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Gmunder Gemeinderat billigt Entwurf des Flächennutzungsplans

Gmund 2030: Die Weichen sind gestellt

Von Rose Beyer

Der selbsterklärte Wunsch nach Transparenz brachte dem Gmunder Gemeinderat zahlreiche Stellungnahmen zum Flächennutzungsplan ein. Während die 14 öffentlichen Träger kaum Bedenken geäußert hatten, waren es 23 Bürger, die sich an den geplanten Projekten störten.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde der endgültige Plan verabschiedet. Mehr Wohnbebauung, Gewerbe-Ausweitung, eine Ortsumgehung – Gmund hat sich viel vorgenommen bis 2030.

Rechts der Straße ist ein neues Wohngebiet angedacht. Eine Parzelle gehört derzeit noch der Gmunder Gemeinde.
Wo darf gebaut werden und wo nicht - die Südseite vom Steinberg wurde dafür freigegeben.

Die Anforderungen an den Flächennutzungsplan (FNP) sind groß: Ist es doch so, dass er die nahe Zukunft der Gemeinde definieren soll. Für etwa 15 bis 20 Jahre soll der Plan gelten. Alle Nutzungen, die im Gmunder Raum stattfinden, werden dabei festgelegt: Boden, Wasser, Tierwelt, Natur, Menschen, Tourismus, Verkehr und Energie.

Die Gemeinde soll sich „behutsam weiterentwickeln“, ist in der ergänzenden Leitlinie definiert, die bereits im Juli verabschiedet wurde. „Schonung der Außenbereiche – Förderung der Innenentwicklung“ – so soll es zumindest bei der Wohnbebauung sein. Beim Gewerbe will sich Gmund auf wenige bestehende Zentren konzentrieren.

Siedlungsdruck ist groß

Acht Hektar Bauland wären notwendig, um alle Bauwünsche erfüllen zu können. Da ist es schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen, so Prof. Dr. Dr. Lothar Zettler von der beauftragten Firma Lars Consult, der die Details zum Flächennutzungsplan im voll besetzten Sitzungssaal erläuterte. Manche Wünsche konnten darum auch nicht erfüllt werden, weil die Leitlinie dagegensteht. Unter anderem wird es folgende Bauprojekte in Gmund nicht geben:

Keine neue Wohnbebauung in Ostin, keine neuen Häuser gegenüber des Sportplatzes in Finsterwald, keine Bebauung der Wiese an der Hirschbergstraße, keine Erweiterung der Mercedes-Niederlassung AVG und der Mooshölzl-Siedlung in Moosrain. Auch für den geplanten Golfplatz am Kanzlerhof gab es die „Rote Karte“. Viele der hoffnungsvoll ins Rathaus gekommenen Besucher verließen so mit hängenden Köpfen den Sitzungssaal. Aus ihren Bauvorhaben wird nichts.

Schritt für Schritt zum neuen Plan

Die Vorarbeiten zum jetzt vorliegenden Plan waren umfangreich gewesen. Selbst die Vorstellung der Planungen im Gemeinderat nahm drei Stunden in Anspruch. Die beauftragte Firma hatte den alten Plan digitalisiert. Dazu wurde ein integrierter Landschaftsplan entworfen.

Die Bürger wurden in Form einer Projektgruppe beteiligt. Ein Vorentwurf wurde vorgelegt und diskutiert. Daraufhin kamen 37 Stellungnahmen. Dabei wurden die strittigen Punkte in der Sitzung nicht mehr so ausführlich diskutiert wie im Vorentwurf im vergangenen Juli.

Dörflicher Charakter passé – Dürnbacher Wiese wird bebaut

Im Falle der strittigen Dürnbacher Wiese gab es nun eine deutliche Entscheidung des Gremiums, dass diese bebaut werden soll. Die Hälfte der Fläche, also 20.000 Quadratmeter, sind dafür im FNP vorgesehen. Diese Entscheidung geht deutlich an der im Sommer definierten Leitlinie vorbei. Diese fordert den Erhalt der dörflichen Struktur.

