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Ausufernde Partys lösen Krach um Gebirgsschützenhütte aus

Wer trägt die Verantwortung?

Von Rose Beyer

Aktualisierung vom 30. Juni / 17:16 Uhr
Nachdem wir letzten Donnerstag über den „Krach“ rund um die Gebirgsschützenhütte berichtet haben, bei der es auch um eine Party mit Go-Go-Girls ging, meldet sich jetzt die ehemalige Pächterin zu Wort.

Ulrike Marschall bestreitet, dass die Feier unter ihrer Pacht über die Bühne gegangen ist. Wer tatsächlich die Verantwortung trägt, bleibt ungeklärt.

Die Gebirgsschützenhütte in Rottach-Egern.
Die Gebirgsschützenhütte in Rottach-Egern.

In einem Kommentar wendet sich die ehemalige Pächterin Ulrike Marschall an die Leser der Tegernseer Stimme. Darin nimmt sie Stellung zu den Aussagen des Kommandanten der Gebirgsschützen, sie habe die Party in der traditionellen Vereinshütte genehmigt:

Bis Dezember 2013 war ich Pächterin der Gebirgsschützenhütte. Mit der obskuren Veranstaltung habe ich absolut nichts zu tun, ich war in keiner Weise an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Deshalb ist die beschriebene Hochzeit auch keine „Folgelast aus Zeiten mit der bisherigen Wirtin“. Die Feier ist von mir nicht geplant gewesen und deshalb kann keine Rede davon sein, sie habe daher auch wie geplant durchgeführt werden müssen. Die Durchführung der Veranstaltung oblag einzig und allein dem jetzigen Pächter.

Demnach trage der Rottacher Gastronom Martin Frühauf die Verantwortung für die Party, der seit Anfang des Jahres für die Bewirtung der Vereinshütte zuständig ist. Marschall räumt zwar ein, dass auch zu ihrer Zeit mehrere Veranstaltungen stattgefunden haben, die von Michael Käfers Partyservice organisiert wurden. Doch mit der dubiosen Party habe sie nichts zu tun gehabt.

Frühauf seinerseits ist sich gleichfalls keiner Schuld bewusst: Er habe keinerlei Bedenken gehabt, als die Veranstaltung auf dem Plan stand. Denn bei dem Auftraggeber soll es sich um einen Herrn gehandelt haben, der schon einmal im Tal gefeiert hatte – und zwar ohne Skandale. Deshalb habe Frühauf auf die Empfehlung von Michael Käfer vertraut – auf dass alles ganz normal und gesittet abliefe.

Ursprünglicher Artikel vom 26. Juni mit der Überschrift: „Krach um Gebirgsschützenhütte“
Eine historische Almhütte. Gemalte Schützenscheiben an der Wand. Mit Hirschmotiven bestickte Kissenhüllen auf den Eckbänken. Die Gebirgsschützenhütte in Enterrottach kommt recht ursprünglich daher. So wie man sich eine Vereinshütte halt vorstellt.

Doch sie droht zur Partyalm zu werden. Feste „mit halbnackerten Weibern“ sollen dort gefeiert worden sein. Nun will man sich bei den Gebirgsschützen wieder auf eine lasterfreie Zukunft besinnen.

Die Gebirgsschützenhütte „in geordnetem Rahmen“ – Ex-Bürgermeister Franz Hafner bei der Bürgerversammlung.

Die Gebirgsschützenkompanie Tegernsee – ein Traditionsverein wie viele andere im Tegernseer Tal. Bereits im Jahr 1632 – glaubt man der Überlieferung – schützten die Landfahnen im 30-jährigen Krieg die Heimat vor schwedischen Soldaten. Als ein Schwedenhaufen in das Kloster Tegernsee eindrang und die Rüstkammer zu plündern drohten, wurden die Feinde von Gmunder und Tegernseer „Pürgschützen“ vertrieben.

Aktuell droht ein Krach der ganz anderen Art um die Gebirgsschützenhütte. Vereinsfeiern werden dort abgehalten. Vielleicht wird auch mal ein Geburtstag eines Mitglieds gefeiert. Doch die Hütte drohte in letzter Zeit zur Partyalm abzudriften, wie ein gut informierter Einheimischer, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet.

Schon während der vergangenen Jahre hörte man immer wieder davon, dass die Hütte zu mehr genutzt wird als bloß zu Vereinszwecken. „Dreißig bis vierzig große Feiern finden dort in etwa statt“, bestätigt Florian Baier, der erste Vorsitzende der Gebirgsschützenkompanie, auf Rückfrage. Etwa sieben Jahre lang hatte Ulrike Marschall die Hütte betrieben, erfahren wir von ihm. Seit April 2014 kümmert sich der Rottacher Gastronom Martin Frühauf um die Bewirtung.

