Runder Tisch soll Verhältnis kitten

Krisengipfel: München vs. Miesbach

Von Sabiene Hemkes

In den letzten Wochen ist der schon historische Streit zwischen den Gästen aus München und dem Umfeld sowie Teilen der hier Ansässigen eskaliert. Beschimpfungen und Beleidigungen wurden offen über die Medien und in den sozialen Netzen ausgetauscht. Gibt es eine zweite Chance für die Liebe?

Teilnehmer der Tegernseer Tal Tourismus Videokonferenz/ Quelle TTT

Die Spannungen zwischen der Metropolregion München und den touristischen Gemeinden im Oberland haben eine lange Geschichte. Verkehrschaos, überfüllte Parkplätze, Pisten und Wanderwege sorgen für großen Unmut. Schlechte Luft und Müllberge überall sind weitere Folgen der hohen Besucherzahlen.

Andererseits besteht das Bedürfnis der Städter und stadtnah lebenden Menschen, der Enge der Städte zu entfliehen und Bergsport zu betreiben. Ein momentan neuer Faktor in der kriselnden Beziehung ist seit 10 Monaten die Corona Pandemie und die damit einhergehenden Gefahren, Ängste und Bedürfnisse der Bürger.

Virtueller Krisengipfel

Am Mittwochabend lud die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) Bürgermeister aus dem Kreis Miesbach sowie Münchens 2. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden zu einem Videochat ein. Gastgeber war Geschäftsführer der TTT Christian Kausch. Der auch klarstellte, dass dieses Treffen zwar aufgrund der aktuellen Entwicklung vorgezogen wurde, doch schon seit längerem in der Planung gewesen sei.

Haberschaden begrüßte die direkte Kommunikation auf politischer Ebene. „Das war ein konstruktives Gespräch, geprägt von gegenseitigem Verständnis. Es ist immer besser, miteinander zu reden, als übereinander“. Als Sofortmaßnahme schlug die Grünen Politikerin, in deren Ressort auch der Tourismus fällt, eine gemeinsame Informationskampagne vor.

Informationskampagne zur Lenkung der Besucherströme

Ziel der gemeinsamen Initiative sollte sein, die Situation durch eine Sensibilisierung für die jeweiligen Bedürfnisse kurzfristig zu deeskalieren. Eine kurzfristig erfolgversprechende Maßnahme ist in den Augen der 2. Bürgermeisterin gezielt Orte im Kreis zu bewerben die abseits der Touristen Hotspots liegen.

Dass könne die Verkehrssituation unmittelbar entlasten und die Ansteckungsgefahr durch den Virus minimieren. Die zugeschalteten Bürgermeister begrüßten die Initiative aus der Landeshauptstadt ausdrücklich und sagten ihre Mitarbeit zu. Michael Bourjau, 2. Bürgermeister der Stadt Tegernsee, sagte:

Das Tegernseer Tal empfängt seit Generationen Gäste und versteht sich als Erholungsgebiet. Vor diesem Hintergrund stellen die aktuellen Einschränkungen und das anhaltende Erholungsbedürfnis der Besucher*innen eine Herausforderung für beide Seiten dar.

Balsam für die Seele

Die zweite Bürgermeisterin wies darauf hin, dass München und sein Umland das Oberland schätze und liebe. Auch sei der Aufenthalt in der freien Natur für die Münchner „Balsam für die Seele“ und ein „Lichtblick in schweren Zeiten“. Ausdrücklich wies Habenschaden auf den verfassungsmäßig garantierten Anspruch der Erholung in der freien Natur und den Genuss der Naturschönheiten hin.

„Es ist schlicht eine Sauerei, wenn Menschen ihren Müll hinterlassen und Anwohner und Natur respektlos behandeln“, stellt die passionierte Bergsteigerin klar. Aber das sei kein Grund und absolut inakzeptabel, wenn Münchner heuer aufgrund ihrer Herkunft offen angefeindet werden. Denn ein Auto-Kennzeichen sage noch lange nichts über die Kinderstube der Halter aus. Robert Kühn, Bürgermeister von Bad Wiessee, sagte:

Genauso wie wir herzlich in München willkommen sind, so heißen wir auch nach den Beschränkungen alle Gäste wieder recht herzlich willkommen

Bei dem virtuellen Treffen wurde neben der angestrebten Sofort-Entlastung durch die gezielte Besuchersteuerung auch vereinbart, einen „Runden Tisch Tagestourismus“ zu etablieren. Ein Ort des regelmäßigen Austausches der Vertreter der Gemeinden, Kreise, der Landeshauptstadt München und der Tourismusverbände. Auch über die Zeit der Pandemie hinaus. Diese Initiative begrüßte der Bad Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn ausdrücklich. Er versteht die Videokonferenz als ersten Schritt auf politischer Ebene, um an dem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, einen sanften und rücksichtsvollen Tourismus im Tal aufzubauen. Wichtig sei es, bei diesem Prozess die Menschen mitzunehmen. Gäste wie Gastgeber.

Der Miesbacher Bürgermeister betonte im Dialog mit den Kollegen die Wichtigkeit des aktiven und fruchtbaren Austausches zwischen den Bürgern der Landeshauptstadt und den Bewohnern der Tourismusregion im Oberland. Doch schränkte Braunmiller auch ein:

Aber ich bitte um gegenseitige Rücksichtnahme und Eigenverantwortung während der Pandemiezeit, die Gesundheit ist unser wichtigstes Gut.


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