Seinen dörflichen Charakter würde Dürnbach durch die Bebauung der Wiese verlieren.

Und auch etliche Stellungnahmen von Bürgern zielen genau auf diesen Punkt ab. Sie sehen mit der Bebauung in diesem Ausmaß eben diesen „Verlust der dörflichen Struktur Dürnbachs“. Die Gemeinderäte interpretierten ihre eigene Leitlinie jedoch ein wenig laxer. War man sich im vergangenen Juli, bei der Diskussion um den Vorentwurf, noch nicht einig (elf zu acht Stimmen), ob die Wiese bebaut werden soll, so fiel die Entscheidung jetzt deutlich aus: einstimmig dafür. Nur Helga Wagner war eigentlich dagegen, konnte aber nur mit „ja“ stimmen.

Bebauung an der Südseite des Steinbergs gestattet

Sahen die Gemeinderäte vor einem halben Jahr auch noch Rot für eine Bebauung der Südseite des Steinbergs (sieben dafür – zwölf dagegen), so sprachen sie sich jetzt mehrheitlich dafür aus. Der Grund: Man wollte den Bauwerbern entgegenkommen, die die Grundstücke in der Zwischenzeit erworben hatten.

Eigentlich hatte man Streuwiesen und Biotope schützen wollen. Jetzt verschob man kurzerhand die Flächen an andere Stelle im Plan. Das macht den Weg frei für die Bebauung – die Entscheidung fiel mit vierzehn zu sechs Stimmen.

Mehr Gewerbe rund um die Abfüllanlage an der Kreuzstraße

Der Bau der monumentalen Abfüllanlage des Tegernseer Brauhauses auf der Grünen Wiese – er war nicht in jedermanns Sinne. Doch damit nicht genug. Geht es nach dem neuen FNP, soll sich in der Nachbarschaft zum jetzigen Bestand weiteres Gewerbe ansiedeln dürfen.

Damit geht die Gemeinde ihren Weg, dort Gewerbe zu verdichten, wo schon welches existiert. Obwohl die Regierung von Oberbayern ein offizielles Gewerbegebiet ablehnt, wollen sich die Gmunder dafür einsetzen. Wegen der idealen Verkehrsanbindung steht es als Standort auf der Liste ganz oben.

Korridor im Plan vorgesehen

Über eine Umgehungsstraße wurde schon viel diskutiert. „Korridor“ ist laut Planer Zettler wohl die richtige Bezeichnung. „Landschaftszerschneidung“ und „teure Angelegenheit“ – so sehen es die Gegner. Vor allem Wolfgang Rhezak hatte sich bereits im Juli dagegen ausgesprochen: „Da werden Hoffnungen bei den einen geweckt, andere werden belastet.“

Vom sogenannten „Salzstadel“ in Moosrain würde der Verkehr über die Trasse direkt über die Wiese nach Kaltenbrunn geleitet.

Vor allem für Landwirte, aber auch für weitere Anlieger stellt das Vorhaben eine massive Bedrohung dar. Dennoch sprach sich das Gremium mit 16 zu vier für das Vorhaben aus. Sollte die Umgehung eines Tages kommen, dann könnte man vom sogenannten „Salzstadel“ in Moosrain – entlang der Bahn Richtung Finsterwald – nach einem Tunnel beim „Feichtner Hof“ in Richtung Kaltenbrunn fahren.

Welche der jetzt grundsätzlich möglichen Projekte über die Laufzeit des Flächennutzungsplans bis etwa 2030 wirklich umgesetzt werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Der Gemeinderat hat mit der Verabschiedung auf alle Fälle schon mal den grundsätzlichen Rahmen für die Entwicklung der kommenden Jahrzehnte festgelegt.

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