Kein Einsatz ist Routine

von Nina Häußinger

Die Truppen finden bei ihrer Ankunft ein ausgewachsenes Feuer vor

Fragt man Kinder, was sie denn einmal werden wollen, wenn sie groß sind, kommt häufig die Antwort: „Feuerwehrmann“. Aber warum eigentlich? Einer der Feuerwehrler hat uns nach dem jüngsten Großbrand in der Kreuteralm bei Bayrischzell, bei dem auch drei Züge aus dem Tegernseer Tal vor Ort waren, einen Einblick in den schwierigen Einsatz gewährt.

Immer bereit

Es ist Montag, 21 Uhr. Der Piepser geht. Florian B. von der Feuerwehr in Rottach-Egern ist noch wach. Zum Glück. Hätte er schon geschlafen, wäre es noch schwerer gewesen, sich aufzuraffen. Als freiwilliger Feuerwehrmann muss man zu jeder Tages- und Nachtzeit parat stehen.

Also runter von der Couch, rein in die Klamotten und auf zur Station. Im Rottacher Feuerwehrhaus angespannte Gesichter. Keine Witze oder Sprüche über zerzauste Frisuren oder Joggingklamotten. Alle sind hochkonzentriert. Das Fahrzeug wird besetzt, alle schnappen sich ihre Hosen, Jacken und Helme, und los geht’s.

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Keine Zeit zum Nachdenken

Zur Kreuteralm nach Bayrischzell hat die Rottacher Feuerwehr eine Anfahrtszeit von circa 35 Minuten. Was geht da in den Köpfen der Männer vor? Wie groß ist die Anspannung? Florian B. ist Fahrer. „Nachdenken kann man da nicht viel. Ich konzentriere mich auf die Straße und versuche, zügig und sicher zum Einsatzort zu kommen“, erklärt er.

Der Gruppenführer muss dagegen planen, sich mit der örtlichen Einsatzleitung über Funk verständigen und Aufgaben besprechen. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt also auch auf der Fahrt nicht. „Trotzdem hofft man als Mannschaft natürlich, dass keine Personen gefährdet und dabei verletzt worden oder umgekommen sind.”

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Die Truppen fanden bei ihrer Ankunft ein ausgewachsenes Feuer vor / Quelle: Zug Oberach

Am Ziel angekommen, finden die Männer einen Vollbrand in 1.209 Metern Höhe vor. Bei der Kreuteralm war das große Problem der Wassermangel. Insgesamt waren 13 Wehren aus dem Landkreis und 135 Männer im Einsatz.

Auch die Anfahrt auf die Alm blieb nicht ohne Probleme. Aus diesem Grund wurde die Rottacher Feuerwehr nachalarmiert, da diese einen geländegängigen Pinzgauer zur Verfügung stellen konnte. Mit dem Fahrzeug konnten dann Personen und Material direkt zum Brandort transportiert werden.

Die Tegernseer und Gmunder Feuerwehren waren vor Ort vor allem für die Unterstützung der Löschwasserförderstrecke verantwortlich. Denn das Wasser musste über eine 1,3 Kilometer lange Förderleitung und über 230 Höhenmeter transportiert werden. Dazu brauchte man das Schlauchmaterial und die Pumpen der zahlreichen Feuerwehren aus dem Umkreis.

“Bei so einem Einsatz kommt man nicht an sein Limit”

Laut Kripo und dem Pächter der Almhütte begann der Brand im hinteren Gebäude und wurde wohl durch einen Defekt im Notstromaggregat verursacht. Der Schaden soll sich auf insgesamt rund 200.000 Euro belaufen. Trotz der Komplikationen mit Wasser und Anfahrtsweg hatten die Feuerwehrler den Großbrand trotzdem recht schnell unter Kontrolle.

„An sein Limit kommt man bei einem solchen Einsatz nicht, da es sich um eine begrenzte Fläche handelt und genug Einsatzkräfte vor Ort waren. Bei Einsätzen wie dem Hochwasser im Frühjahr, mit wenig Schlaf und vielen Einsätzen, kommt man hingegen eher an seine Grenzen“, so Florian B.. Trotzdem sei kein Einsatz wie der andere, und Routine gebe es auch keine.

Mithilfe zahlreicher Truppen aus dem Umkreis konnte das Feuer auf der Alm gebändigt werden / Quelle: Zug Oberach
Mithilfe zahlreicher Truppen aus dem Umkreis konnte das Feuer auf der Alm gebändigt werden / Quelle: Zug Oberach

Bei der Rückfahrt sprechen alle noch einmal über das Erlebte. „Bei dem Einsatz auf der Kreuteralm waren wir hauptsächlich froh, dass niemand einen Schaden davongetragen hat“, so Florian B. am Tag nach dem Brand. Im Feuerwehrhaus wird dann erst einmal das Fahrzeug aufgerüstet, um für den nächsten Einsatz bereit zu sein.

Meistens hat man so viel Adrenalin im Blut, dass man erst mal nicht mehr einschlafen kann. Das ist aber je nach Einsatz anders.

Einfach ist das Leben eines freiwilligen Feuerwehrmanns bestimmt nicht. Trotzdem hilft man bei jedem Einsatz Menschen in Not. Vielleicht wollen ja gerade deswegen immer noch so viele Kinder Feuerwehrmann werden.

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