Zu Besuch in der E-Bike-Arena in Wiessee:
Job-Fahrrad statt Dienstwagen – bringt’s das?

von Sabiene Hemkes

Die Biker Saison geht für dieses Jahr dem Ende zu. Besonders Angebote wie JobRad und Leihbike erfreuen sich im Tal wachsender Beliebtheit. Die Händler freuts, wie wir bei unserer bei JobRad Suche festgestellt haben.

Das Team der E-Bike-Arena in Bad Wiessee: v.li.: Christoph Eichinger, Vertrieb NOX, Carsten Sommer, Chef NOX CYCLES, Martha und Andreas, Tim und Quirin. / Quelle: E-Bike Arena

Mein oberster Chef hat uns Kollegen und Kolleginnen von der Lokalen Stimme in diesem Jahr wieder ein Jobrad spendiert – auf Wunsch. “Ein was?”, fragen sich jetzt bestimmt einige unter euch. Ein JobRad ist so etwas Ähnliches wie ein Dienstwagen, nur ohne Auto. Stattdessen ist es ein Dienstradl. Funktioniert aber genauso und bietet die gleichen steuerlichen Vorteile. Euer Chef least das Bike über seine Firma und stellt es euch zur freien Verfügung. Also auch für alle Privattouren im Tal oder im Urlaub.

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Ein Dienstrad – wie geht das?

Ihr zahlt mit einer sogenannten Bruttolohnumwandlung die Leasingrate. Bedeutet, ein Teil eures Barlohns wird in eine sachbezogene Zahlung umgewandelt. Damit begleicht ihr die Leasingrate. Ganz besonders nette Arbeitgeber geben noch einen Betrag dazu. Wie beim Dienstwagenprivileg versteuert ihr dann 0,25 Prozent des Neupreises eures Bikes mit dem Bruttolohn. Vom Nettolohn wird euch dieser Mehrbetrag wieder abgezogen. Auf eurem Lohnzettel kann das so aussehen (Beispiel bei Datev/scrollen). Ganz nach Absprache.

Soweit der nicht unspannende finanzielle Aspekt eines vom Arbeitgeber unterstützten Bikes (hier zu berechnen). So richtig spannend wir das Projekt aber erst mit dem Kauf des ersehnten Bikes. Fast alle Fahrradgeschäfte im Tal arbeiten mit den bekannten Leasing Agenturen zusammen. Online funktioniert die Suche natürlich auch – ist aber nur halb so schön wie die lokale.

Ich mache ich mich an einem wirklich schönen Tag im Oktober auf und besuche das Team der E-Bike-Arena in Bad Wiessee. Vor dem kleinen Laden, gleich gegenüber vom Jod-Schwefel-Bad, empfangen mich Martha, die Frau des Besitzers der E-Bike-Arena, und deren leitender Angestellte und Mechaniker Tim Sedric Siripom. Unterschiedlicher könnten die beiden Gastgeber nicht sein. Sie, zierlich und sanft, Tim eher Typ ‘kerniger Hyper-Biker’.

Radel fahren bei 10 Prozent Steigung am Berg – nein Danke

Im Ladenlokal stehen und hängen überall Bikes herum. Nur ein kleiner Gang führt durch die Fahrräder hindurch. Mittendrin der Bike-Flüsterer Tim, der mir sofort alles erklärt. Auch wie das mit dem Job-Fahrrad läuft. Es gebe da mehrere Anbieter. So etwa Bike-Leasing, JobRad oder auch Deutsche DienstRad. Doch der Ablauf sei bei allen Leasingunternehmen fast gleich. Nach fünf Minuten, in denen ich andächtig gelauscht, doch nicht alles verstanden habe, macht der gelernte Industriemechaniker eine Mini-Pause. Ich grätsche in die Stille mit den Worten:

Schön, hier zu sein. Ihr habt wirklich viele Räder hier. Habe ich die freie Auswahl?

Martha, die Frau eines bekannten Münchner Clubbesitzers und eben auch Bike-Liebhabers, hatte mich schon im Sommer in ihren Bad Wiesseer Spezial-Radshop eingeladen: “Komm doch einfach mal vorbei. Wir bieten das Jobrad an”. Doch sollte sich mein Besuch bei Martha noch etwas hinziehen. Denn ganz ehrlich: Als Zugereiste kann ich mich auch nach fast zehn Jahren nicht so richtig mit dem Radlfahren bei 10 Prozent Steigung anfreunden.

E-Bike statt Öko – dann klappt’s auch mit dem Mangfall-Tal

Diese Aversion resultiert wohl aus der frühkindlichen Prägung durch das heimatliche Plattland an der niederländischen Grenze. Doch als mein altes Vierradvehikel im September den Geist aufgab, wurde die Not groß. Und mit meinem Mountainbike durch das mördersteile Mangfall-Tal zu euch an den Tegernsee zu fahren, liebe Leser, ne eher nicht. Also muss jetzt ein E-Bike her. Als ich meine Rad-Vorgeschichte im Laden preisgebe, um etwas die Stimmung aufzulockern und gleichzeitig meine konditionellen Defizite zu verdeutlichen, lächelt Martha verständnisvoll. Tim reagiert eher erstaunt:

Ein Öko-Bike? Ich verstehe. Du brauchst definitiv ein E-Bike – dann klappt’s auch mit dem Mangfall-Tal.

