Zwei Gmunder Angestellte machen sich mit dem Radl auf den Weg

In zwei Jahren um die Welt

Von Nina Häußinger

Fynn Ettenhuber und Felix Stark heißen die beiden Jungs, die sich vorgenommen haben, die Welt zu umradeln. Man könnte meinen, dass sie das lange im Vorfeld planen und organisieren. Dem ist aber keineswegs so. Erst im Januar fing Felix bei der Gmunder Firma Bergzeit an zu arbeiten. Dabei lernte er Fynn kennen, der dort seit zwei Jahren tätig ist. Die Chemie zwischen den beiden passte. Nun geht es in vier Monaten los, einmal mit dem Radl um die Welt – immer in Richtung Sonnenaufgang.

Tegernseer Stimme: Hallo, ihr beiden, fangen wir mal direkt an. Warum wollt ihr die Welt mit dem Fahrrad umrunden?

Fynn: Also bei mir persönlich ist das so, dass ich schon immer reiselustig und viel unterwegs war, aber ich hatte noch nie den Drang, alleine so lange wegzufahren. Auch ziemlich lustig ist, dass wir uns ja noch gar nicht lange kennen. Aber wenn man jemanden kennenlernt, der die gleichen Interessen hat, und man versteht sich super, dann kannt man sich echt vorstellen, so was gemeinsam durchzuziehen.

Felix: Ich hab die Reise vor vier Jahren schon mal geplant. Leider ist das damals wegen verschiedenen Gründen doch gescheitert. Aber jetzt war es ein krasser Zufall, dass es mit Fynn einfach gepasst hat. Erst wollten wir nur bisschen wegfahren – zwei, drei Monate. Aber dann haben wir entschieden, ganz oder gar nicht, lass uns abhauen. Und das mit dem Rad ist dann eigentlich auch gleich klar gewesen, weil wir beide schon immer radlverrückt waren. Und es ist auch einfach am wirtschaftlichsten. Man ist schneller als zu Fuß und sehr nah am Land und der Kultur dran.

„Im Westen kommt schnell der Ozean“

Tegernseer Stimme: Wie sieht denn eure Route aus und wann gehts los?

Fynn: Los gehts im Juli. Die Route haben wir für den Anfang nur ganz grob geplant. Jeder hatte so seine Top-5-Länder, wo er unbedingt hin wollte. Und dann haben wir geschaut, wie man das am besten verbinden kann. Mittlerweile haben wir sie aber noch ein bisschen getuned, einfach auch wegen den Jahreszeiten.

Felix: Wir werden erst einmal Richtung Osten fahren, so haben wir die Möglichkeit, gleich am Anfang viel Zeit auf dem Rad zu verbringen. Wenn wir in eine andere Richtung fahren würden, kommt halt irgendwann der liebe Ozean. Wir wollten aber einen Schlussstrich ziehen und erst mal losradeln. Und da gibt es eben nur diese eine Möglichkeit in Richtung Sonnenaufgang.

Fynn: Wir fahren also erst nach Österreich, dann über Slowenien, Kroatien und dann etwas nördlich über Bulgarien und Russland.

So der aktuelle Plan: Einmal mit dem Rad um die Welt

Tegernseer Stimme: Wann geht’s denn zum ersten Mal in den Flieger?

Fynn: Das wird in Almaty in Kasachstan sein, weil wir das sonst zeitlich nicht hinkriegen würden. Wir sind dann im November in Kasachstan, und würden wir dann weiterradeln, wären wir erst im Dezember in Tadschikistan, und dort wird es ein bisschen frisch abends. Und der Zeitplan nach Kasachstan ist jetzt schon straff, also da müssen wir so um die 150 km am Tag fahren, dass wir da hinkommen. Von Almaty geht es dann nach Neu-Delhi, danach ein bisschen Nepal, und dann fliegen wir nach China, und ab da geht es wieder eine ganze Weile südlich bis nach Bangkok in Thailand.

Tegernseer Stimme: Was ist mit Afrika?

Fynn: Afrika ist das Land, das uns beide nicht so interessiert, zumindest nicht mit dem Rad.

