Tegernsee ist in der Tat ein Ort der Ruhe, was denen entgegenkommt, die es im Alter dann doch mal ein wenig ruhiger angehen lassen wollen.

Aber um jüngere Leute zwischen 18 und 35 hier zu halten, muss wohl doch ein bisschen mehr geboten werden, als ein See und Berge. In erster Linie braucht es verständnisvolle Mitbürger, die nicht wegen jedem Mucks die Polizei rufen, und engagiertere Lokalpolitiker, die nicht nur während der Wahlperiode große Sprüche klopfen.

Ich meine, ich will ja nicht gleich übermütig werden und erwarte hier auch kein Shopping-Center mit H&M und ZARA. Ich bin da Realistin – ein neues Kino und eine chillige – und vor allem bezahlbare – Bar für junge Leute würde mir persönlich erstmal reichen.

Oder was meint Ihr, die Jungen da draußen, die es noch im Tal hält: Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft des Tegernseer Tals?


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