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Tal-Stimmen zum umstrittenen Thema „Impfen“

Von Redaktion

Im Tegernseer Tal und in Südbayern gibt es deutlich mehr Impfverweigerer als im Rest von Bayern. Dennoch wird geimpft. Wir haben nach den Gründen gefragt.

Beim Thema „Imfpen“ gehen die Meinungen auseinander.

Geschrieben von Marion Bürkner:

Impfungen gehören seit jeher zu einer der wirksamsten medizinischen Maßnahmen, um Krankheiten wie beispielsweise Pocken oder Kinderlähmung (Polio) auszurotten. Seit Einführung der Schluckimpfung im Jahr 1962 ist die Zahl der Erkrankten schlagartig zurückgegangen. Gab es im Jahr 1946 noch 1.800 gemeldete Poliofälle in Bayern, so ist seit 1964 kein einziger mehr in Bayern gemeldet worden. Das geht aus dem Gesundheitsreport Bayern 1/2017 des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hervor.

Auch Masern sind durch Impfung – zumindest in Europa – weitestgehend eliminiert worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich dafür das Jahr 2015 zum Ziel gesetzt. Gelungen ist das allerdings nicht. Deutschland will es bis zum Jahr 2020 versuchen. In Bayern sind die gemeldeten Masernfälle seit Jahren rückläufig. 2012 gab es den letzten Maserntoten in Bayern. 2013 kam ein neuer Masernschub. 775 Personen infizierten sich mit der hochansteckenden Krankheit.

Um aufzuklären, startete der Freistaat im Januar und Februar vergangenen Jahres eine Impfkampagne unter dem Titel „Masern – keine harmlose Kinderkrankheit“. Bis Ende 2017 wurden in Bayern 51 Masernfälle gemeldet. Im Vergleichszeitraum 2016 waren es 32. Mit Blick auf die Jahre davor zeichnet sich aber ein rückläufiger Trend ab. So wurden im Jahr 2015 im gleichen Zeitraum noch 165 Masernfälle registriert, im Jahr 2014 113 Fälle.

In den meisten Fällen verlief die Erkrankung ohne Komplikationen. Folgeschäden sind nicht bekannt. Maserninfektionen können allerdings auch Spätkomplikation hervorrufen, die „subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)“ – eine durch das Masernvirus ausgelöste Infektion im Gehirn, die zu geistigem Abbau, Muskelzuckungen, Krampfanfällen bis hin zum Tod führen kann.

In Bayern wird mehr geimpft

Im Bundesvergleich liegen die Impfquoten in Bayern – beispielsweise bei Kinderlähmung (Polio), Diphterie und Tetanus leicht über dem bundesdeutschen Durchschnitt, bei Hepatitis B, Masern, Mumps und Röteln etwas darunter. Bei den erst seit 2004 beziehungsweise 2006 empfohlenen Impfungen gegen Windpocken, Meningokokken C und Pneumokokken liegt Bayern jedoch unter dem Bundesdurchschnitt.

Tendenziell steigen die Impfungen allerdings insgesamt an. Eine allgemeine Impfmüdigkeit bei den Eltern der Einschulungskinder gibt es nicht. Was es hingegen gibt, sind Impfskeptiker. Diese sind vor allem in Südbayern zu finden. Zwei Prozent der Einschulungskinder, also rund 2.100 Kinder, werden nicht geimpft, weil deren Eltern alle Impfungen entweder aus Prinzip oder medizinischen Gründen ablehnen.

Wie handhaben es Eltern im Tegernseer Tal?

Wir fragten Eltern im Tegernseer Raum, wie sie zum Thema impfen stehen. Anna, 43 Jahre alt und Mutter von drei Kindern, sagt: „Ich habe meine Kinder nicht gegen die Kinderkrankheiten Mumps, Masern, Röteln und Windpocken impfen lassen. Ich bin überzeugt davon, dass die Kinder diese Krankheiten durchmachen müssen. Das stärkt ihr Immunsystem.“

Sie sei auch nicht gegen Kinderkrankheiten geimpft worden und habe alle vier Krankheiten in ihrer Kindheit gehabt. Gut, es sei „greislich“ gewesen, gibt sie zu, „vor allem die Windpocken“. Komplikationen hätte es keine gegeben. Geblieben seien nur zwei Windpockennarben. Auch ihre drei Geschwister hätten alle vier die Kinderkrankheiten samt Scharlach durchgemacht. Auch bei ihnen sei alles gut verlaufen. „Wir sind alle pumperlgsund und werden auch nur sehr selten krank.“

Pro und Contra-Stimmen zum Impfen

Ganz anders sieht das Katharina, 42 Jahre, Mutter von drei Kindern: „Mein kleiner Bruder musste nach einer Impfung ins Krankenhaus. Er hat zum Glück keine bleibenden Schäden davongetragen. Aber die Sorgen und Ängste meiner Eltern damals, habe ich nicht vergessen.“ Sie habe keines ihrer Kinder gegen irgendetwas impfen lassen.

Es gebe zuviele Stimmen, die behaupten, die meisten Impfempfehlungen seien das Ergebnis der Pharmalobby. Die wahre Zahl der Impfschäden würde dagegen vertuscht. Sie selbst kenne keinen Fall, bei dem eine Kinderkrankheit nicht komplikationsfrei überstanden worden sei. Bei ihrem Bruder sei die Impfung die eigentliche Gefahr gewesen – und der wolle sie ihre Kinder nicht aussetzen.

Andreas, 39 Jahre, Vater von zwei Kindern ist anderer Meinung: „Ich bin selbst Mediziner und habe in meinem Studium viel über die Komplikationen speziell bei Masern gelesen. Wir haben daher unsere Kinder mit fast allen empfohlenen STIKO-Impfungen impfen lassen, außer Hepatitis und Windpocken. Die Wahrscheinlichkeit für eine Hepatitisansteckung erachte ich als sehr gering. Windpocken jucken zwar, aber es kommt so gut wie nie zu schweren Komplikationen.“

Das Risiko trägt jeder selbst

Ähnlich sieht es Ilka, 40 Jahre, ein Kind: „Mein Lebensgefährte und ich arbeiten beide Vollzeit. Er ist selbstständig, und ich habe eine leitende Funktion. Wir haben keine Großeltern in der Nähe, die uns helfen können, wenn unser Sohn länger krank ist. Für uns wäre eine Masern-, Mumps- oder Windpockeninfektion zusätzlich zu der ein oder anderen Erkältung oder Magen-Darm-Grippe einfach nicht zu organisieren. Auch wenn jeder von uns in einem solchen Fall zehn Tage zuhause bleiben dürfte.“

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Die Eltern entscheiden selbst, ob sie ihr Kind impfen lassen oder nicht, und gegen welche Krankheiten geimpft werden soll. Jede Impfung kann Nebenwirkungen haben und Komplikationen auslösen. Über Nutzen und Risiken jeder Impfung informieren die Kinder- und Hausärzte. Dabei richten sie sich in der Regel nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Bei den Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, sind Impfschäden extrem selten. Meldungen über Verdachtsfälle von Impfkomplikationen und Nebenwirkungen werden beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gesammelt. Tritt bei einer öffentlich empfohlenen Impfung ein Impfschaden auf, der über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgeht und eine dauerhafte gesundheitliche Schädigung mit sich bringt, besteht Anspruch auf Entschädigung nach dem Versorgungsrecht.


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