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BR-Bericht

Kirchsee: Die andere Seite

Von Laura Lorefice

Dunkel liegt er da, mystisch und geheimnisvoll. Der Kirchsee und sein Moor sind nicht nur ein beliebter Badeplatz für Holzkirchner, sondern haben auch eine unbekannte, noch nicht entdeckte Seite. Gestern Abend gewährte ein Holzkirchner Filmemacher, exklusive Einblicke ins Naturschutzgebiet.

Mit Klick auf das Bild geht’s zum Video.

Der Kirchsee, so vertraut und doch manchmal fremd. Der beliebte Badeplatz in Sachsenkam gilt mit seiner Postkartenidylle und dem angrenzenden Kloster Reutberg, als “Geheimtipp” unter Münchnern. Für uns ist der Kirchsee Heimat. Sommer. Natur. Kinder, die vom Steg ins Wasser springen. Mücken.

Unberührte Natur

Obwohl der See im Naturschutzgebiet liegt, darf trotzdem am Nordufer an zwei Stellen gebadet werden. Im Süden ist der See jedoch streng geschützt und darf nicht betreten werden. Doch was liegt eigentlich hinter dieser verborgenen Seite? Wie sieht es dort aus? Welche Tiere leben hier? Der Holzkirchner und Naturfilmer Thomas Dammer, gewährt jetzt Einblick in diesen unbekannten Teil des Moorsees.

Thomas Dammer mit seiner Hündin am Kirchsee.

Er durfte ein Jahr lang zusammen mit Andrea Rüthlein und einem Team des Bayerischen Rundfunks (BR)  die urtümliche Landschaft in allen Facetten erleben und dokumentieren. Denn das Moor verändert sich im Laufe der Jahreszeiten von Tag zu Tag und zeigt jedesmal ein neues Gesicht. So entsteht ein Farbenspiel, das weder Thomas Dammer noch das BR-Team vor den Dreharbeiten erwartet hätte. Dammer erklärt:

Den Dreh konnten wir nur bedingt planen. Vieles war auch improvisiert. Man weiß schließlich nicht, wann ein Frosch genau an dieser Stelle sitzt oder man einen Kreuzotter sichtet.

So kamen im Zeitraum von September 2015 bis September 2016 insgesamt 40 Drehtage zusammen. Die Idee zum Film kam spontan. Dammer hat einen Bekannten beim BR im Bereich Tier und Natur. “Da war es naheliegend, das mal vorzuschlagen”, so der Holzkirchner. Er selbst besitzt eine kleine Hütte direkt am Kirchsee und verbringt dort mit seiner Familie schon seit Jahrzehnten das ein oder andere Wochenende. Für ihn bedeutet der See vor allem eins: Auszeit.

Wenn die Touristenmassen weg sind, setze ich mich am liebsten am Abend mit einer Tasse Kaffee vor die Hütte – und dann wird’s still. Das hat man kaum mehr. Das ist Natur pur.

Der Film dokumentiert mit beeindruckenden Bildern und Aufnahmen unbetretenes Terrain vor unserer Haustür. Wussten Sie beispielsweise, dass es am Kirchsee fleischfressende Pflanzen gibt? Wir bis gestern auch nicht. Und noch eins zeigt der BR-Bericht: Leben. Von fleißigen Ameisen, neugierigen Füchsen, scheue Rehe und Wildschweinen bis hin zu seltenen südafrikanischen Vogelarten, die hier den Sommer verbringen. Sie alle leben am Kirschsee. Im Schutz der Natur vor Jägern und Menschenmassen. Überrascht hat Dammer während eines Tauchgangs im Moor die gute Sicht. “Wir hatten fantastisches Licht. Es war erstaunlich, wie gut das funktioniert hat. Sogar einen Hecht haben wir entdeckt”.

Der Kirchsee mit anderen Augen

Weniger einfach gestaltete sich jedoch eine Tour in die Irrwege des tiefen Moors. Der Holzkirchner erzählt, dass er eines Nachmittags im Hochsommer mit dem BR-Team unterwegs zu einem toten Waldfeld war. Dort erwartete man beeindruckende Landschaft und tolle Aufnahmen. Leider bei über 30 Grad. Vor allem der Kameramann und sein Assistent hatten mit der gesamten Ausrüstung viel zu schleppen. Obendrein fand die Crew den Weg zurück nicht mehr und lief stundenlang durchs Moor, bis man endlich den Ausgang fand. “Das war wirklich an der Grenze, vor allem für die Kameramänner, die beide einen Hitzschlag erlitten”, erinnert sich Dammer.

Doch abgesehen davon, machten ihm die Dreharbeiten großen Spaß. Seine Sicht auf den Kirchsee hat sich jetzt auf jedenfall verändert:

Mir war nicht bewusst, wie empfindlich alles ist. Wie schnell man die Tiere verscheucht und wie lange es dauert, bis zerstörte Natur sich wieder erholt.

So gewährt der Film nicht nur einen Einblick auf die andere Uferseite des Sees, sondern zeigt auch die verletzliche Seite des Naturschutzgebietes und verändert damit den Blick auf unseren Lieblingssee.


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