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Jahresrückblick 2014

Kriminelle Machenschaften in Holzkirchen

Von Cornelia Schramm

Über die Feiertage schauen wir uns die großen Themen des vergangenen Jahres noch einmal genauer an. Wer meint, im beschaulichen Holzkirchen – der „Perle des Oberlands“ – regt sich kein schlimmer Finger, liegt falsch. Die HS-Redaktion lässt die kriminellen Aufreger hier noch einmal Revue passieren.

Crystal Meth ist eine der weitverbreitetsten Drogen weltweit. Sie ist auch in Holzkirchen angekommen - neben vielen anderen illegalen Substanzen.
Crystal Meth ist eine der weitverbreitetsten Drogen weltweit. Sie ist auch in Holzkirchen angekommen – neben vielen anderen illegalen Substanzen.

Nur ein Wort: „H-Town“. Und der HS-Leser weiß Bescheid. H, das steht für Heroin. Doch nicht nur das hat der Holzkirchner Drogenmarkt angeblich zu bieten. Von berüchtigten Partydrogen über Crystal Meth, Marihuana und Ecstacy. Die Nähe zur Großstadt München sowie zur Landesgrenze macht sich in der „beschaulichen“ Marktgemeinde bemerkbar. Dealer und auch Konsumenten gibt es hier genug. Eine Redakteurin der HS verschaffte sich 2014 einen Einblick in die Szene.

Karsten Fricke, Sozialpädagoge bei der Suchtberatungsstelle in Holzkirchen, weiß: „Heroin ist überall. Illegale Drogen sind überall.“ Zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung Heroinabhängiger während der Entwöhnung. Rund 40 substituierte Heroinabhängige gibt es im Landkreis Miesbach. Özgur Bilge hat dagegen vor allem eine andere Droge auf dem Schirm: Crystal Meth. Acht Jahre hat er es konsumiert und auch er weiß: „Holzkirchen ist krass.“

Obwohl Holzkirchen recht klein ist, scheint die Drogenproblematik für die Einwohnerzahl doch radikal. Andreas Pfisterer, Jugendbeauftragter der Polizei Holzkirchen, bestätigte der HS: „Hier ist kein Friede-Freude-Eierkuchenland.“ Holzkirchen, nicht nur die Perle des Oberlands, sondern auch ein Drogenbrennpunkt im Voralpenland.

Kleinere Bagatelle an der Tagesordnung

Eines Tages waren 40 Radkappen einfach weg. Von zehn Fahrzeugen hatten unbekannte Täter an einem Autohaus in der Münchner Straße über Nacht sämtliche Radkappen abmontiert. Ebenfalls standen Bewohner der Süd- und Karl-Stieler-Straße eines Morgens vor ihren Autos und bemerkten abgeschlagene Seitenspiegel. Vom Briefdiebstahl bis zum angefahrenen Hund ohne Herrchen war 2014 in Holzkirchen jede Bagatelle vertreten.

Besonders amateurhaft stellten sich auch Einbrecher auf einem Anwesen in der Baumgartenstraße an. Sie scheiterten am Aufhebeln eines einfachen Kippmechanismus an einem Fenster. Um nicht mit völlig leeren Händen abzuziehen, nahmen die Täter eine Buddha-Statue aus dem Garten der Familie mit. Gesamtwert der Beute: 20 Euro – verkraftbar für die Opfer.

Ein anderer Täter hatte es wenigstens in das „Objekt der Begierde“ geschafft. Über Nacht hatte sich ein Krimineller im Holzkirchner Baumarkt einsperren lassen. Aus Versehen löste er dann die Alarmanlage aus, beim Versuch seine Komplizen dazu zu holen. Richtung Ortsmitte flüchtete er mit einem Auto. Mehrere Streifenwagen fahndeten nach ihm – jedoch ohne Erfolg.

Fahrräder im Visier

Der „kleptomanische Briefträger“ erlangte 2014 fast Kultstatus. In aller Munde war der Mitarbeiter eines Paketdienstes. Als er sein Päckchen nicht abliefern konnte, ließ er kurzerhand das Fahrrad mitgehen. Den dreisten Diebstahl beobachtete jedoch eine Otterfingerin, der er verdutzt Paket wie Fahrrad aushändigte.

Weniger kurios, eher besorgniserregend, sind die zahlreichen Fahrraddiebstähle auch in diesem Jahr. Besonders am Bahnhof und in den umliegenden Wohngebieten gestaltet sich die Lage schlimm. An die 50 Fahrräder pro Jahr werden in Holzkirchen gestohlen, bestätigte die Polizei auf Nachfrage der Holzkirchner Stimme. Wenig Hoffnung sollten sich die Besitzer machen, denn die Fahrräder werden ihnen nur selten wieder ausgehändigt.

Meist in der Nacht schlagen die Täter zu. Besonders in der Nähe des Holzkirchner Bahnhofs treten vermehrt Fahrraddiebstähle auf.
Meist in der Nacht schlagen die Täter zu. Besonders in der Nähe des Holzkirchner Bahnhofs treten vermehrt Fahrraddiebstähle auf.

Professionell gehen die Fahrraddiebe dabei vor. Tagsüber „checken“ sie unverschlossene Garagen aus und gehen dann des Nächtens organisiert auf Beutezug. Das Diebesgut verschwindet demontiert in abgedunkelten Sprintern. Gesammelt würde es dann über die Landesgrenzen abtransportiert, erklärte Polizeihauptkommissar Peter Wabnitz. Radbesitzer sollten sich die Rahmennummern notieren, sowie einen Radpass ausstellen – im „Glücksfall“ können so die Räder wieder gefunden werden.

„Betteln, Stehlen, Einbrechen“, so lautet ihre Devise. Ebenso organisiert wie die Fahrraddiebe gehen auch die Bettlerbanden vor. Besonders die Weyarner hatten mit den Bettlern zu kämpfen. Regelrecht terrorisiert wurden sie. So sprach die Holzkirchner Polizei Anfang Oktober sogar eine öffentliche Warnung aus. Besonders alte Leute sollten auf der Hut sein, denn durch ihr Mitleid würden sie zum leichten Ziel für die aggressiven Betteleien an der Haustür.

Erst kurz vor Weihnachten gab es für eine Föchinger Familie eine böse Überraschung. Nicht mal zwei Stunden waren sie außer Haus, als bisher noch unbekannte Täter Uhren, Schmuck und Geld im Wert von rund 10.000 Euro erbeuteten. Bleibt nur zu hoffen, dass es im Jahr 2015 beschaulicher zugeht, als 2014. Damit Holzkirchen noch lange die „Perle des Oberlands“ bleibt.


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