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Skurriler Nachbarschaftsstreit in Kreuth

Krieg am Gartenzaun

Von Laura Urban

Drohungen, Anzeigen, Hausverbot: Im beschaulichen Kreuth tobt aktuell ein kurioser Nachbarschaftsstreit. Dank gegenseitiger Anschuldigungen ist auch die Polizei mit dem Fall bestens vertraut. Und ein Ende des Streits ist nicht in Sicht.

Mit diesem kuriosen Schild erteilte die Mieterin ihrer Vermieterin Hausverbot.
Mit diesem kuriosen Schild erteilte die Mieterin ihrer Vermieterin Hausverbot.

Streit unter Nachbarn ist gerade in Deutschland weit verbreitet. Doch was sich aktuell in Kreuth abspielt, ist selbst unter diesen Voraussetzungen kurios. Weil sie sich bedroht fühlte, fertigte eine in Kreuth wohnende Frau ein Verbotsschild an. Dieses sollte einer Person den Zutritt untersagen – ihrer Vermieterin. Seit Dezember lebe sie in dem Haus in Kreuth und habe seither zu kämpfen, erzählt sie.

Es habe von Anfang an Schimmel gegeben, die Wohnung sei eine „Zumutung“, sagt die Frau. Als sie die Probleme bei ihrer Vermieterin und deren Tochter ansprach, hätten diese nichts unternommen. Sogar Antworten wie „das gehört zur Einrichtung dazu“ soll es gegeben haben.

Danach überschlagen sich laut Aussagen der Mieterin die Ereignisse. „Mir wird hier Terror gemacht“, erzählt sie. Ihre Vermieterin würde gemeinsam mit ihrer Tochter an den Fenstern stehen und drohen. Oft auch mit einem Besen „bewaffnet“.

Ich wurde mit einer Eisenstange angegriffen, ich konnte grade noch fliehen.

Seitdem vertraut die Mieterin scheinbar niemandem mehr. Jeder Besucher wird überwacht und fotografiert. Einen Haufen Fotos besitzt die Frau schon. Bilder, die zeigen, wie ihre Vermieterin an der Straße steht oder einen Besen in der Hand hält. Auch das oben abgebildete „Wir müssen draußen bleiben“-Schild ist dabei. Es zeigt die Vermieterin, wie sie wütend die Fäuste in die Luft streckt.

Das besagte Schild hängt jetzt an einer Kette vor der Einfahrt der Mieterin und visualisiert das Hausverbot gegen die Eigentümer des Hauses. Die Vermieter sollen sich zusätzlich zu den Bedrohungen und dem Angriff mit der Eisenstange auch unerlaubt Zutritt zum Grundstück verschafft haben. „Sie stand auf einmal in meinem Wohnzimmer und hat dann noch eine Tasse Kaffee verlangt“, erzählt die Mieterin. Sie wisse sich nicht mehr anders zu helfen, als Anzeige zu erstatten.

Die andere Seite der Geschichte

Und von diesem Recht hat sie reichlich Gebrauch gemacht. „Wir haben zwei Anzeigen wegen angeblicher Körperverletzung und vier wegen Beleidigung“, erzählt die Gegenseite. Die Vermieterin und ihre Tochter trauen sich inzwischen nicht mehr in die Nähe ihrer Mieterin. „Ich muss ja immer mit einer Anzeige rechnen“, erklärt die Tochter. „Egal was man tut, man wird dabei fotografiert. Wir wissen uns nicht mehr zu helfen“.

Wie das Ganze zustande gekommen ist, weiß die Familie selber nicht. „Sie war so nett und sympathisch, da haben wir sie direkt einziehen lassen“. Was danach kommen sollte, konnte beim Einzug im Dezember schließlich noch keiner ahnen, so die Vermieterinnen.

Widersprüchliche Aussagen

„Wir haben ihr sofort die Einfahrt gepflastert und eine Firma kommen lassen, die den Schimmel beseitigen sollte“, heißt es von der Tochter. Die Rechnungen dafür habe man zum Glück alle aufgehoben, inzwischen dienen diese als Beweismaterial. Denn laut Aussagen der Mieterin sei die Wohnung inzwischen kaum noch bewohnbar. Schimmel und Kälte würden ihr dort zu schaffen machen.

„Das stimmt alles nicht“, widersprechen Mutter und Tochter. Man habe alles versucht, um es der Dame recht zu machen, erklärt sie. Man habe weder einen Schlüssel für die Wohnung, noch habe man sich anderweitig Zutritt verschafft. Auch der wenige Schimmel sei umgehend professionell beseitigt worden.

Bauen im Außenbereich wird meist nicht genehmigt
Im kleinen Kreuther Ortsteil Scharling tobt ein Mietstreit.

„Sie zahlt nichts und verklagt alle“, erzählt die Vermieterfamilie weiter. Jeder Schritt werde dokumentiert, und was ihr nicht passe, werde zur Anzeige gebracht. Es habe weder Beleidigungen noch Angriffe gegeben, betont man. Man halte sich sogar an das „grundlos“ erteilte Hausverbot und gehe der Mieterin möglichst aus dem Weg.

Doch diese antwortet weiter mit Anzeigen und Briefen von ihrem Anwalt. Auch ein offenes Gespräch zur Beseitigung der Probleme wurde von der Mieterin nicht akzeptiert. Inzwischen spricht keine Seite mehr mit der anderen. Alles läuft über Anwälte und die Polizei.

Aussage gegen Aussage – Polizei ratlos

Doch selbst Letztere ist inzwischen macht- und sprachlos. „Es steht Aussage gegen Aussage. Es fehlen die Zeugenaussagen“, bestätigt Ronny Sperling von der zuständigen Polizeiinspektion Bad Wiessee. Hier werde ein Nachbarschaftsstreit auf dem Rücken der Polizei ausgetragen. Generell seien solche Streits ein wachsendes Problem, bestätigt Sperling.

Eine Lösung in dem kuriosen Fall von Kreuth sei momentan nicht in Sicht. Die Polizei könne sich nur beide Seiten anhören, alle Anzeigen aufnehmen und hoffen, dass sich die beiden Parteien irgendwann untereinander einigen.


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