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Serie: Von Helfern am Tegernsee

… koordiniert von der Rosenheimer Leitstelle

Von Rose Beyer

Menschen in Notlagen. Jetzt kommt es auf sie an: die Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Freiwilligen Feuerwehren. Rund um die Uhr im Einsatz. Für Außenstehende sehen Einsätze vielleicht aus wie ein heilloses Durcheinander. Doch der Anschein trügt. Jeder Handgriff wird genau geplant. Koordiniert im Hintergrund über die Integrierte Leitstelle (ILS) in Rosenheim.

Ein Knochenjob, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht.

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Die Integrierte Leitstelle (ILS) in Rosenheim

64 Gemeinden – 410.000 Bürger – 2.340 Quadratkilometer

„Frage – hättet ihr in Agatharied ein Bett für einen Patienten – Zustand nach Verkehrsunfall – Polytrauma…“ Diese Frage beantwortet für Rettungsdienste und Feuerwehren in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim sowie in der Stadt Rosenheim die Integrierte Leitstelle Rosenheim. Hier laufen die Fäden zusammen. 64 Gemeinden werden betreut. Das sind gut 410.000 Einwohner und eine Fläche von 2.340 Quadratkilometer.

Zusätzlich zur Verwaltung mit 5 Kräften arbeiten gut 24 Disponenten im Schichtdienst. Jeweils von sechs bis sechs Uhr. Immer zwei Tage Frühdienst – zwei Tage Abenddienst – vier Tage frei. Tagsüber sind stets sechs Mitarbeiter da, nachts mindestens drei. Sechs 400-Euro-Kräfte unterstützen in Urlaubs- und Krankheitszeiten. Leiter der Leitstelle ist Thomas Vogl, der häufig Führungen durch die Räume absolviert.

Ausbildung fürs Leben

„Alle Mitarbeiter sind erfahrene Rettungsdienstler und Feuerwehrfachkräfte“, erzählt Vogl. Umfangreiche Feuerwehrausbildung an den Staatlichen Feuerwehrschulen, vergleichbar mit einer Hauptbrandmeister-Prüfung bei einer Berufsfeuerwehr und die Anerkennung zum Rettungsassistent müssen sein. Mindestens eines von beiden muss bereits bei der Einstellung da sein. An die 800 Stunden lernt man für die grundlegende Feuerwehrausbildung, fast 700 für den Teil der Rettungsdienstlichen Qualifikation.

Thomas Vogl im Rechenzentrum der Integrierten Leitstelle

Ein Notruf kommt über die Nummer 112: „Ein Haus brennt in Kreuth.“ Von Rosenheim aus kann man sehen, über welche Nummer angerufen wird. Auch die Handy-Rufnummern-Unterdrückung funktioniert hier aus Sicherheitsgründen nicht. Ebenso über die 19222 und die 900900 kommt man hier heraus.

Doch Notrufe werden mit Priorität 1 behandelt. Der sogenannte Calltaker – der Mitarbeiter am Telefon – nimmt die Daten auf und speichert sie sofort ins Computersystem. Drei Bildschirme, ein PC, ein Telefon, ein Headset – seine Hilfsmittel. Was ist wo passiert und wer meldet?“ Die fünf W-Fragen müssen die Mitarbeiter immer beantwortet bekommen, um handeln zu können.

Koordination über Landkreisgrenzen hinweg

Brand eines Wohnhauses in Kreuth… Der sogenannte Disponent, der gleich einen Schreibtisch weiter sitzt, weiß was zu tun ist. Je nach Art des Meldebildes alarmiert er in Sekundenschnelle das entsprechende Rettungsteam. Fünf Bildschirme, ein PC, ein Telefon, ein Headset, so sieht der Arbeitsplatz des Disponenten aus. Der Wohnhausbrand ist verschlüsselt mit dem Feuerwehrstichwort B3 und bekommt zusätzlich einen Rettungsdiensteinsatz RD1.

Das bedeutet: Bei den örtlichen Feuerwehreinsatzkräften in Kreuth wird jetzt gleich der Piepser angehen, der Zugführer wird per Sirene am Feuerwehrhaus beim Rathaus alarmiert, der Fahrer wird sich gleich das Fax schnappen, das zeitgleich mit der Meldung im Feuerwehrhaus ausgeworfen wird. Darauf stehen alle Daten zum Unglück.

Vier Einsatzfahrzeuge werden losfahren, um den Brand zu löschen. Auch ein Rettungswagen wird sich in Bewegung setzen. Um erste Hilfe für die Menschen zu leisten. Auch für die Rettungsleute selbst. Die Flotte der Einsatzmittel ist enorm. Und wird individuell zugewiesen. Auch die Polizei wird meist dazugeholt.

Die Integrierte Leitstelle hat gut zu tun. 77.600 Rettungsdiensteinsätze und 6.500 Feuerwehreinsätze koordinierte sie im Jahr 2011. 200.000 Anrufe wurden angenommen. Manche Anrufe kommen jedoch erfahrungsgemäß mehrfach. Besonders bei Bränden oder schweren Unwettern. Aber auch Rettungswägen-, Notarzteinsatzfahrzeug- oder Hubschraubereinsätze für lebensbedrohlich Erkrankte oder Verletzte koordiniert das Team der Leitstelle genauso wie Katastropheneinsätze wie den Eishalleneinsturz in Reichenhall.

Blaulicht und Rotes Kreuz

Ebenso wie Krankentransporte für Patienten, bei denen eine Betreuung erforderlich ist, aber keine Notfallsituation zu erwarten ist. Diese müssen jedoch warten, wenn ein Notfall gemeldet wird. Als besonders „arbeitsintensive und koordinierungsaufwendige“ Orte gelten im Sommer die Seen und Flüsse, im Winter die Skigebiete und das ganze Jahr über das Inntaldreieck.

„Jetzt im Herbst nehmen wir auch vermehrt die Anmeldung von Daxenfeuern entgegen,“ so Vogl. Hat man vor, ein Feuer zu entfachen, um etwa trockene Äste vom Heckenschnitt zu verbrennen, muss man dies melden – damit die Feuerwehr nicht aus Versehen ausrückt.

Obwohl man hier „nur“ am Telefon sitzt, braucht es doch sehr viel Erfahrung, Ortskenntnis und Wissen über mögliche Schadens- oder Verletzungsbilder, um sich die Situation vor Ort vorstellen zu können. „So einfach ist es nicht, sonst könnte es ja jeder,“ sagt der Leiter. Da die Disponenten jahrelang Rettungsdienst gefahren sind, kennen sie die Region sehr gut. So wie der Disponent, der gerade von seinen Erfahrungen mit dem Schichtdienst erzählt. Noch gehe es ganz gut mit den unregelmäßigen Wach- und Schlafzeiten. „Vorschlafen kann man schließlich nicht.“

Einsätze in den Bergen und Unfälle auf einsamen Straßen oder im Wald stellen eine besondere Herausforderung dar. Solche, wo die Melder nicht genau beschreiben können, wo das Unglück passiert ist. Hier bedient sich die ILS laut Vogl der Handy-Ortung. „Alles was keine Hausnummer hat, ist am schwierigsten.“

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