‘Wieso jetzt Öko-Bike?’, denke ich so bei mir. Der kennt doch mein höchstens sechsmal in zwei Jahren bewegtes Billig-Bike gar nicht. Also die Rückfrage an den Experten: “Wieso Öko-Bike, Tim?” Da muss auch der Biker lachen und klärt mich auf. “So heißen jetzt alle Bikes, die keinen Motor haben. Das ist keine Erfindung von mir”.

Ich komme mir grade so richtig aus der Zeit gefallen vor. Doch auf Martha ist weiter Verlass. Sie rettet mich aus meiner Oldie-Starre mit der Frage:

Toll, dass dein Chef das unterstützt. Ein E-Bike muss her!

Na ja – ein “E” hätte ich schon gern in der Bezeichnung meines Dienstfahrzeugs, wenn mir auch ein E-Auto bedeutend sympathischer wäre, als ein E-Bike. Mann und selbst Frau kann nicht alles haben. Rein ideologisch betrachtet ist ein Jobrad ja auch viel cooler als eine Blechkarosse. Nur bei Regen und Kälte halt blöd. Egal, denke ich, und sage laut:

Genau deshalb bin ich hier.

Zielsicher zieht Tim zwischen den ganzen Elektrofahrrädern, die für mich alle bis auf die Farbgebung mehr oder weniger gleich aussehen, genau das Rad für mich heraus, wie er mir erklärt. Ein Knox. Das vertreiben sie exklusiv am Tegernsee. “Dies E-Bike ist mit das Beste, was es aktuell auf dem Markt gibt”, ergänzt er noch mit unverhohlenem Stolz.

Das E-Bike habe einen extrem stabilen und robusten Rahmen und dazu einen leistungsfähigen Motor. Mir Pfennigfuchser-Laien erschließt sich das schon allein durch den verstohlenen Blick auf das Preisschild. Ups! Zum Glück fällt mir fast zeitgleich ein, dass ich beim Jobrad ja gar nicht den Preis zahlen muss. Das ist ja ein Leasing.

In nur wenigen Tagen zum Luxus-E-Bike?

Tim und Martha bemühen sich weitere 30 Minuten fast schon liebevoll um mich. Danach schwirrt mir der Kopf. Und bei der Frage nach meinem Gewicht habe ich auch schwer untertrieben und der Größe drei Zentimeter hinzu geschmuggelt. Ansonsten sog ich alle technischen Informationen über Wattleistung, Akkuleistung, Bremssysteme und Stoßdämpfer tief auf, um sie leider fast unverdaut wenige Sekunden später wieder auszustoßen. Einige kleine Probefahrten habe ich auch gemacht. Doch ich bin eher der Typ Antiheld. Dreimal um den Parkplatz. Das muss reichen – vorerst. Am Schluss interessiert mich noch:

Und falls ich mich nun entscheide, das grüne Rad da vorn zu nehmen, wie geht es dann weiter?

“Ungefähr sieben Tage bei der Erstanmeldung vom Arbeitgeber.” Falls mein Chef ein Konto bei einem Jobrad anzubieten habe, dauere die Abwicklung nur fünf Minuten, erklärt mir Tim. Dann solle ich aber auch gleich die Zusatzausstattung wie Gepäckträger, Seitenständer, Kettensützer, Schutzblech, die Beleuchtung, Klingel, Rückspiegel und ein Sattelstützen-Upgrade aussuchen.

Das käme dann in den Leasingbetrag mit rein und würde keine Extrakosten bedeuten für mich. “Aber du musst dich ja nicht gleich entscheiden”, springt mir Martha zur Seite, als sie mein panikerfülltes Gesicht bemerkt. Puh – gerettet – tief durchatmen. Für eine Jeans brauche ich schon fünf Geschäfte und drei Besuche, bevor ich mich entscheide. Für die Wahl meines Jobrades wohl noch etwas länger.

Ein Jobrad ist fast für jeden drin

Wieder daheim schreibe ich gleich mal meinem Chef Peter Posztos und unserer Personalchefin eine Mail. Nichts Verbindliches. Bedanke mich aber für das Angebot und dass sie mich vormerken können fürs JobRad 2023. Natürlich werde ich jetzt den Herbst und Winter nutzen, all die anderen tollen Bike-Shops am See abzuklappern. Beim ersten Mal kauft Frau nun mal nicht. Nie! Tim verspreche ich noch beim Hinausgehen, in absehbarer Zeit für eine längere Probefahrt mit dem erwählten grünen E-Radl vorbeizuschauen.

Übrigens kann wirklich jeder von euch ein Jobrad bekommen, vorausgesetzt er ist über 18 beziehungsweise 21 Jahre alt. Fragt einfach mal euren Chef. Den Arbeitgeber kostet das Leasing und die Organisation nicht viel. Auch für Selbstständige ist das Leasing eines Job-Radels möglich. Wenn wir rund um den See dann noch eine vernünftige Rad-Infrastruktur bekommen, ein wahrlich sinnvoller Schritt auf dem Weg zur Verkehrswende im Tal.

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