Kreuth:
Immer Ärger mit den Nachbarn? Kreuther Hackschnitzelstreit geht in heiße Phase

Die Nahwärme Kreuth GmbH wollte schon längst die Bauarbeiten für ein Heizwerk mit Leitungsnetz auf die Beine gestellt haben. Aber die Genehmigung vom Landratsamt ließ auf sich warten, dann gab es Ärger mit dem Nachbar.

Auch die Gemeinde Kreuth unterstützt das Projekt jetzt. Foto: Redaktion

Markus Wrba ist ein ungeduldiger Kerl. Der Anwalt, der eine Kanzlei in Tegernsee hat, will seit über einem Jahr eine nachhaltige Energieversorgung in seiner Heimat Kreuth auf die Beine stellen. In Zeiten der Energiewende doch eine dufte Sache. Aber wir sind in Deutschland – und da gibt es meist zwei Hauptgegner für innovative Projekte: die Bürokratie und die Nachbarschaft.

Hackschnitzelheizwerk beim Kindergarten Kreuth

Sie saßen alle, bis auf den Heizungsbauer Stefan Gerold im Kreuther Gemeinderat. Ein Hackschnitzelheizwerk beim Kindergarten sollte entstehen. Von dort aus können neben dem Kindergarten auch die Schule, die Turnhalle, der Hort und die Tourist-Info mit Öko-Wärme versorgt werden.

Dann kamen die Mühen. Wrba reichte kurz vor Weihnachten 2022 noch Details zur Planung beim Landratsamt (LRA) ein. Und dann passierte nichts. Erst als der Rechtsanwalt öffentlich seinen Ärger über das LRA kundtat, drückten die Miesbacher Verwalter aufs Tempo.

Hackschnitzelheizung

Eine Hackschnitzelheizung ist ein Heizungssystem, das vollautomatisch kleine Holzstücke (Hackschnitzel) verbrennt. Diese werden regelmäßig von einem LKW hinüber zum Brennkessel befüllt. Moderne Hackschnitzelheizungen funktionieren dadurch nahezu autonom und haben einen hohen Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent. Gleichzeitig gelten Hackschnitzel als günstiger, nachwachsender und gut erhältlicher Brennstoff. Voraussetzung ist, dass genügend Holzabfall vorhanden ist, und nicht teurer, werthaltige Hölzer genutzt werden.

Das zehn mal zehn Meter große Häuschen ist kein gigantisches Bauprojekt. Wer einen Vergleich sucht, kann sich auf dem Parkplatz vom Hotel Bachmair Weissach umsehen. Korbinian Kohler hat hier vorausschauend gehandelt. Sein Biomassekraftwerk wird regelmäßig mit Hackschnitzel befüllt und versorgt mit der gewonnenen Energie effizient und recht schadstoffarm Haushalte und Einrichtungen.

Das Biomassekraftwerk von Bachmair Weissach wirbt mit “nachhaltigen Glücksmomenten”. Foto: Julia Jäckel

Zurück zum Nachbarkonflikt: Nachbar Michael R., betreibt das Hotel Gasthof zur Post und wohnte da um die Ecke. Wrba hat ihn, so seine Aussage, bereits in der Planungsphase eingebunden: Ob er ans Nahwärme-Konzept angeschlossen werden wolle? In einer Pressemitteilung der Nahwärme GmbH beschreibt Wrba, wie Nachbar R. anfangs dem Projekt noch zugestimmt habe, aber kurz vor Torschluss reicht er Klage gegen die Baugenehmigung ein.

Nachbarschaftsstreit wegen Emissionswerten

Abstandsflächen seien nicht eingehalten worden, der Brandschutz nicht in Ordnung und überhaupt: Der Dreck aus dem Kamin der Hackschnitzelanlage störe und verstoße gegen die Bundesimmissionsverordnung, so lauten die Vorwürfe. Also Kompromisse finden und Sorgen nehmen: Elektronische Filter, um die Emissionen zu verringern, Hackschnitzel aus ortsnaher Produktion.

Nachbar R. mit seinem Hotel war nicht vom Hackschnitzelhaus begeistert. Foto: Redaktion

Man erwog sogar eine Verlagerung der Anlage nach Süden. Aber R. reagiert nicht. Erst als der Bürgermeister Sepp Bierschneider vermittelt und nochmal das Gespräch sucht, kommt Bewegung ins Spiel.

R. will, so hört man, einlenken. Nun soll die Anlage an die Westseite des Parkplatzes versetzt werden. Die Umplanung wird nicht kostenfrei sein. Wrba: “Das kann bis zu 15.000 Euro kosten. Wir finden, dass es ein guter Kompromiss wäre, wenn sich der Nachbar an den Kosten beteiligen würde.”

Feinstoffbelastung

Aber wie verhält es sich denn mit dem angeblichen Dreck aus der Anlage? Verursacht Heizen mit Holz nicht eine hohe Feinstaubbelastung? Vor allem kleine Kaminöfen gelten als problematisch. Und genau hier ist der Dreh, wie Wolfram Schöberl von CARMEN e.V. (Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk jüngst betonte: “Dadurch, dass viele kleine einzelne Anlagen stillgelegt werden, wird eigentlich die Emissionslast sogar geringer.”

Die großen Anlagen müssen, laut einer Verordnung, strengere Anforderungen erfüllen. Außerdem könnten auch bessere Technologien eingesetzt werden, die im kleinen Leistungsbereich wirtschaftlich kaum darstellbar sind. Und: Die Hersteller arbeiten permanent an noch besseren Verbrennungstechniken. “Es gibt jetzt eine neue Technik, die so wenig Emissionen produziert, dass überhaupt keine Filtertechnik im Anschluss mehr notwendig ist.”

R. weilt derzeit im Urlaub. Zu einer Stellungnahme war er nicht erreichbar. Das Häuserl ist schnell aufgebaut, so Wrba. “Das wird nicht länger als drei Monate dauern.”

Wenn alle Streitigkeiten noch in diesem Jahr zu einem friedlichen Ende finden, könnte sich die Kreutherinnen und Kreuther auf eine ökologisch saubere Heizlösung freuen. Keine Abhängigkeit von fossiler Energie – das kann auch einem Nachbarn wie R. nur gefallen. Mit seinem Go könnten Kindergarten, Schule, Kirchen und das Warmbad besser und autonomer versorgt werden.

Über das Projekt Nahwärme Kreuth

Im September 2022 hat sich die Gemeinde Kreuth dem Projekt Nahwärme Kreuth angeschlossen. Sie beteiligt sich zu einem Sechstel. Markus Wrba, Elektroinstallateur, Christian Bock, Tiefbau-Spezialist, Leonhard Rohnbogner, Hochbau-Fachmann, Joseph Rohnbogner, und Heizungsbauer Stefan Gerold haben die Nahwärme Kreuth als GbR gegründet.

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