Kreuth will's anders machen

Wohnraum ja – aber nicht um jeden Preis

In Kreuth tut sich was. Immerhin fünf neue Wohnungen sollen entstehen. Doch bis es soweit ist, muss noch eine Hürde übersprungen werden. Außerdem will man es hier anders machen, als in den übrigen Tal-Gemeinden.

Leben unter’m Leonhardstein – nur mehr Wohnraum müsste es geben…

Auch Kreuth braucht mehr Wohnraum. Das steht zweifelsohne fest. Da klingt es positiv, dass mit dem Tagesordnungspunkt 4 der gestrigen Gemeinderatssitzung fünf Wohnungen auf den Markt kommen sollen. Doch dass die Ratsmitglieder der südlichsten Tal-Kommune zwar gewillt sind, Wohnraum zu schaffen, dies aber nicht zu jedem Preis tun möchten, stand nach der Diskussion fest.

Zu groß – zu hoch – geht gar nicht

Im konkreten Fall geht es um ein Grundstück in Kreuth-Enterfels, auf dem bereits ein Bestandsgebäude steht. Auf der Fläche soll nun ein weiteres Gebäude errichtet werden. Bauamtsleiter Andreas Schwinghammer verlas den Antrag auf Vorbescheid und erklärte die beiden eingereichten Varianten.

Bei Version 1 gehe die Firstrichtung von Nord nach Süd, aber die Abstandsflächen seien nicht eingehalten. Bei Alternative 2 gehe der First von Ost nach West. „Aber so würde es nicht gehen wegen §34 BauBG“, erörterte der Bauamtsleiter. Das Bauvorhaben sei zu hoch beziehungsweise zu groß. Entweder man bleibe von der Höhe so und reduziere die Fläche oder man bleibe von der Fläche her so oder reduziere die Höhe, ergänzte Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU).

Bei Wikipedia wird genau erklärt, was es mit dem §34 Baugesetzbuch auf sich hat, bei dem von Schwinghammer genannten sogenannten „Einfügungsgebot“. Hier ist nämlich geregelt, dass sich neue Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügen müssen. Die Baubehörde prüft jeweils, ob dies der Fall ist.

Wo anfangen – wo aufhören?

Auch wenn „nicht viel fehlt, um die Vorgaben einzuhalten“, wie Markus Wrba (FWG) feststellte, sah er – genau wie die weiteren Gemeinderäte – dass die Dimensionen des potenziellen Neubaus die der bestehenden Häuser überragen würden. Deshalb lieber gleich „Nein“ sagen. Oder – wie Wrba es formulierte: „Es hilft ja nix, wo fangen wir an und wo hören wir auf?“

Auch Evi Baumgartner (SPD) wollte auf keinen Fall einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen: „Immer diese Abweichungen…“ Besonders die nächsten Nachbarn in den angrenzenden Hausnummern des Thomaweges könnten „auf den Geschmack kommen“, sich auf die größeren Dimensionen des Neubaus berufen und auch erweitern wollen, so wurde befürchtet.

Insgesamt waren sich alle einig darüber, dass Wohnraumschaffung zwar wichtig sei, der Bauherr aber seine Planungen dahingehend anpassen müsse, dass sich das Gebäude größenmäßig einfügt.

Wohnraumschaffung als Herausforderung

Die Kreuther sehen in der Wohnraumschaffung jedoch eine wichtige Zukunftsaufgabe. In einer Klausursitzung will man sich die kommunalen Satzungen ansehen, was eventuell verändert werden könnte, um einem modernen Wohnungsbau Vorschub zu leisten. Michael Unger (FWG) etwa kann sich Änderungen bei der Dachneigung vorstellen, das bringe auch mehr Fläche.

Kreuth zieht an mehreren Strängen, um Wohnraum zu schaffen. Neulich ging es dort darum, zukünftige Zweitwohnsitze einzudämmen. Dazu bekam das Bauamt die Aufgabe, einen Entwurf einer sogenannten Verordnung gegen die Umwandlung von bestehendem Wohnraum in Zweitwohnungen zu auszuarbeiten. Auf Rückfrage gab Schwinghammer die Auskunft, dass der Entwurf fertig und bereits beim Gemeindetag zur Prüfung sei. Bereits in der September-Sitzung des Kreuther Gremiums könne man eventuell schon mehr dazu erfahren.

Bis irgendwann mehr Wohnraum zur Verfügung stehen wird, will man in Kreuth wohl ganz genau hinsehen und Bezugsfälle vermeiden. Oder wie Martin Mehringer (CSU) warnte: „Schaut unsere Nachbarn an, die können jetzt nicht mehr zurück.“


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