Kampf ums Wasser: Schutzzonenerweiterung schlägt große Wellen

Von Redaktion

Seit mehr als 125 Jahren fördert die Stadt München aus dem Landkreis Miesbach frisches Trinkwasser, derzeit etwa 3400 Liter pro Sekunde. Die mittlere Tagesabgabe beträgt 317 Mio. Liter pro Tag. Dabei berufen sich die Stadt München und die Stadtwerke München GmbH (SWM) auf alte Rechte.

Der Einzugsbereich des von der SWM geförderten und abgeleiteten Wassers beträgt 370 km2 und erstreckt sich unter anderem über den Tegernsee hinaus bis zum Achenpass.

Das bisherige engere Wasserschutzgebiet soll jetzt allerdings von einem relativ kleinen Kernbereich unter anderem auch auf das Tegernseer Tal ausgeweitet werden. Was das für die betroffenen Gemeinden und Bürger bedeutet, hat unter anderem schon der Gmunder Gemeinderat vor mehreren Monaten skizziert:

– Keine Ausweisung von Baugebieten in der weiteren und engeren Schutzzone

– Weitgehende Unzulässigkeit baulicher Veränderungen in der engeren Schutzzone

– Drastische Einschränkungen in der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen

– Große Beeinträchtigungen bei Erweiterungen von Gewerbebetrieben

– Erschwerte Neuansiedlung von Betrieben

– Mitsprache bei Baugenehmigungen durch die SMW

– Keine Sport- und Festveranstaltung ohne vorherige Beurteilung durch die SMW

– Erhebliche Wertminderung auch von privatem Haus- und Grundbesitz mit enteignender Wirkung

Der bayerische Rundfunk hat die Situation und die Auswirkungen in einem interessanten Bericht so dargestellt: (Einfach auf das Bild klicken, es öffnet sich dann ein extra Fenster mit dem Video)

Einfach auf das Bild oder den Link klicken. Dann öffnet sich ein extra Fenster mit dem Video.

Das Video ist auch unter folgendem Link abrufbar: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/schwaben-und-altbayern-aktuell/wasser-mangfalltal-winkler-ID1287742705576.xml

Marinus Weindl, Vorstand des Vereins „Unser Wasser“ hat dazu natürlich eine eigene Meinung:

Ein Wasserschutzgebiet in diesem Umfang wäre völlig unrealistisch, weil es die Entwicklung und das Leben in fast der Hälfte des Landkreises blockieren würde.
Werden landwirtschaftliche Grundstücke als Wasserschutzgebiet ausgewiesen, bedeutet dies für den Besitzer eine kalte Enteignung. Der Wert eines Grundstückes richtet sich immer nach dem Beleihungswert, und der sinkt im Wasserschutzgebiet auf null. Eigentum verpflichtet, Eigentum ist aber auch garantiert im Grundgesetz.

Der Verein „Unser Wasser“, der sich für die Wahrung von Eigentum und Eigenständigkeit im Landkreis Miesbach einsetzt, ist seit 2 Jahren sehr aktiv. Mittlerweile sind mehrere Gemeinden beigetreten. Unter anderem auch Gmund.

Bei dem Beitritt gehe es aber eher um die Signalwirkung, so Bürgermeister Georg von Preysing auf der Gemeinderatssitzung vom 20. Juli:

Je mehr Gemeinden mitmachen, desto deutlicher ist das Signal an Landrat Jakob Kreidl, den Antrag nicht zu unterschreiben. Obwohl das Ganze aus Sicht der Stadt München nachvollziehbar ist. Jedoch sind erstens die Methoden fragwürdig und zweitens hat das große Auswirkungen.

Für Gmund könnte die Auswirkungen beispielsweise auch sein, dass die Wehranlage in Louisenthal neue Filter oder weitere Umbaumaßnahmen benötigt, da die Bestimmungen im geplanten engeren Schutzgebiet deutlich schärfer sind, als bisher schon. Alleine die letzte Sanierung kostete allerdings 30 Mio. DM. Da kann man sich also vorstellen, wie groß das Interesse der Gemeinde ist, dieses Risiko einzugehen.


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