Bürger und Landratsamt sind nicht begeistert
Kahlschlag in Gmund – mitten in der Schonzeit?

von Sabiene Hemkes

Entlang der Bahnschienen am Ortsausgang Gmund Richtung Gut Kaltenbrunn wurde ordentlich gewerkelt. Auf Höhe der Bushaltestelle Parksiedlung war in der vergangenen Woche schweres Gerät des Bauhofs im Einsatz. Sträuchern, Hecken und dem Rasen ging’s an den Kragen. Was treiben die da in der Schonzeit?

Büsche und Sträucher wurden auf dem Grundstück am Ortsausgang in Gmund entfernt. / Quelle: Privat

Kahlschlag mitten in Gmund: Wo einst große Bäume, Sträucher und Hecken standen, erstreckt sich vor einem jetzt umgepflügte Erde. Kurz nach dem Bahnhof auf Höhe der Bushaltestelle Parksiedlung in Gmund wurde das Grundstück komplett von Bäumen befreit. Vergangene Woche ging es dann auch den Sträuchern und dem Rasen an den Kragen – und das jetzt, mitten in der Schonzeit zwischen dem 1. März bis 30. September (Zeitlich befristetes Beseitigungsverbot gemäß § 39 Abs. 5 Nr. 2 BNatSchG).

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Mitte vergangener Woche haben uns Anrufe besorgter Gmunder erreicht. Man bat uns, doch mal bei der Gemeinde nachzufragen, was da los ist. „Die machen hier die ganzen Hecken und Büsche dem Erdboden gleich“, beschreibt ein Anwohner. Die betroffenen Bereiche seien doch Brutplätze für Vögel und Lebensraum für Insekten, berichtet der Bürger und ergänzt erzürnt:

Wir bekämen – und zurecht – eine Strafe, wenn wir im eigenen Garten während der Schonzeit alles abholzen. Und die schreddern hier einfach mal so das gesamte Gebüsch weg. Geht doch nicht!

Bei der Gemeinde Gmund ist man sich keiner Schuld bewusst. Geschäftsführer Florian Ruml erklärt gegenüber der Tegernseer Stimme: „Es handelt sich bei den Arbeiten, die der Bauhof Gmund zur Zeit in diesem Bereich durchführt, nicht um eine Abholzung.“ Diese hätte schon im Dezember – also innerhalb des erlaubten Zeitfensters – stattgefunden, stellt Ruml klar.

Am Nachmittag war dann auch der Rasen weg.

Aktuell würden die Mitarbeiter des Bauhofs nur Aufräumarbeiten durchführen. Dazu gehören laut Aussage der Gemeinde das Ausbaggern der verbliebenen Wurzeln und das Mulchen des Geländes. Auf dem als Bauland ausgeschriebenen Gelände, das sich seit einigen Jahren im Besitz der Gemeinde befindet, soll in Kürze laut Ruml eine Blühwiese entstehen. „Der Bauhof ist Kontakt mit der unteren Naturschutzbehörde“, ergänzt der Geschäftsleiter der Gemeinde Gmund.

Aufräumarbeiten oder Zerstörung von Brutplätzen?

So weit so gut, nur scheint das Landratsamt Miesbach nicht wirklich begeistert zu sein von den “Aufräum-Arbeiten“ auf dem Grundstück längs der Bahn. Auf Anfrage teilte uns eine Sprecherin der Behörde mit:

Die Maßnahme war nicht mit uns abgestimmt. Aus naturschutzfachlicher Sicht begrüßen wir die Maßnahme nicht. Die untere Naturschutzbehörde wird mit der Gemeinde klären, um welchen Eingriff es sich konkret handelte und ob dazu die Abstimmung mit der untere Naturschutzbehörde notwendig gewesen wäre.

Die Anwohner hoffen nun, dass die Arbeiten damit erst einmal gestoppt werden. Zumindest so lange bis die Sachlage zwischen der Gemeinde und dem Landratsamt geklärt ist.

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