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Aus der Traum für Valley

Die Hintergründe zur Ryder Cup-Absage

Von Lydia Dartsch

Die Entscheidung gegen den Golfclub von Valley sei nicht tragisch, sagt Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker. Doch über die Begründung, das Oktoberfest sei schuld, wundert er sich sehr. Gerade wegen der Wiesn, sei die Bewerbung aussichtslos, meint dagegen Marco Kaussler, Chef der Vergabegesellschaft.

Der Golfclub Valley ist aus dem Rennen um den Ryder Cup. Dabei ist der Platz für internationale Turniere ausgelegt. Quelle: Stefan von Stengel
Der Golfclub Valley ist aus dem Rennen um den Ryder Cup. Dabei ist der Platz für internationale Turniere ausgelegt. Quelle: Stefan von Stengel

Wenn im Herbst 2022 in München traditionell das Oktoberfest gefeiert wird, werden rund um Valley die Hotels ausgebucht sein und die Sicherheit auf einem internationalen Sportevent könnte dann auch niemand mehr garantieren, so lässt sich die Begründung der Ryder Cup Deutschland GmbH verstehen, weshalb Valley aus dem Rennen um das begehrte Turnier ausgeschieden ist.

Die Entscheidung sei zwar nicht tragisch, sagt Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker, aber bei dieser Begründung werde er sauer, sagt er:

Das bedeutet ja, dass auch der FC Bayern München nicht mehr spielen darf, wenn Oktoberfest ist.

Rund 17.000 Sportler und Turniergäste müssten in acht Jahren rund um Valley untergebracht werden. Hallmannsecker bezweifelt, dass es zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten geben soll: „Im Umkreis von 100 Kilometern schaffen wir das locker“, sagt er. Und da beginnen seine Zweifel an der Entscheidung der Vergabegesellschaft.

Denn woher will die Ryder Cup Deutschland GmbH eigentlich wissen, wie viele Übernachtungsmöglichkeiten im Umkreis zur Verfügung stehen? „Wir erarbeiten gerade ein Gutachten mit den Tourismusverbänden. Das ist noch gar nicht fertig“, erklärt Hallmannsecker. Er sei auch im Vorfeld der Entscheidung nicht danach gefragt worden.

„Bei der letzten Bewerbung war von der Wiesn keine Rede“

Der Golfplatz sei extra für internationale Turniere angelegt. Daran könne es nicht liegen. Auch am Wiesn-Argument zweifelt der Rathauschef: „Bei der Bewerbung für das Turnier 2018 vor vier Jahren war vom Oktoberfest keine Rede“, sagt er. Damals habe es geheißen, der Golfplatz sei noch nicht so weit.“

Nach welchen Kriterien werden die Golfplätze für den Ryder Cup dann ausgewählt? Auf Anfrage an die, vom Golfverband gegründete Ryder Cup Deutschland GmbH weist der Pressesprecher Sebastian Orth auf sechs Kriterien hin, die in einem Artikel auf der europäischen Seite des Ryder Cup nachzulesen sind. Demnach sind die sechs Schlüsselkriterien nach unserer Übersetzung:

  1. Nachweisliche Leitung und Unterstützung durch Politik, die Behören und die Golf-Gemeinschaft
  2. Bekenntnis zur Entwicklung einer Golf-Anlage von Weltklasse (neu oder bereits vorhanden), um den Ryder Cup 2022 auszurichten
  3. Bereitstellung von zusätzlichen Anlagen, angemessenem Zugang und eine Infrastruktur, die der Durchführung einer Internationalen Sportveranstaltung entsprechen, inklusive die Nähe zu einer internationalen Großstadt
  4. Handelsgelegenheiten für den Ryder Cup
  5. Beteiligung des Bewerberland an der Entwicklung des Golf-Sports wie beispielsweise:
    — Vermächtnis
    — Beteiligung am Profi-Spiel
    — Integration des Golfsports in Tourismus und Geschäftsgemeinschaften
    — Entwicklung von Ebenen der Anteilnahme am Golfsport
    — Professioneller Turnier-Golfsport auf allen Ebenen
    — Beitrag zum Ryder Cup: Zum Beispiel die Auswahl und Teilnahme der Spieler

Genauer will die Bewerbungsgesellschaft auf Nachfrage nicht auf die Kriterien eingehen, nach denen der Bewerbungs- und später ein Austragungsort ausgesucht wird. Zwar gebe es da nichts zu verheimlichen, aber: „Wir konkurrieren mit vielen anderen Ländern weltweit um die Austragung. Deshalb wollen wir unsere Strategie nicht schon vor der Bewerbung offenlegen“, sagt Geschäftsführer Marco Kaussler. Ziel der Bewerbungsgesellschaft, der Ryder Cup Deutschland GmbH sei es, das Turnier nach Deutschland zu holen. Deshalb wolle sich die Gesellschaft nur mit aussichtsreichen Austragungsorten bewerben:

Wir haben von der europäischen Vergabegesellschaft mehrfach deutlich signalisiert bekommen, dass der Ryder Cup mit einer gleichzeitigen Großveranstaltung wie dem Oktoberfest keine Aussicht auf Erfolg haben wird.

Im Umkehrschluss bedeute dies, dass der Großraum München für die Austragung des Ryder Cups wohl nie in Frage kommt, bestätigt Kaussler: „Das ist für mich als Münchner natürlich besonders bitter. Ich hätte ihn gerne in meiner Heimatstadt gehabt.“ Den Termin für das Turnier zu verschieben: Das sei undenkbar, sagt er.

Deshalb habe man Valley schon abgesagt, auch wenn Kriterien wie Bettenkapazitäten noch gar nicht geprüft wurden. Die Bewerbungsgesellschaft konzentriere sich jetzt auf die verbliebenen beiden Standorte Hamburg und Berlin. Ob Kaussler mit seiner Bewerbung für Deutschland Erfolg haben wird, wird man spätestens Mitte Februar erfahren. Bis dahin rechnet er mit der Entscheidung der europäische Vergabegesellschaft.

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