Felix: Wir hatten jetzt so eine Schnapsidee, dass wir vielleicht echt Marokko anschneiden, damit wir wenigstens den Kontinent abgedeckt haben. Weil man kann ja nicht sagen, man hat eine Weltreise gemacht und lässt dann den zweitgrößten Kontinent aus.

Fynn: Wir haben das einfach jahreszeiten- und motivationsabhängig gemacht. Wenn wir noch Lust haben, machen wir es. Aber wir brauchen dann sicher noch ein halbes Jahr länger. Wir haben ja jetzt genau so Alaska und Kanada verkürzt. Weil das eben auch eher mal ein Trip mit dem Kanu und der Angel ist.

„So wenig Geld wie möglich“

Tegernseer Stimme: Wie lange dauert die Reise insgesamt?

Felix: In zwei Jahren sollten wir es gut schaffen. Aber da sind schon so gewisse Puffer eingerechnet. Zum Beispiel auch drei Monate Australien und drei Monate Hawaii, wo wir nicht viel radeln werden. Oder eben auch mal arbeiten müssen. Je nachdem, wie teuer die Flüge sind. Zum Leben braucht man nicht viel, aber das Drumherum ist teuer.

Tegernseer Stimme: Wo werdet ihr dann schlafen?

Felix: Wir zelten. Jedenfalls bis Asien. Ab dann wird’s erstens grenzwertig mit Krabbeltieren, und dann ist die Alternative eben eine Hütte für 3,20 Euro.

Fynn: Sicher gibt es aber immer irgendwelche Alternativen. Auch bei Familien, die das toll finden, was wir machen.

Felix: Ja, Couchsurfing ist da auch ein ganz großes Thema.

Fynn: Das Ziel ist, so wenig Geld wie möglich zu brauchen, und mit Zelten ist das eben am einfachsten. Zumindest da, wo es geht und wo sie dich lassen. In China zum Beispiel haben wir gehört, könnte es schwierig werden, weil man nicht zelten darf. Aber hören tut man immer viel, und letztendlich ist es eh anders.

Tegernseer Stimme: Auf welche Länder freut ihr euch besonders?

Felix: Das konnte man vielleicht vorhin schon raushören. Hawaii und Australien. Dann kommt noch Neuseeland dazu, wo wir beide richtig Bock drauf haben. Gerade weil man da eben nicht so oft hinfliegen wird. Und einfach alle Länder, die nicht gerade mit dem Fahrrad erreichbar sind. Also Australien, Westküste Amerika, Neuseeland. Aber auch so krasse Länder wie Kasachstan finde ich irgendwie interessant. Der Fynn zwar nicht so, aber überleg dir das mal, wenn es jetzt 2.000 km nur geradeaus geht. Also irgendwie turnt mich das schon an.

Tegernseer Stimme: Wovor habt ihr den größten Respekt?

Fynn: Der Straßenverkehr steht da an erster Stellen. Weil man hat einfach nicht im Blick, was hinter einem passiert.

Felix: Vor allem der Lkw-Verkehr. Wir sind ja jetzt schon ein bisschen in der Szene drin. Und da haben wir erfahren, dass vor drei Wochen ein Paar in Thailand umgekommen ist, weil sie von einem Lkw erfasst wurden.

„Keinen Plan B“

Tegernseer Stimme: Was müsste passieren, damit ihr die Reise abbrecht?

Fynn: Ich finde, man hätte schon verloren, wenn man vorher schon sagt, wenn das oder das passiert, fahre ich heim. Wenn es dann so weit ist, kann man die Entscheidung treffen, aber noch nicht jetzt.

Tegernseer Stimme: Was erhofft ihr euch von den zwei Jahren?

Felix: Ja, also der Normalbürger geht morgens schaffen und trinkt vorher vielleicht noch eine Tasse Kaffee. Arbeitet dann für seine Miete und seinen Bausparvertrag, und irgendwann kriegt er dann 1,8 Kinder und stirbt mit 83. Da hatten wir keinen Bock drauf. Wir wollen einfach ein bisschen was sehen und erleben.

