So verlief Silvester im Tal

Kreuth verzichtet – die anderen ballern

Silvester ist vorbei und alle sind vermutlich mit einem lauten Rums ins neue Jahr gestartet. In Kreuth wollte man erstmals auf die Ballerei um Mitternacht verzichten. Die Alternative kam an. Doch nicht überall gab es Grund zur Freude.

„Feiern statt Feuern“ – das ist das Motto, dem sich eine etwa 15-köpfige Intitiative rund um Angela Brogsitter-Finck (Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal SGT) verschrieben hat. Seit rund drei Jahren versucht die Gemeinschaft, an die Vernunft der Leute zu appellieren, mit dem Ziel, private Feuerwerke zu reduzieren. Im Dezember erklärte Brogsitter-Fink:

Ich würde mir wünschen, dass wir alle an Silvester wieder vermehrt an unsere Wildtiere denken und dass wenigstens in all den oberen Bereichen auf laute Knaller und Böller verzichtet wird.

Ein Stück scheint das Tal diesem Wunsch heuer näher gekommen zu sein. Während die Gemeinde Ramsau das dritte Mal einen freiwilligen Verzicht auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in ihrem Bergsteigerdorf durchsetzte, wollte es zumindest eine Gemeinde im Tegernseer Tal dem Bergsteigerdorf heuer gleichtun – die Gemeinde Kreuth.

„Der Gemeinderat ist – angeregt durch das Beispiel des Bergsteigerdorfes Ramsau, das dies schon mehrere Jahre praktiziert – davon überzeugt, dass der Verzicht auf Feuerwerksraketen der Philosophie, die hinter der Bergsteigerdorfidee steckt, entspricht“, betonte Bürgermeister Josef Bierschneider. Damit trage man einerseits dazu bei den Feinstaub im Ort zu reduzieren und tue gleichzeitig etwas für die Tiere, die vom Lärm verschreckt werden.

Gemeinde organisiert Alternative

Allein aufgrund der Immisionsschutz- oder Lärmschutzverordnung ist kein Feuerwerks-Verbot möglich. Weder das Immissionsschutzrecht, noch das allgemeine Sicherheitsrecht erlauben es der Kreisverwaltungsbehörde, Silvesterfeuerwerke zu verbieten. Die Kreuther konnten also nur dazu auffordern auf Kracher zu verzichten, und stattdessen an einer Alternative teilzunehmen.

Schon ab 20 Uhr wurden die Umrisse der Kreuther Kirche mit Lasern bestrahlt. Um 22.30 Uhr traf man sich dann im Ortskern am Warmbad, um gemeinsam ins neue Jahr zu feiern. Es gab Getränke und kleine Speisen vom Südtiroler. Das Highlight war die Laser-Show um Mitternacht.

Gekommen waren zahlreiche Tegernseer Tal Bürger. „Es waren junge Leute, alte Leute und auch Kinder da. Es war richtig schön“, zeigt sich die Tierschützerin Johanna-Ecker Schotte begeistert. Die Stimmung sei sehr freundlich und positiv gewesen und der Platz in Kreuth biete sich an für eine solche Veranstaltung. Auch Bürgermeister Josef Bierschneider bekam positive Rückmeldungen: “Bisher habe ich nur positive Resonanz auf die Lasershow erhalten, sowohl am Platz des Geschehens in der Silvesternacht, als auch im Nachgang.”

Rücksichtslose Ballerei auf Kaltenbrunn

Auch wenn Bürgermeister Bierschneider der Meinung ist, heuer seien insgesamt deutlich weniger Feuerwerke als in den Vorjahren abgeschossen worden, wurde an vielen Orten natürlich trotzdem geschossen. In Kaltenbrunn bei Gmund hat man erfahrungsgemäß den besten Blick über den See, dementsprechend beliebt ist der Platz. Kaltenbrunn selbst schießt aber keine Raketen ab, da die alten Gemäuer unter Denkmalschutz stehen und die Gefahr eines Brandes hier zu groß ist.

Auf Gut Kaltenbrunn haben viele unerlaubt geschossen – und ihren Müll einfach liegen gelassen

Dementsprechend groß war der Ärger heuer, als so mancher meinte seine eigene Show auf dem Gut abziehen zu müssen. „Obwohl dort aufgrund des Denkmalschutzes Feuerwerke verboten sind, gab es viele Gäste und Privatleute, die nach Kaltenbrunn marschiert sind und dort ringsum ihre Raketen in die Luft geballert haben. Kinder haben kleine Böller auf die Gehwege geschmissen, auf denen Leute entlanggelaufen sind, Erwachsene haben solche Feuerwerksbatterien (siehe Foto) einfach auf dem Parkplatz inmitten der ganzen Autos angezündet und es einfach liegen gelassen“, berichtet eine Besucherin der Silvester-Party in Kaltenbrunn. Ein Vater soll auf die Bitte, die Knallerei direkt auf dem Grundstück am Gut seien zu lassen, geantwortet haben:

Wenn meine Kinder an Silvester rumböllern wollen, dann können sie das auch überall. Wir sind hier in Deutschland

Eine Gruppe junger Männer machte sich außerdem einen Spaß daraus, die Statue vor dem Gebäude mit Raketen zu beschießen. Die Mitarbeiter von Kaltenbrunn werden wohl erst im Frühling das Ausmaß der Verschmutzung auf den umliegenden Wiesen zu sehen bekommen.

„Ich glaube es muss sich was bewegen, weil das was hier verballert wird, hat nichts mehr mit Silvester zu tun“, betont Ecker-Schotte. Sie habe schon 2013 in der Gemeinde Rottach-Egern nachgefragt, ob man hier nicht irgendwie umdenken kann. Damals sei sie noch belächelt worden. „Heute sieht das glaube ich schon ein bisschen anders aus“, meint sie.

Fritz Rasp, Tourismusdirektor der Gemeinde Ramsau ist jedenfalls stolz, dass man in seinem Ort die Knallerei signifikant verringern konnte. “Auch wenn ein paar sich das Ganze nicht nehmen lassen”, gibt er zu. Offene Gespräche mit Vereinen, Hoteliers und Privatleuten und eine gute Einbindung aller hätten stattgefunden. Mittlerweile seien sich alle einig, dass man nicht unbedingt ein Feuerwerk brauche. Wichtig sei nur, dass Alernativen geschaffen werden. Vielleicht setzt sich diese Einstellung in den kommenden Jahren ja auch verstärkt am Tegernsee durch. Bierschneider ist optimistisch:

Ich persönlich denke, dass aufgrund der positiven Resonanz diese Idee auch in Zukunft weiterverfolgt werden soll. Letztendlich muss aber dann der Gemeinderat entscheiden, wie er dazu steht. Da einige Kollegen bei der Feier dabei waren und auch positiv angetan waren, denke ich, dass der Gemeinderat das auch unterstützten wird.

Quelle Video: Johanna Ecker-Schotte


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