Vom Traditionshaus zur Partyalm

Baier fand es bisher legitim, dass in dem Vereinsheim auch größere Feiern – Tagungen oder auch mal eine Hochzeit – stattfanden. Mangels Alternativen – bevor Seeforum und Bachmair Eventarena öffneten – war es eine willkommene „Location“, um bis zu 180 Gäste aufzunehmen. Was der Vereinskasse guttat, war laut Baier letztendlich auch gut für das Wohl der Rottacher.

Ex-Bürgermeister Franz Hafner sei froh gewesen, dass man dort mal eine Bürgerversammlung abhalten konnte. Außerdem hätten Heimatabende stattgefunden, wenn beispielsweise die Wallbergerhütte belegt gewesen sei, so der Gebirgsschützen-Chef. Auch die Rottacher Fuhrleute sowie Goaßlschnalzer und Schuhplattler hätten profitiert.

Die Fuhrleute transportierten Gäste vom Rottacher Ortskern nach Enterrottach, die Goaßlschnalzer und Schuhplattler konnten sich bei den Auftritten präsentieren. In der Bewirtung, wie sie damals stattfand, sieht Baier eine Bereicherung für den Tourismus und eine klassische Win-Win-Situation.

Party statt Brauchtum: Nicht allen ist die "Zweckentfremdung" der Gebirgsschützenhütte recht.
Party statt Brauchtum: Nicht allen ist die „Zweckentfremdung“ der Gebirgsschützenhütte recht.

Doch seit einigen Monaten häufen sich die Zweifel, sowohl aus internen Gebirgsschützenkreisen als auch aus der übrigen Bevölkerung, an der Bestimmung der Hütte. Eine eindeutige Nutzung sei nicht nachvollziehbar, so die klare Botschaft der Zweifler:

Das hat mit Gebirgsschützen nichts mehr zu tun.

Will die Gebirgsschützenhütte dem Seeforum, der Bachmair Eventarena oder gar den örtlichen Wirten Konkurrenz machen? So konnte man die Gedanken deuten. Grund zur Annahme boten ausschweifende Mega-Feten, die offenbar in Enterrottach gefeiert wurden. Dank der abseitigen Lage konnte man dort offenbar lange und ausgiebig bis in die Morgenstunden feiern, ohne viele Anlieger zu stören.

Eine Hochzeit, die vor Kurzem dort gefeiert wurde, schlug dem Fass den Boden aus. Das Catering sei nicht vom jetzigen Wirt Martin Frühauf gestellt worden, sondern von einem bekannten großen Münchner Feinkostanbieter, so der Informant. Und „halbnackerte Weiber“ – also Gogo-Tänzerinnen – hätten dort getanzt, heißt es weiter.

Und das in einem Vereinsheim eines konservativen einheimischen Traditionsvereins? Gewidmet Otto und Inge Beisheim. In dem einst Joseph Kardinal und Ex-Papst Ratzinger schon zu Mittag gegessen hatte. Mahnende Worte kann sich so mancher da nicht verkneifen:

Man gönnt dem Verein, dass er ein Geschäft macht, aber nicht so.

Auch Vorstand Florian Baier ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Er beteuert, dass solche Veranstaltungen nicht im Sinne der Gebirgsschützen seien. Sie solle hauptsächlich zu Vereinszwecken dienen: „Solche Veranstaltungen (wie die mit den ‚halbnackerten Weibern‘: Anmerkung der Redaktion) gehen gar nicht!“

Von Altlasten und einer lasterfreien Zukunft

Die beschriebene Hochzeit habe noch zu den „Folgelasten“ aus Zeiten mit der bisherigen Wirtin gehört. Die Feier sei seit Langem so geplant gewesen und habe daher auch wie geplant durchgeführt werden müssen, so Baier weiter.

Doch mit dem neuen Wirt Martin Frühauf soll jetzt alles anders werden. Zwar könne man sich schon vorstellen, eine Ergänzung zum Seeforum oder zur Eventarena zu bieten und die Hütte weiterhin an Gesellschaften zu vermieten, die Forum und Arena nicht füllen könnten. Doch Konkurrenz machen wolle man niemandem.

Zukünftig soll auch alles in traditionellen, nicht ausschweifenden Bahnen ablaufen. Baier zählt auf die Mithilfe des neuen Wirts. Jeder, der eine Feier dort ausrichten möchte, soll sich an ihn wenden. Die Feier wird in einen Kalender eingetragen, der auch vom Verein geprüft werden kann. „Solche Veranstaltungen wird es nicht mehr geben“, verspricht er.

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