Fynn: Ich hab mir auch gedacht, jetzt kann ich eigentlich gerade nichts verlieren. Klar, die Arbeit ist schon cool, aber da kommt man danach auch wieder irgendwo unter. Und so lange es eben noch geht, wieso nicht. Ich will Erfahrungen sammeln und viel erleben.

Felix: Und Menschen kennenlernen. Gerade in Kasachstan. Ich glaube, gerade in so einem Land, wenn dann die Jutezelte am Straßenrand stehen, eine Sau auf dem Grill hängt und dann die Kumpels mit ihrem Wodka rauskommen, dann weißt du schon, was Leben ist.

Tegernseer Stimme: Wie bereitet ihr euch sonst noch auf die Reise vor?

Felix: Konditionell bereiten wir uns gar nicht vor, weil wir beide fit sind. Da geht’s mehr um das organisatorische.

Fynn: So wie Impfungen, Handyvertrag kündigen, ein neuen Pass beantragen. Das sind halt so Kleinigkeiten, die sich dann summieren, wo man doch die ganze Zeit dranhängt. Vollmachten schreiben für die Familie, falls was passiert.

Felix: Es kommen eben immer wieder neue Informationen. Dann braucht man zum Beispiel zwei Reisepässe, weil Kasachstan ist unentspannt, wenn man vorher in Russland war, Japan ist unentspannt, wenn man vorher in Korea war. Aber wir kriegen es trotzdem echt gut hin, weil normalerweise plant man so eine Reise ein gutes Jahr oder länger. Wir haben vor drei Wochen angefangen und sind schon sehr weit. Alle, die auch schon so eine Reise gemacht haben, sagen, das gibt es doch nicht. Alleine die Sponsoren sind normal schon sehr schwer zu finden. Wir sind aber schon fast durch mit unserer Sponsorensuche.

„Das ist eigentlich eine Genießerreise“

Tegernseer Stimme: Was sagen eigentlich eure Familien und Freunde dazu?

Fynn: Das ist auch ganz interessant. Die meisten sind begeistert. Viele sind auch neidisch, weil sie so was auch gerne machen würden. Manche versuchen auch, es dir auszureden, und sagen, ihr kommt ja eh nicht weit. Aber meine Familie war total begeistert. Die sind selber auch alle reiselustig und haben eigentlich nur darauf gewartet und hätten mich schon gerne viel früher wegfahren sehen.

Felix: Bei mir ist das ein bisschen ein anderes Thema. Meine Familie ist eher karriereorientiert. Die hätten mich wohl auch lieber in irgendeiner führenden Position gesehen. Aber es war auch absehbar, dass das noch nie was für mich war. Meine Mama verkraftet das ein bisschen schlechter als mein Dad, aber inzwischen hat sie es auch realisiert, dass sie da nichts dran ändern kann.

Fynn und Felix beim Gespräch im Monte Lago

Tegernseer Stimme: Und wie sehen eure Pläne für danach aus?

Felix: Das wissen wir auch noch nicht so genau. Ein gutes Jahr werden wir sicher danach noch eingespannt sein, um mit den Sponsoren auf Messen zu fahren und Vorträge bei Sportgeschäften zu halten.

Fynn: Wir machen ja die Reise nicht, um Geld damit zu verdienen, da müsste man das ganz anders aufziehen, aber wenn sich die Leute dafür interessieren, was los war, und man die mit Diavorträgen bisschen bespaßen kann, dann holen wir uns irgend so ein Wohnmobil und tingeln mal ein bisschen rum. Aber auch in der Sportbranche wird man mit Handkuss genommen, wenn man mal so was gemacht hat.

Felix: Jedenfalls wird das auch nicht der letzte Trip sein. Die Reise ist ja eher eine Genießerreise, auch wenn sich das jetzt krass anhört, wenn man 40.000 Kilometer fährt. Aber man lernt Kultur und Leute kennen und so. Aber ich hab schon auch mal noch Bock aufs Extreme. Also nicht mehr mit Genießen, sondern sich einfach durchquälen, dass man das packt. So was wie in Rekordzeit rumradeln oder so.

Wer die Reise der beiden verfolgen will, hier gehts zur Facebook-Seite „pedal the world“.

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