Bis 1995 durften Einheimische nur einmal pro Jahr in die Wiesseer Spielbank

Keine Suchtgefahr durch allzu große Nähe

Von Redaktion

Wussten Sie, dass es den Bewohnern des Tegernseer Tals in der Vergangenheit gesetzlich untersagt war die Wiesseer Spielbank zu besuchen und an den Roulette-Tischen oder Automaten ihr Glück zu versuchen?

Bis 1995 galt das sogenannte Residenzverbot, das bayernweit für alle Gemeinden rund um die Standorte der staatlich geführten Casino Gültigkeit hatte.

So wollte es der Freistaat über eine lange Zeit und letztlich auch deutlich länger als alle anderen Bundesländer, die die auch als Bannmeilen bezeichneten Regelungen schon deutlich früher abschafften.

Hintergrund: Spielbank-Boom und gewerbliche Spielhallen

1975 – in diesem Jahr gab es in Bayern insgesamt acht Spielbanken. Bundesweit kamen weitere acht hinzu, so dass man die “Spielbanken-Landschaft” damals als noch gut überschaubar bezeichnen konnte. Doch in den darauffolgenden Jahren setzte ein regelrechter Bauboom ein. Bis zum heutigen Tage sind aus den deutschlandweit insgesamt 16 Standorten rund 80 geworden.

Die Spielbank in Bad Wiessee

Daneben entwickelten sich neben den staatlich geführten Spielbanken die gewerblich betriebenen Spielhallen als ernst zu nehmende Konkurrenten. Dort wird laut Wiessees Spielbankdirektorin Antja Schura seit jeher ein vergleichbares Automatenspiel wie bei den Spielbanken selbst angeboten.

Die Besucherzahlen in den Casinos gingen in der Folge zurück. Auch daher sah der Staat akuten Handlungsbedarf, um dem negativen Trend entgegenzuwirken.

„Da nunmehr jeder Bundesbürger in zumindest mittelbarer Nachbarschaft eine Spielbank vorfand beziehungsweise in das illegale Internet-Glücksspiel oder in eine der zahlreichen gewerblichen Spielhallen ausweichen kann, war das Residenzverbot obsolet geworden“, erklärt Schura die Überarbeitung der bayrischen Spielbankordnung im Jahr 1995 und damit die Aufhebung des Residenzverbotes.

„Haus und Hof“ stehen auf dem Spiel

Eines der Hauptargumente für das Residenzverbot, dessen Ursprung bis in das Mittelalter zurückgeht, war die Angst davor, dass die einheimische Bevölkerung einer erhöhten Spielsuchtgefahr beim Jokers Cap Taktik ausgesetzt sein könnte und darüber hinaus womöglich „Haus und Hof“ beim Glücksspiel verprasst.

Auf Nachfrage bei Schura, wie sich seitdem der Anteil an einheimischen zu auswärtigen Gästen in der Wiesseer Spielbank entwickelt hat, teilt man uns mit, dass „hier keine belastbaren Daten vorliegen“. Bis zu 400 Gäste würden täglich ihr Glück in der Spielbank in Bad Wiessee suchen.

Antje Schura, die Direktorin der Wiesseer Spielbank

Wie viele davon aus dem Tal kommen, will man uns aus verschiedenen Gründen nicht verraten. Unbeantwortet bleibt auch die Frage nach Bruttospielertägen – die Summe aller Einzahlungen abzüglich der Auszahlungen – von Einheimischen. Auswertungen hierzu gäbe es nicht.

In jedem Fall kann davon ausgegangen werden, dass die Spielbanken in Bayern und nicht zuletzt in Bad Wiessee seit der Aufhebung des Residenzverbots durchaus einige Euros mit den ehemals ausgeschlossenen Einheimischen verdient haben.

Übrigens: Die Bannmeile galt sowohl für Kreuther, Rottacher, Tegernseer, Gmunder und Wiesseer. Alle anderen Bewohner von angrenzenden Orten – also beispielsweise aus Waakirchen – hatten die Möglichkeit, uneingeschränkt die Spielbank zu besuchen.

Sind Einheimische süchtig aufs Zocken?

Ein erhöhtes Suchtpotential sieht die Leiterin der Wiesseer Spielbank „aufgrund der vielfachen Kontrollmechanismen der Spielbanken in Sachen Jugend-, Verbraucher- und Spielerschutz nicht“. Schura wörtlich: „Die Gefahr ist heute nicht mehr oder weniger gegeben als zu Zeiten des Residenzverbotes.“

Außerdem könnten Spielgäste zwischenzeitlich verstärkt in das illegale Internetspiel und in die gewerblichen Spielhallen ausweichen. Insofern sei der Schutz der staatlich konzessionierten Spielbanken eher noch höher einzuschätzen als in Zeiten der staatlich verordneten Bannmeilen.


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